+
Hundchen auf Reisen in „Shadowland“.

Alte Oper Frankfurt

Dog Girl in Gefahr

  • schließen

Die Pilobolus Dance Company tourt wieder mit „Shadowland“.

Die sehr sportliche Pilobolus Dance Company, die bereits 1971 gegründet wurde, hat sich seit inzwischen zehn Jahren auf eine ganz besondere Art von Körperkunst spezialisiert: Schattenfiguren. 2009 startete man mit der Show „Shadowland“, war sehr erfolgreich, entwickelte sie weiter, ist nun aber mit dem Original auf Tournee. Dieses zeigt jedoch, aktuell in Frankfurts Alter Oper, dass man bei „Shadowland 2“ erheblich dazugelernt hat. Jedenfalls, was die Rahmenhandlung für all die Schattenspiele und -kniffe betrifft.

In der Show Nummer 2 ging es um böse Leute, die Tiere einsaugen und in Boxen packen. Am „Shadowland“-Anfang aber stand eine Alice-im-Schattenland-Handlung, die dramaturgisch ungeschickt zusammengefügt ist und mit Wiederholungen ermüdet.

Ein Mädchen mit offenbar reger Fantasie geht zu Bett, schläft und träumt, wird von den Tänzern, die ihr „Bett“ bilden, sanft getragen und in den Himmel gehoben – dies auch immer wieder zwischendrin, wenn die Leinwand für die Schatten hochgezogen wird. Einmal findet sich die Hauptfigur unter einer Schar anderer junger Frauen im Negligé, aber dann sind die nach einem Ringelreihen auch gleich wieder weg, ohne dass man hätte verstehen können, was sie da sollten.

Denn die Rahmengeschichte erzählt davon, wie eine Riesenhand das Mädchen in ein Hundchen, in Dog Girl verwandelt, es dann auf gefährliche Wanderschaft schickt. Es landet unter Kannibalen, es wird von einem mitleidigen Cowboy im Auto mitgenommen, frisst dann aber dessen Zigarette, benimmt sich auch sonst daneben, wird ausgesetzt, sitzt im Café, gerät in einen Zirkus mit peitschenschwingender Chefin, kann fliehen, landet im Meer, trifft auf einen lieben Zentauren. Die Riesenhand schickt dem Hundemädchen ein veritables Monster auf den Hals, wofür es nur den Grund gibt, dass Pilobolus auch ein Urzeitmonster zeigen können möchte. Im Meer gibt es außerdem das Seepferdchen, sehr nett, und eine prächtige, ziemlich echt aussehende Qualle.

Das ist die Stärke der Pilobolus Company, dass sie diverseste Ur- und andere Viecher so im Schattenriss zeigt, dass man sie auf Anhieb erkennt und Freude an ihnen hat, wie sie schlängeln, hopsen, fauchen. Diese Stärke kommt aber so richtig erst in der Zugabe zum Tragen, wenn die muntere Truppe einige Bilder der Show noch einmal zitiert, wenn sie außerdem von New York über Berlin nach Frankfurt reist und – unter Zuhilfenahme von Pappe natürlich auch, so eckig wie Hochhäuser sind Tänzerkörper nicht – die Skyline gleichsam antanzen lässt. Da staunt man dann wieder über die Pfiffig- und Geschwindigkeit der Verwandlung.

Vielleicht ist ein wenig auch die Zeit über die erste Show hinweggegangen. Die seltsamen Kannibalen, die biederen Eltern des Mädchens, das Girl selbst, wenn es nicht als Hund erscheint, im Babydoll: das wirkt auf eine Weise veraltet, auf die das Wort nostalgisch nicht passen will. Man hätte sich vielleicht trauen sollen, auf das „Original“ zu pfeifen und die Show zu überarbeiten.

Alte Oper,Frankfurt: 26.-28. April. www.semmel.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion