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„Unwort des Jahres“ ist „Klima-Terroristen“ - Klimaschutz wird diskreditiert

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Von: Katja Thorwarth

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„Klimaterroristen“ wurde zum „Unwort des Jahres“ 2022 gekürt.
„Klimaterroristen“ wurde zum „Unwort des Jahres“ 2022 gekürt. © Sebastian Gollnow/dpa

Eine sprachkritische Jury wählt alljährlich das „Unwort des Jahres“. Geschafft hat es 2023 das Wort „Klima-Terroristen“ - gefolgt von „Sozialtourismus“.

+++ 12.00 Uhr: Hinter „Klima-Terroristen“ auf dem zweiten Platz landete „Sozialtourismus“. Bereits 2013 war das Wort „Unwort des Jahres“. Damals wurde damit Stimmung gegen Zuwanderung gemacht, aktueller Bezug ist Friedrich Merz. Der hatte das Wort 2022 im Zusammenhang mit Geflüchteten aus der Ukraine benutzt. Auf den dritten Platz wählte die Jury den Begriff „Defensive Architektur“. Das Wort meint eine Bauweise, die sich gegen bestimmte Personen, meistens Obdachlose im öffentlichen Raum richtet.

„Unwort des Jahres“ ist „Klima-Terroristen“ - Klimaschutz wird diskreditiert

+++ 9.00 Uhr: Das „Unwort des Jahres“ 2022 lautet „Klimaterroristen“. Das gab die sprachkritische „Unwort“-Aktion am Dienstag in Marburg bekannt. Der Ausdruck sei im öffentlichen Diskurs benutzt worden, um Aktivist:innen und deren Proteste für mehr Klimaschutz zu diskreditieren, begründete die Jury ihre Wahl. Sie kritisierte die Verwendung des Begriffs, weil Aktivistinnen und Aktivisten mit Terroristen „gleichgesetzt und dadurch kriminalisiert und diffamiert werden“. Gewaltlose Protestformen zivilen Ungehorsams und demokratischen Widerstands würden so in den Kontext von Gewalt und Staatsfeindlichkeit gestellt, rügte die Jury.

Was wird „Unwort des Jahres“? Im Angebot: „Klima-Terroristen“ oder „Gratismentalität“

Erstmeldung: Marburg - Die Jury der „Sprachkritischen Aktion Unwort des Jahres“ gibt auch Anfang 2022 das „Unwort“ des Vorjahres im hessischen Marburg bekannt. Am heutigen Dienstag (10. Januar) wird verkündet, welches Wort es an die Spitze 2022 geschafft hat. Die Jury, die das „Unwort“ seit 1991 kürt, hatte im letzten Jahr „Pushback“ mit der Negativ-Ehrung bedacht.

Die Jury erhielt diesmal nach eigenen Angaben mehr als 1400 Vorschläge, die Interessierte bis Ende Dezember vergangenen Jahres einreichen konnten. Zu den eingegangenen Begriffen gehören einer Sprecherin zufolge „Spezialoperation“, „Sondervermögen“, „Gratismentalität“ und „Klima-Terroristen“.

„Unwort des Jahres“ 2022: Große Ereignisse und öffentliche Debatten

Die Vorschläge spiegelten einerseits die öffentlichen Debatten des Jahres wider, andererseits die großen Ereignisse, hatte Jury-Sprecherin Constanze Spieß im Dezember zu den bis dahin eingereichten Begriffen mitgeteilt. Anfang 2022 dominierten demnach noch Einsendungen rund um die Corona-Pandemie. Das habe mit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine Ende Februar schlagartig abgenommen.

Mit der Kür des „Unwortes“ soll auf unangemessenen Sprachgebrauch aufmerksam gemacht und so sensibilisiert werden. Die Jury rügt Begriffe, die gegen die Prinzipien der Menschenwürde oder Demokratie verstoßen, die gesellschaftliche Gruppen diskriminieren und marginalisieren oder die euphemistisch, verschleiernd oder irreführend sind. Bei der Entscheidung für ein „Unwort“ kommt es laut Jury nicht auf die Menge der eingereichten Vorschläge für einen einzelnen Begriff an.

„Unwort des Jahres“ 2021: „Pushback“

„Pushback“ wurde 2022 gekürt. Der aus dem Englischen stammende Begriff bedeutet zurückdrängen oder zurückschieben und wird im Zusammenhang mit illegalen Zurückweisungen von Migrant:innen an der EU-Außengrenze gebraucht. Die Jury kritisierte vor einem Jahr die Nutzung des Ausdrucks, „weil mit ihm ein menschenfeindlicher Prozess“ beschönigt werde. Nach wie vor finden täglich illegale Zurückweisungen an den EU-Außengrenzen statt. (ktho/dpa)

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