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Donald Trump nach der US-Wahl: Dem Präsidenten bleiben jetzt noch drei Strategien

  • Claus Leggewie
    vonClaus Leggewie
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Von erneuter Kandidatur bis zur Hausbesetzung: Die Exit-Strategien eines Präsidenten namens Donald Trump.

  • Donald Trump hat die US-Wahl gegen Joe Biden verloren - nur interessiert ihn das offenbar wenig.
  • Was macht der amtierende Präsident eigentlich, wenn seine Amtszeit vorüber ist?
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Washington - Würden wir uns auf Donald Trumps Niveau begeben, riefen wir ihn „loser & sucker“, wie der US-Präsident Soldaten tituliert hat, die in Vietnam unterlagen, wohin einberufen zu werden sich der junge Donald erfolgreich gedrückt hatte. Wir begeben uns natürlich nicht auf dieses Niveau, auch wenn er ein nerviger Verlierer ist, der gerade zwischen Oval Office und Golfplatz hin und her tigert, großbuchstabige Tweets abgesetzt, Spießgesellen einsetzt oder begnadigt. „He knows, it’s over“, werden Berater zitiert. Das Regieren, das Trump vier Jahre erratisch betrieben hat, hat er wohl ganz eingestellt, obwohl die Corona-Pandemie grassiert, und lehnt offenbar ab, ein Held des Rückzugs zu werden wie seinerzeit Michael Gorbatschow.

Donald Trump zeigt sich bei der „Make America Great Again“-Demonstration am Samstag.

Drei Exit-Strategien hat der ungeeignetste Präsident seit Menschengedenken: spätes Eingeständnis der Niederlage, verbrannte Erde bis zum 20. Januar, Anstachelung zum Bürgerkrieg.

Donald Trump drohen nach der US-Wahl jede Menge Anklagen

Knickt er ein, drohen ihm ein ganzer Strauß von Anklagen wegen Steuerhinterziehung, betrügerischem Bankrott und sexualisierter Gewalt – Strafsachen, die schon länger vorliegen. (Manche behaupten, Trump habe überhaupt nur kandidiert, um sich Immunität zu verschaffen und die Pleite zu vermeiden.) Wenn er das abwenden kann, wird er spätestens am 21. Januar die Präsidentschafts-Kampagne 2024 ausrufen und nach der Desertion von Fox News einen eigenen TV-Kanal gründen.

Wenn er Glück hat, werden die Amerikaner vergesslich sein und Donald Trump in die Geschichte eingehen lassen wie den überschätzten Ronald Reagan. Unterdessen muss das Team Joe Biden und Kamala Harris versuchen, den Scherbenhaufen daheim und in der Welt zusammenzukehren, die demokratische Kultur wiederherzustellen und das Regierungsmoratorium zu beenden.

Donald Trumps Taktik: Brücken zerstören, Brunnen vergiften

Zu Donald Trumps Persönlichkeit passt ein versöhnliches Szenario eigentlich nicht. Er kann stattdessen als „unlame duck“ wie die tapferen Gallier gegen die Römer eine Taktik der verbrannten Erde einschlage: Brücken zerstören, Brunnen vergiften, Vorräte aufbrauchen, untermalt durch Bürgerkriegsaktionen seiner Proud Boys, worauf die Entlassung des Verteidigungsministers hindeutet, der sich noch geweigert hatte, die Nationalgarde auf Demonstranten loszulassen.

Um diese Eskalation zu verhindern, müssten seine bislang loyalen Unterstützer der Grand Old Party aus der Deckung kommen. Im Blick auf die Senats-Nachwahl in Georgia, aber auch auf die generellen Zwischenwahlen 2022 müssen sie abschätzen, was ihnen weniger schadet: Nibelungentreue oder Vatermord. Was von nicht zu erwarten ist: eine baldige Deradikalisierung und die Aufgabe der Blockade parteiübergreifender Kompromisse. Wir bekämen dann eine Art republikanische Gegenregierung mit dem nie ganz abgetretenen Trump oder einem Epigonen, der sein Zerstörungswerk fortsetzt.

Die dritte Option, die bis zum Supreme Court gehende gerichtliche Erstreitung einer zweiten Amtszeit, hält so gut wie niemand für aussichtsreich, selbst wenn Trump seine unbewiesene Behauptung, die Wahl sei gestohlen worden, durch eine satte Wahlfälschung untermauern würde. Die Anwälte Rudolph Giuliani und Stephen Powell, die er dazu aufbietet, sind, nun ja: loser & sucker, über denen längst ein homerisches Gelächter niedergegangen sein müsste.

Sollte sich Donald Trump wirklich nicht freiwillig aus dem Weißen Haus bewegen wollen, werden sich im Januar nächsten Jahres mindestens eine Million Menschen einfinden, die eben dieses Gelächter anstimmen und Spalier stehen, wenn die Ordnungskräfte den Hausbesetzer heraustragen.

Rubriklistenbild: © Probal Rashid via www.imago-images.de

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