1. Startseite
  2. Kultur
  3. Gesellschaft

Krieg in der Ukraine: Noch hat der Dritte Weltkrieg nicht begonnen

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Warum die Nato nicht zugunsten der Ukraine intervenieren sollte. Ein Gastbeitrag Rupert von Plottnitz.

Verstörung, Empörung, Wut und Hilflosigkeit: Über die Frage, welche Reaktion auf den skrupellosen Überfall Wladimir Putins auf die Ukraine notwendig und richtig ist, wird auch hierzulande heftig gestritten. Hier die Stimmen, die es politisch und moralisch für unannehmbar halten, die Ukraine und die in ihr lebenden Menschen allein zu lassen. Die Unterstützung der Ukraine dürfe sich nicht auf die Verhängung von Sanktionen gegen Russland und die Lieferung militärischer Hilfsgüter in die Ukraine beschränken so meinen sie, notwendig sei darüber hinaus die Bereitschaft der Nato, der Ukraine mit der Schaffung einer Flugverbotszone militärisch beizustehen.

Dort die Mitgliedstaaten der Nato, vor allem auch die Regierungen in Washington und Berlin, die bei einer solchen Intervention zu Gunsten der Ukraine eine unmittelbare militärische Konfrontation von Nato und Russland mit allen Folgen für die Territorien der Mitgliedstaaten befürchten und – ohne es laut zu sagen – dabei auch das Risiko des Einsatzes atomarer Waffen vor Augen haben.

Krieg in der Ukraine: Bei Putins Angriffskrieg geht es um viel mehr

Mit dem Angriffskrieg Putins in der Ukraine habe der Dritte Weltkrieg längst begonnen, meinte die in Kiew geborene Schriftstellerin und Publizistin Katja Petrowskaja in einem Interview kürzlich zur Angst vor einer Ausweitung des Kriegsgeschehens über die Grenzen der Ukraine hinaus (FAS vom 13. März). Nicht nur nach ihrem Verständnis geht es bei Putins Angriffskrieg nicht allein um die Ukraine, sondern um eine militärische Auseinandersetzung zwischen der Welt demokratischer Freiheitsrechte und dem Regime autokratischer Willkürherrschaft.

Die Ablehnung einer militärischen Intervention der Nato zu Gunsten der angegriffenen Ukraine ist mit dem Vorwurf einer unterlassenen Hilfeleistung belastet. Aber auch sie kann sich auf politisch wie moralisch valide Gründe berufen. Denn ihr Motiv liegt in dem Bestreben, die Bürger und Bürgerinnen in den Mitgliedstaaten der Nato vor Kriegszuständen zu schützen, wie sie derzeit Leben und Freiheit der Menschen in der Ukraine kosten oder in Gefahr bringen.

Eine Intervention könnte den Krieg auch zu uns bringen.. Foto: DPA
Eine Intervention könnte den Krieg auch zu uns bringen.. © dpa

Krieg in der Ukraine: Ein Dritter Weltkrieg würde Europa verwüsten

Die Bemühung, den Frieden weiterhin dort zu erhalten und zu sichern, wo bisher kein Krieg herrscht, ist weder politisch noch moralisch verwerflich. Auch wer nicht zu den Jahrgängen gehört, die noch eigene Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg haben, dürfte wissen, dass ein Dritter Weltkrieg in Europa für Verheerungen sorgen würde, die weit über das hinausgehen, was Putin derzeit in der Ukraine anrichtet.

Zum Autor

Rupert von Plottnitz ist Rechtsanwalt und war von 1995 bis 1999 als Politiker der Grünen hessischer Minister der Justiz und für Europaangelegenheiten.

Wer von den Mitgliedstaaten der Nato den Mut zu einer Intervention an der Seite der Ukraine fordert, sollte auch den Mut aufbringen, die konkreten Konsequenzen zu benennen, die der verlangte Mut im Falle eines Falles fordern könnte: nämlich Städte und Orte in Europa, z.B. auch Frankfurt am Main, in denen es am Ende so aussieht, wie es jetzt bereits in der Ukraine in Charkiw, Mariupol oder Kiew der Fall ist.

Krieg in der Ukraine: Wladimir Putin bleibt unberechenbar

Angesichts der Unberechenbarkeit eines Wladimir Putin kann ohnedies derzeit niemand dafür garantieren, dass das Kriegsgeschehen in der Ukraine nicht auch noch auf das Territorium eines Mitgliedstaates der Nato übergreift. Regierungen, die es ablehnen, dieser Gefahr noch durch eigenes Handeln Vorschub zu leisten, verdienen Besseres als Misstrauen oder Verachtung. (Rupert von Plottnitz)

Auch interessant

Kommentare