Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Im Schwarzweißbild ist die Farbe nur Tarnung.
+
Im Schwarzweißbild ist die Farbe nur Tarnung.

Filme und Installationen

Gnadenlos und schwarzweiß

  • Sandra Danicke
    VonSandra Danicke
    schließen

Josephine Mecksepers politisch korrektes Amerikabild "Migros" in Zürich.

Die Folgen seien ja abzusehen gewesen, sagt Josephine Meckseper, man habe doch jahrelang auf einem Pulverfass gelebt. "Das war alles zu gut, um wahr zu sein." Seit zwanzig Jahren lebt die deutsche Künstlerin in New York. Die Ursachen und das Fortschreiten der Finanzkrise hat sie hautnah miterlebt, und weil Josephine Meckseper sich als kritische Künstlerin sieht, prangert sie all das an, wofür die USA (vor allem unter der Präsidentschaft George W. Bushs) stand und immer noch steht: Korruption, strategisch geführte Kriege, bei denen es vornehmlich um Öl geht, um Warenfetischismus und Feindbilddenken.

Eine Einzelausstellung im Züricher Migros Museum für Gegenwartskunst zeigt derzeit drei Filme und diverse Installationen der 1964 in Lilienthal geborene Künstlerin, die mit Schaufenster-Arrangements bekannt wurde, in denen neben Spitzendessous auch schon mal Parteienwerbung und Protestschilder von Antikriegsdemonstrationen ausgestellt sind. Oder ein Palästinensertuch als zynischer Verweis auf die Entleerung politischer Symbole im Kontext von Mode und Hipness. Was überzeichnend gemeint war, wurde vom Radikal-Chic der Realität allerdings irritierend schnell überholt. Man denke nur an T-Shirt-Aufdrucke wie "Prada-Meinhof" oder abwaschbare Sofakissen mit der Aufschrift "Terror".

Auch in Zürich, wo es thematisch vor allem um den Irakkrieg und die Verstrickung der Öl- und Automobilindustrie geht, haben zahlreiche Arbeiten die Form von Waren-Displays: Schaufenster und spiegelnde Sockel, auf denen zum Beispiel Socken in Tarnfarben präsentiert werden, daneben ein Toilettenvorleger, ein Ölkanister, eine Gehhilfe, ein Topfkratzer und ein T-Shirt mit der Aufschrift "If you love your freedom thank a vet". Man soll also einem Kriegsveteranen für seine Freiheit danken. Fürwahr ein zynischer, wenngleich ursprünglich todernst patriotisch gemeinter Spruch. Oder so: Drei silberne Schaufensterpuppen, eine Whiskeyflasche, eine Bibel, Kotze, eine Gehhilfe, das Bild eines Sportwagens, ein Ausverkaufsschild und ein zersprungener Spiegel.

Was das soll, ist nicht schwer zu erraten: Meckseper benutzt die suggestive Sprache der Werbung, zeigt Politik als reines Konsum-Spektakel und die USA als eine Welt, in der Unterhosen, Glamour, Rezession und Kriegslügen den gleichen Stellenwert haben und mit den Marketingstrategien des Lifestyles leicht konsumierbar vermittelt werden.

Das ist kritisch gemeint und aufgrund der plakativen Darstellung jedem verständlich, bloß: Es langweilt auch schrecklich schnell, weil das Prinzip, das dem alltäglichen Nebeneinander von politischen Nachrichten und Unterwäsche-, Auto- oder Haushaltswarenwerbung entspricht, stets das Gleiche ist. Als aufgeklärter, gemäßigt links eingestellter Bürger mit intakten ethischen Grundsätzen nickt man wissend und ein wenig betrübt: Ja, so ist sie, die Welt des gnadenlosen Kapitalismus.

Indem Meckseper exakt jene Form benutzt, die sie kritisiert, macht sie ihr Anliegen zwar auf den ersten Blick deutlich, eine zweite Ebene allerdings sucht man im Werk vergebens. Mit einer Serie eingeschweißter Fertig-Leinwände, in die Meckseper Anzeigenfotos von Autos hineingesteckt hat, wolle sie auf den "hochgeschaukelten Kunstmarkt" und die allenthalben zu beobachtende "Fließbandmalerei" aufmerksam machen, erläuterte die Künstlerin zur Eröffnung. Die verzerrt und schwarzweiß als Wandmalerei applizierte US-Flagge stelle - na was wohl? - das Schwarzweißdenken der amerikanischen Regierung dar.

Kaum aussagekräftiger sind die ebenfalls ausgestellten, eins zu eins nach gebauten Ölpumpen beziehungsweise der Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg, Großskulpturen, die gleich am Eingang der Schau das Thema vorgeben, als Kunstwerke jedoch kaum ergiebiger sind, als die ganzen Toilettenbürsten, die hier "als austauschbare Repräsentanten von kapitalistischen Waren an sich" (Meckseper) dienen. Auch der Film "Mall of America", in dem die Kamera sich durch die mit 500 Geschäften größte Shoppingmall der USA in Minneapolis bewegt und dort auf ein Rekrutierungsbüro der US-Army stößt, passt aufgrund der so selbstverständlich erscheinenden Verquickung von Konsum und Krieg zwar perfekt ins System von Josephine Meckseper, weist jedoch über sich selbst nicht hinaus.

Allenfalls der Film "0% Down" lässt dann doch ein wenig schaudern. Meckseper hat hierfür amerikanische Autowerbung zusammengeschnitten und mit einem Soundfragment des Industrial-Musikers Boyd Rice versehen: "Do you want total war?" ruft eine Joseph Goebbels zitierende Stimme zu wuchtigen Beats. Zu sehen ist etwa, wie ein Saab einem Geschwader Düsenjets davon fährt. Ein Verkaufsargument, dass zumindest in Europa durchaus ein wenig irritierend anmutet.

Josephine Meckseper: Migros Museum für Gegenwartskunst, Zürich, bis 3. Mai. www.migrosmuseum.ch

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare