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Bornplatz-Synagoge

Synagoge am Bornplatz Hamburg: Verschwinden einer Leerstelle

  • Steffen Herrmann
    VonSteffen Herrmann
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Im Streit über die Rekonstruktion der Hamburger Bornplatzsynagoge melden sich israelische Intellektuelle zu Wort.

Schon seit einigen Wochen wird in Hamburg gestritten. Auslöser ist der geplante Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge. Die jüdische Gemeinde der Hansestadt will das 1939 von den Nationalsozialisten zerstörte Gebäude originalgetreu rekonstruieren lassen. Dafür soll die Gedenkstätte weichen, die seit 1988 am heutigen Joseph-Carlebach-Platz eingerichtet ist. An ihrem einstigen Standort zeichnet ein Bodenmosaik der Künstlerin Margit Kahl die Umrisse der Synagoge nach.

Nun haben sich 45 israelische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Nachfahren Hamburger Jüdinnen und Juden gegen die Wiederaufbaupläne ausgesprochen. In einem offenen Brief schreiben sie, die Nachbildung des ursprünglichen Gebäudes könnte „den leeren Raum ersetzen, der Erinnerungen und Nachdenklichkeit an das hervorruft, was zerstört wurde“. Unterzeichnet wurde er unter anderem von Avi Primor, dem ehemaligen Botschafter Israels in Deutschland. Eine neue Synagoge, sofern sie denn nötig sei, solle an einem anderen Ort gebaut werden, heißt es.

Zwei jüdische Anliegen

In der Hansestadt selbst stößt der geplante Wiederaufbau auf große Unterstützung, wie Landesrabbiner Shlomo Bistritzky dem Deutschlandfunk sagte: „Die Jüdische Gemeinde Hamburg hat sehr klar gesagt: Wir möchten wiederaufbauen. Äußerlich, wie es früher einmal war. Der Wunsch und Wille der Gemeinde ist sehr klar definiert.“

Knapp 100 000 Unterschriften wurden zugunsten des Wiederaufbauprojekts gesammelt, auch Peter Tschentscher, Hamburgs Erster Bürgermeister, warb dafür. Nachdem die Bürgerschaft dem Vorhaben zugestimmt hatte, kündigte der Bundestag im vergangenen Jahr an, den Wiederaufbau zur Hälfte mitzufinanzieren, wenn die Hansestadt ihrerseits 65 Millionen Euro bereitstelle.

Kritik gab es, seit Bistritzky den Wiederaufbau 2019 ins Gespräch gebracht hatte. Einerseits daran, dass mit dem Verschwinden der stadtbaulichen Leerstelle auch ein Symbol des Holocaust und der Vernichtung verschwinde. Andererseits am originalgetreuen Aufbau: So sprach die Historikerin Miriam Rürup, Direktorin des Moses Mendelsohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien an der Uni Potsdam, von einem „gut gemeinten Revisionismus“. Kritisiert wird allerdings auch der Slogan, mit dem um Unterstützung geworben wird: „Nein zu Antisemitismus – Ja zur Bornplatzsynagoge“. Wer ein solches Projekt ablehne, sollte nicht als Antisemit gelabelt werden, heißt es in dem neuen Aufruf.

In der Diskussion stünden sich zwei jüdische Anliegen gegenüber, fasste Aleida Assmann kürzlich in der FR (27.1.2021) zusammen: „Was für die einen eine Leerstelle war, also das Symbol einer traumatischen Abwesenheit und eines unwiederbringlichen Verlusts, ist für die anderen eine Baulücke und ein Möglichkeitsraum für eine Wiederherstellung der Vergangenheit unter Auslöschung der Auslöschung.“ Die Frage sei, so Assmann, wie man an Nazizeit und Holocaust erinnern könne, wenn die Spuren der Verbrechen in Hamburg gelöscht seien. sbh

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