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SWR-Podcast „Sack Reis“ lässt Genozid-Leugnerin zu Wort kommen – Folge immer noch online

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Von: Moritz Serif

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Moschee in Srebenica
Eine Moschee in der bosnischen Stadt Srebenica, wo sich ein Völkermord ereignete. © Fehim Demir/dpa/picture alliance

Eine Folge eines SWR-Podcasts ist voller Fehler. Am schwerwiegendsten sind die Aussagen einer jungen Frau. Sie wisse nicht, ob es den Genozid an Bosniaken gegeben habe.

Stuttgart – 41 Minuten lang geht die Folge „Kurz vor Krieg? Der zerbrechliche Frieden in Bosnien-Herzegowina“ – produziert vom SWR. Bereits zu Beginn gibt es den ersten faktischen Fehler. Angeblich hätten sich Bosniaken während des Bosnien-Krieges gegenseitig getötet. In Wahrheit war es ein Angriffskrieg der Serben, die etliche Kriegsverbrechen begingen. Darunter auch das Massaker von Srebenica. Solche Fehler finden sich zuhauf in der Folge.

Am schwerwiegendsten sind jedoch die Aussagen einer jungen Frau namens Milica. Sie wisse nicht, ob es den von serbischen Truppen begangenen Massenmord, der vom Internationalen Gerichtshof als Genozid eingestuft wird, überhaupt gegeben habe. Damals sei sie noch nicht geboren gewesen. „Ich war nicht dort, und die Geschichte hat immer zwei Seiten. Deshalb kann ich nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, was passiert ist“, so Milica. Sie müsse in die Zukunft blicken.

SWR-Podcast-Folge „Sack Reis“ ist noch online – trotz Genozid-Leugnung

Melina Borčak, die selbst aus Bosnien stammt und infolge des Genozids nach Deutschland flüchtete, wirft dem SWR in einem Journalist-Artikel vor, falsche Fakten und Genozid-Leugnung zu verbreiten. Borčak, selbst Expertin für Medienkritik, konfrontiert den öffentlich-rechtlichen Sender damit bereits seit mehreren Monaten und fordert eine Richtigstellung der Fehler. Außerdem müsse man die Folge offline nehmen, da sie sehr gefährlich sei. Das ist — Stand jetzt – immer noch nicht geschehen. Trotz Genozid-Leugnung.

Eine Sonderfolge des Podcasts sollte eigentlich die Wogen glätten und das Geschehene aufarbeiten. Darin versucht Borčak mit SWR-Moderatorin Stephanie Haiber und Redakteurin Karin Feltes darüber zu sprechen, was bei der Folge falsch gelaufen ist. Doch dazu kommt es nicht wirklich. Haiber und Feltes unterbrechen sie ständig, lassen sie nicht ausreden. Teilweise wird sie sogar ausgelacht. Am Ende der Folge konnte Borčak kaum einen Fehler aufzeigen. Sie fordert personelle Konsequenzen für die Verantwortlichen. (Moritz Serif)

Transparenzhinweis: In der ursprünglichen Version waren die Namen der am Podcast Beteiligten genannt. Wir haben diese entfernt.

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