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BLOGOSPHäRE

Glückselige Blogger?

Eine gewisse Gelassenheit scheint das Schreiben eines Online-Journals mit sich zu bringen, denn so schnell geht Bloggern der Hut nicht mehr hoch. Jüngstes Beispiel: Die unaufgeregten Reaktionen auf eine Polemik unter dem aufgeregten Titel "Stoppt die Blog-Exhibitionisten!"

Von MARIO SIXTUS

"Wie depressiv ist Deutschland?", fragt sich ein selbst ernanntes "Management Zentrum" und stellt zur Messung des aktuellen Schwermutgrades eigens ein "Depressionsbarometer" ins Netz. Ganze drei Minuten dauert die Betrübtheitsanalyse und am Ende erfährt der Prüfling seinen persönlichen Melancholiefaktor, der irgendwo zwischen eins (keine Depression) und 105 (schwere Depression) liegt.

Bereits 50 000 Leute haben ihr Befinden mithilfe der Maschine ermittelt - der Mittelwert dieser Probanden beträgt im Augenblick sagenhafte 6,9. Die Deutschen also doch ein Volk der Glückseligen? Die vermeintliche Jammer-Nation ein Land des Lächelns?

Gemach, gemach! Denn die Teilnehmergruppe dürfte alles andere als repräsentativ gewesen sein. Klickt man sich durch die deutsche Blogwelt, gewinnt man schnell den Eindruck, jeder zweite Weblog-Autor hat bereits am virtuellen Gemüts-TÜV teilgenommen - und dadurch wohl für einen deutlichen Blogger-Überhang unter den Probanden gesorgt. Die Frage muss also eher lauten: Macht Bloggen glücklich?

Stoppt die Blog-Exhibitionisten!

Nun, vielleicht. Zumindest eine gewisse Gelassenheit scheint das Schreiben eines Online-Journals mit sich zu bringen, denn so schnell geht Bloggern der Hut nicht mehr hoch. "Stoppt die Blog-Exhibitionisten", hat Christian Rentrop im Online-Magazin jüngst geschimpft und seine Abneigung gegen die Ich-Publizisten ins Netz hinausgetippt: "Da berichtet ein Blogger über seine Ambitionen, einen 100-Meter-Lauf mal endlich in unter 20 Sekunden zu schaffen und vor dem geistigen Auge erscheint der Fleischberg, der bei Juli-Hitze versucht, die Bundesjugendspiele sportlich zu nehmen."

Rentrop fragt: "Warum macht Ihr das? Haltet Ihr Euer nebensächliches Leben für so spannend, dass die Menschheit daran teilhaben sollte?" Und weiter: "Ein Drittel der Menschheit, das sind für die Schnellrechner fast drei Milliarden Menschen, hat Zugriff auf das Internet. Ihr versteht, was Ihr mit Euren Blogs anrichtet?"

Ob man versteht, was Rentrop mit dieser rhetorischen Frage bewirken will, ist eine Sache, eine andere ist, dass zumindest Langsamrechnern nicht ganz klar ist, wie drei Milliarden Menschen ein Drittel von 6,5 Milliarden sein können.

Erstaunlich lässig reagiert die Blogosphäre auf die polemische Attacke. Aron klärt auf: "Es besteht keine Lesepflicht. Der Surfer ist frei. Wen etwas nicht interessiert, der braucht es nicht zu lesen", und fragt sich, "oder surft Herr Rentrop alle Pornosites ab, weil es sie gibt"?

Switchpacker spekuliert über die Motive des Autors: "Hat sich wohl geärgert, dass ihm die Redaktion eine Blogrecherche aufs Auge gedrückt hat." Nico Wilfer hat eine Schöpfkelle voll Lebensweisheit parat: "Als ich noch jung war, sagte man mal zu mir: Man muss die Dinge verstehen, um sie kritisieren zu können. Ich bin froh, diesen Grundsatz heute, als alter Fuchs, weitergeben zu können."

Dirk Olbertz holt schließlich die ultimative Waffe gegen den Blog-bashenden Online-Journalisten heraus: Lob. "Ich finde, dass die Vielfalt der Blogs in dieser Kolumne sehr gut dargestellt wird", notiert er wohlwollend. Solange Deutschland noch so viel gleichmütige Blogger besitzt, sind Depressionen wahrlich nicht zu fürchten.

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