Ruhrtriennale

Wofür steht Achille Mbembe?

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Diskussion über den Gast der Ruhrtriennale: Eine ehrliche Debatte über historische Analogien ist notwendig.

Es ist eine Geschichte fortgesetzter Missverständnisse bis hin zum mutwillig in Kauf genommenen Rufmord. Nachdem zuletzt Antisemitismusvorwürfe gegen den aus Kamerun stammenden und in Südafrika lebenden Historiker Achille Mbembe erhoben wurden, stimmt nun auch Josef Schuster, der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, indirekt in den Tenor der Mutmaßungen über Mbembe ein. Er fordert die Absetzung von Stefanie Carp als Intendantin der Ruhrtriennale, die Mbembe als Eröffnungsredner des Kulturfestivals eingeladen hatte. Mbembe, so Schuster, vertrete die Auffassung, Israel verhalte sich heute schlimmer als Südafrika zur Zeit der Apartheid. Das sei historisch falsch und nicht zu akzeptieren. Mbembe unterstütze so indirekt die BDS-Bewegung, die weltweit zum Boykott Israels aufruft und vom Deutschen Bundestag als antisemitisch eingestuft wurde. Tatsächlich hatte Mbembe vor einigen Jahren einen BDS-Aufruf unterschrieben.

Aber sind die Vorwürfe deswegen berechtigt? Entzündet hat sich der Streit um den politischen Philosophen, der als herausragender Vertreter einer Theorie des Postkolonialen gilt, vor allem an einer Passage aus dessen Buch „Politik der Feindschaft“. „Das Apartheidregime in Südafrika“, heißt es darin, „und – in einer ganz anderen Größenordnung und in einem anderen Kontext – die Vernichtung der europäischen Juden sind zwei Manifestationen dieses Trennungswahns.“

Ist dies eine Relativierung?

Die Bezugnahme auf die Vernichtung der europäischen Juden im Zusammenhang mit der Apartheidpolitik haben Kritiker, darunter auch der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, zum Anlass genommen, ihn der Relativierung der Singularität des Holocaust zu bezichtigen.

Achille Mbembe ist über die Diskussion um seine Person entsetzt. „Die Unterstellung, ich könnte Hass oder Vorurteile gegenüber irgendeinem anderen menschlichen Wesen oder irgendeinem verfassten Staat hegen, trifft mich als solche in meiner Seele“, sagte er auf Deutschlandfunk Kultur. „Die Wahrheit ist, dass ich keinerlei Beziehung zum BDS habe. Ich bin in keinerlei politischen Organisation Mitglied.“

Es ist ein intellektuelles Drama, Mbembes ebenso umfangreiches wie anregendes Gesamtwerk auf einige als toxisch empfundene Aussagen zu reduzieren. Die Ruhrtriennale ist inzwischen wegen der Corona-Krise abgesagt. Schade, dass sie nun kein Ort sein kann für eine Debatte über Trennungspolitik, Antisemitismus, Apartheid sowie die Relevanz und das Aushalten historischer Analogien.

Die Antisemitismus-Debatte um Achille Mbembe wird beherrscht von Lagerdenken und Fraktionszwang. Eine Einordnung von Claus Leggewie.

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