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Kanzler Scholz liefert mit „Zeitenwende“ Wort des Jahres 2022

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Von: Michael Hesse

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Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hält zu Beginn der Sondersitzung des Bundestags zum Krieg in der Ukraine eine Regierungserklärung.
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hält zu Beginn der Sondersitzung des Bundestags zum Krieg in der Ukraine eine Regierungserklärung. (Archivbild) © dpa

Das Wort des Jahres 2022 steht fest: Die Gesellschaft für deutsche Sprache wählte den Begriff „Zeitenwende“ aus einer Scholz-Rede.

Wiesbaden – Der Historiker Heinrich August Winkler hielt die Bundestagsdebatte vom 27. Februar für die vielleicht bedeutendste, „die ich bis dahin verfolgt habe“. Und er hatte fast alle seit Gründung der Bundesrepublik verfolgt. Olaf Scholz (SPD) trat nach dem Beginn der russischen Invasion in die Ukraine vor den Bundestag und sprach von einer „Zeitenwende“.

Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat den Begriff nun zum „Wort des Jahres“ 2022 gekürt. Das gab die Jury am Freitag (9. Dezember) in Wiesbaden bekannt. „Der russische Überfall auf die Ukraine markiert eine Zeitenwende. Er bedroht unsere gesamte Nachkriegsordnung“, sagte Scholz damals wörtlich. Doch es handelt sich zunächst einmal nicht mehr als um ein Wort.

Auf seine Ankündigung, den Wehretat durch ein Sondervermögen von 100 Milliarden Euro aufzustocken und das Versprechen, nun das Zwei-Prozent-Ziel der Nato einzuhalten, folgten Monate des Zögerns. Scholz entpuppte sich nicht als der Kanzler, der er in seiner Rede vorgab zu sein.

Das Wort des Jahres 2022 – Die „Zeitenwende“ von Olaf Scholz

Just in dieser Woche griff der deutsche Regierungschef das nun gekürte Wort wieder auf: Er wählte für seine neuerliche Grundsatzrede in einem Aufsatz für das US-amerikanische Politikmagazin „Foreign Affairs“ den Titel „The global Zeitenwende“.

Ob Zeitgenossen die Veränderungen ihrer Gegenwart grundsätzlich erkennen können, ist eine viel diskutierte Frage. Zuletzt hatte der Kölner Soziologe Jens Beckert bestritten, dass man sich überhaupt sinnvoll auf die Zukunft beziehen könne. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass Wendepunkte immer erst im Nachhinein feststellbar sind.

Kaum jemand hätte wohl das Jahr 1979 als den großen Game-Changer für Politik und Gesellschaft erachtet. Heutige Historiker sehen jedoch die Ereignisse des Jahres gerade für die Gegenwart als entscheidend an. Unter anderem übernahmen Margaret Thatcher und Ronald Reagan in ihren Ländern die Regierungsgeschäfte. (Michael Hesse)

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