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Um Gottes Willen

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Von: Michael Hesse

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Die Inschrift sei „geschichtsblind“, sagt Claudia Roth.
Die Inschrift sei „geschichtsblind“, sagt Claudia Roth. © dpa

Eine Überdeckung der Bibelzitate am Humboldt-Forum führt zu Streit zwischen den Parteien

Ein biblischer Spruch entzweit das politische Berlin. Zu lesen ist er an der Kuppel des Berliner Humboldt-Forums. Er lautet: „Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, denn in dem Namen Jesu, zur Ehre Gottes des Vaters. Dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind.“ Die Inschrift geht zurück auf den preußischen König Wilhelm IV. Der zeichnete verantwortlich dafür, dass auf dem Berliner Schloss im Jahr 1844 eine Kapelle errichtet wurde. Nach dem Willen von Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) soll der Spruch durch andere Texte bei Dunkelheit überstrahlt werden. Ihr gehe es, so Roth, um eine „temporäre Überblendung der rekonstruierten Inschrift mit alternativen, kommentierenden und reflektierenden Texten“. Der Grund für die Auseinandersetzung ist in der deutschen Kolonialgeschichte zu suchen.

So erkennen Kritiker aus Afrika sowohl in in den zusammengesetzten Bibelversen als auch in dem Kreuz auf der Kuppel Relikte der christlich-kolonialen Herrschaft wieder. Roth nannte den Bibelspruch daher „geschichtsblind“. Sie könne darin nicht einfach ein „unpolitisches Zeichen von Religiosität erkennen“, betonte sie. Aus der Union hatte es Kritik an den Plänen der Kulturstaatsministerin gegeben, das Bibelzitat verhüllen zu wollen. CDU-Politiker hatten gefordert, dass der Schriftzug sichtbar bleiben müsse. Roth erklärte, man wolle ihn lediglich zeitweise durch ein Kunstprojekt überblenden. Tagsüber würde der Originaltext sichtbar sein, in der Dunkelheit würden sich dem Betrachter jedoch andere Texte zeigen.

Die Inschrift ist wie das Kreuz im Zuge des historischen Wiederaufbaus des Schlosses angebracht worden. Diesen hatte der Bundestag vor 20 Jahren beschlossen. Historiker erkennen in der Inschrift eindeutig den Herrschaftsanspruch des Preußenkönigs. MH

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