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Kämpferinnen für die Lust

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Von: Isabel Stettin

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„Wir dürfen die Lust nicht den Männern überlassen.“
„Wir dürfen die Lust nicht den Männern überlassen.“ © Fabian Weiss

Südafrika ist noch immer geprägt von einer brutalen und verklemmten Macho-Kultur. Doch mit ihrer „Pleasure Revolution“ verändern Frauen die Gesellschaft. Ein Besuch bei Aktivistinnen.

Kapstadt – In einem schummrigen Zimmer kauert eine Frau in Bustier und Hotpants auf dem Boden, eine Kerze auf dem Parkett wirft ihren Schatten an die Wand. Langsam tritt eine zweite Frau zu ihr, in der Hand ein Hanfseil, sieben Meter lang, das sie durch die Finger gleiten lässt. Zuerst bindet sie die Handgelenke der Frau zusammen, schlingt dann das Seil um ihren Oberkörper. Immer neue Windungen, immer neue Knoten schneiden in die Haut, verbinden sich zu einer Art Korsett. Sie hält die Luft an. Die Frau mit dem Seil fragt: „Alles in Ordnung?“ Die Gefesselte befiehlt: „Fester!“

Die beiden sind nicht allein im Raum: Zwei weitere Frauen schauen dem erotischen Spiel zu. Sie sind Teil der Gruppe „Ropey Things“, „Seilige Sachen“. Abwechselnd treffen sie sich in Johannesburg in ihren Wohnungen und üben Bondage. Sie geben Workshops, teilen auf Instagram Fotos ihrer Leidenschaft. „Feste Seile um meinen Körper sind für mich wie eine Umarmung“, sagt Chido Muparutsa, als sie die Seile zur Seite legt. Auf ihrer Haut zeichnen sie ein Muster. „Sie bringen mich in Verbindung mit mir selbst.“

Die Revolution der Lust in Südafrika

Muparutsa mag das Spiel mit Dominanz und Erniedrigung, mit Lust und Schmerz. „Lange habe ich mit diesen Vorlieben gehadert“, sagt die 31-Jährige, mit ihrer Rolle als Schwarze, bisexuelle Feministin, die darauf steht, sich dominieren zu lassen. Heute glaubt sie, dass der offene Umgang mit Sexualität, der Mut, darüber zu sprechen, wichtig ist – als bestes Mittel gegen die weitverbreitete sexualisierte Gewalt in Südafrika.

Das Risiko für Frauen, vergewaltigt zu werden, ist in dem Land so hoch wie nirgendwo sonst. Auch die Mordrate gehört zu den höchsten der Welt, bezogen auf weibliche wie männliche Opfer. Daran möchte Muparutsa etwas ändern, von Grund auf. Und nicht nur sie: Immer mehr Aktivistinnen erheben ihre Stimme, gründen Vereine, klären auf, demonstrieren auf der Straße gegen die brutale und verklemmte Macho-Kultur ihrer Landsleute. Die Bewegung verändert Südafrika. Die Frauen, die sie vorantreiben, nennen sie „Pleasure Revolution“ – die Revolution der Lust.

Für mich ist das erotische Spiel Selbstermächtigung. Ich hole mir die Macht über meinen Körper, meine Sexualität zurück, ich setze die Grenzen.

 Chido Muparutsa

Zwei Tage später in einem Tonstudio in Johannesburg. Draußen setzt die Abenddämmerung ein, drinnen leuchtet ein „On Air“-Schild über einer Tür. Dahinter sitzt Chido Muparutsa an einem Tisch mit Mikrofon, ihr gegenüber eine Radiomoderatorin. Muparutsa trägt ein Kleid mit Schlangenmuster, ihre geschminkten Lippen schimmern violett. Sie beugt sich zum Mikrofon und sagt mit tiefer, rauchiger Stimme: „Ich bin eine sexpositive Aktivistin. Wir dürfen die Lust nicht den Männern überlassen.“ – „Machst du dich nicht zum Opfer, wenn du dich fesseln lässt?“, fragt die Moderatorin. „Für mich ist das erotische Spiel Selbstermächtigung“, antwortet Muparutsa. „Ich hole mir die Macht über meinen Körper, meine Sexualität zurück, ich setze die Grenzen.“ Sehr viel Kommunikation und Verhandlung gehöre mit ihren Partnerinnen und Partnern dazu: Wo und wie möchte sie berührt werden? Und vor allem: von wem.

„Das ist für mich wie eine Umarmung.“
„Das ist für mich wie eine Umarmung.“ © Fabian Weiss

Die Radiomoderatorin Tiffany Mugo, Rastazöpfe, kehliges Lachen, schaut auf ihren Notizzettel. Dann fragt sie: „Du liebst das Machtgefälle, in dem du die Schwächere bist, und gleichzeitig gibst du die starke Frau, wie passt das zusammen?“ Muparutsa antwortet: „Im Grunde bin ich die Dominante, die den Ton angibt. Ich bestimme, es sind meine Regeln.“ Dann könne sie sich fallen lassen.

Die Sendung „Between the Sheets“ („Zwischen den Laken“) ist Kult. Sie läuft auf dem Sender Trans-Africa Radio, der ersten digitalen Radiostation Afrikas. Der Anspruch von Moderatorin Mugo: unterhaltsam über Sexualität sprechen – in allen Facetten, eher wie eine große Schwester oder die beste Freundin, nicht wie die Mutter oder Lehrerin.

Nach zwei Stunden verabschieden sich die beiden Frauen von ihrem Publikum. Statistisch gesehen sind in der Zeit, die während ihres Radio-Interviews vergangen ist, in Südafrika acht Frauen vergewaltigt worden.

Über 100 Vergewaltigungen täglich

Mehr als 100 Vergewaltigungen registriert die Polizei täglich. Die Dunkelziffer liegt wohl deutlich höher. Nur jede 20. misshandelte Frau gehe zur Polizei, sagen Frauenrechtsorganisationen. In anonymisierten Umfragen räumt ein Viertel der mehr als 27 Millionen männlichen Südafrikaner ein, schon einmal eine Frau zum Sex gezwungen zu haben. Jede dritte erwachsene Johannesburgerin wurde nach eigenen Angaben schon einmal vergewaltigt.

Einen Aufschrei löst diese frauenverachtende Brutalität nur dann aus, wenn außergewöhnlich heftige Fälle bekannt werden: Wenn lesbische Frauen vergewaltigt werden, um sie „umzuerziehen“, oder eine Frau von Männern so brutal misshandelt wird, dass sie ihren Verletzungen erliegt.

Alle drei Stunden wird eine Frau in Südafrika ermordet, oft in Zusammenhang mit sexuellen Übergriffen. Besonders bedroht sind schwarze Frauen, lesbische Frauen, transsexuelle Frauen und Frauen in ländlichen Regionen.

Im Grunde leben wir in einer Welt, die so sexuell aufgeladen ist, aber auch so sexuell gewalttätig, dass man nicht weiß, ob man masturbieren oder eine Machete tragen soll.

Moderatorin Tiffany Mugo

Immerhin verurteilt mittlerweile die Regierung Gewalt gegen Frauen. Vom Femizid als „Schande Südafrikas“ sprach Präsident Cyril Ramaphosa in den vergangenen Jahren wiederholt. Amnesty International kritisiert in einem aktuellen Bericht, dass in Südafrika gesellschaftliche Stereotype suggerieren, dass sich Frauen Männern unterzuordnen haben, dass gewalttätige Männer ihre Frauen aus Liebe schlagen würden. Melden Frauen und Mädchen brutale Angriffe, riskieren sie gesellschaftliche Ausgrenzung. Erstatten sie Anzeige, nehmen Beamte ihre Beschwerden meist nicht ernst.

Manchmal frage sie sich, ob sie nach einer nächtlichen Radio-Show wohlbehalten heimkommen werde, erzählt Moderatorin Mugo. „Im Grunde leben wir in einer Welt, die so sexuell aufgeladen ist, aber auch so sexuell gewalttätig, dass man nicht weiß, ob man masturbieren oder eine Machete tragen soll.“

„Lange habe ich mit diesen Vorlieben gehadert.“
„Lange habe ich mit diesen Vorlieben gehadert.“ © Fabian Weiss

Es sind Worte wie diese, die Mugo zum Vorbild für viele junge Frauen in Südafrika machen. Tabus zu brechen und offen über Sexualität zu sprechen, die Scham aufzulösen, das ist für Mugo ein Schritt im Kampf gegen die sexuelle Gewalt. Ihre Mission: sexuelle Bildung für Frauen, ob sie nun hetero, lesbisch, bi, queer oder sonstwie lieben, egal ob schwarz oder weiß. In ihrem Podcast „The Wildness“ plaudert Mugo mit Co-Host Amanda Hodgeson bei Weißwein über Selbstbefriedigung, Fremdgehen oder Liebe zu mehreren Partnern. Und sie erreicht damit nicht nur Menschen in Südafrika. Frauen auf dem ganzen Kontinent senden Fragen, sie bekommen Mails aus Nigeria, Anrufe aus Malawi, Dankesbotschaften aus Kamerun.

Mugo und ihre Partnerin organisieren auch Workshops, in denen lesbische Frauen lernen, wie sie ihre Partnerin befriedigen können – und warum Safer Sex so wichtig ist, auch bei Sex ohne Penetration. Zudem haben die beiden vor zehn Jahren schon eine Internet-Plattform namens „HOLAA!“ („Hub of Loving Action in Africa“) gegründet, mit der sie Frauen verbinden möchten. Neben Sex-Tipps finden sich dort auch Erfahrungsberichte aus der queeren Community oder ein Glossar zu Geschlechtsidentitäten, auf einem zugehörigen Instagram-Kanal teilen Frauen ihre Fantasien und Vorlieben. Mit „HOLAA!“ will Mugo dem Narrativ der Gewalt lustvolle Bilder und Erzählungen entgegensetzen. „Blicken wir auf die sexuelle Landkarte unseres Kontinents, denken wir an Genitalverstümmelung, an Kinderehen, Aids. Aber das ist doch nicht alles“, sagt Mugo. Sie wird weiter daran arbeiten, dieses Bild zu ändern. Und sie wird sich dabei weiterhin von einer Person ganz besonders motivieren lassen: „Wer mich immer wieder inspiriert hat für meine Arbeit, mein Vorbild, das ist Dr. T.“

Sie ist so etwas wie die Galionsfigur der „Pleasure Revolution“. Dr. T. heißt eigentlich Tlaleng Mofokeng, ist 40 Jahre alt und steht wenige Tage später im Foyer eines Landhotels, gut eine Autostunde entfernt von Johannesburg. Junge Menschen scharen sich um sie, bitten um Selfies. Dr. T. ist eine Erscheinung: groß, das Haar gelockt und mit einem Haarreif gebändigt, sie trägt ein schwarzes Kleid, lacht laut. Statt „Cheese“ sagt Dr. T. grinsend „Vagiiiina“ in die Kameras. Mofokeng ist Südafrikas bekannteste Sex-Expertin und -Aktivistin. Seit 15 Jahren arbeitet sie als Gynäkologin, beinahe ebenso lang setzt sie sich öffentlich für sexuelle Aufklärung ein. Die Leute nennen sie „Sexdoktor“ oder eben: Dr. T. An diesem Tag gibt sie einen Workshop für Medizinstudierende und angehende Pflegekräfte. „Sichere Schwangerschaftsabbrüche“ und „Mein Körper, meine Entscheidung“ steht an der Wand des Seminarzimmers, in dem nun gut 20 junge Menschen sitzen. Die heitere Stimmung im Raum weicht konzentrierter Spannung, als Dr. T. die Gruppe fragt: „Wer starb in den vergangenen Jahren am häufigsten an riskanten illegalen Abtreibungen?“ – „Schwarze Frauen“, murmeln die Schülerinnen und Schüler. „Wer hat heute noch oft keinen Zugang zu medizinischer Hilfe?“ – „Schwarze Frauen.“

„Das ist noch lange nicht alles.“
„Das ist noch lange nicht alles.“ © Fabian Weiss

„Noch immer glauben Staaten, sie hätten das Recht, den Körper von Frauen zu kontrollieren!“, sagt Dr. T. Wegen all dieser Gründe, dem maroden Gesundheitssystem, das ganze Gesellschaftsgruppen benachteilige, setze sie sich für Veränderung ein. „In der Wissenschaft allgemein, insbesondere in der Medizin, sind Frauenthemen bis heute stark unterrepräsentiert. Das ist nicht nur lustfeindlich, sondern unter Umständen lebensgefährlich. Sex ist politisch. Immer. Auch wenn er hinter verschlossenen Türen stattfindet.“ Die jungen Leute nicken.

Der energische Ton von Dr. T. hat mit dem Widerstand gegen ihre Forderungen zu tun. Als Anfang 2020 ein neuer Lehrplan mehr Sexualkunde an Schulen vorsah, protestierten dagegen Zehntausende Eltern, unterstützt von christlichen Parteien. Manche Religionsgemeinschaften üben massive Kritik, sprechen von einem „satanischen Versuch“, Homosexualität fördern und Kinder sexualisieren zu wollen. Sexualkunde gilt zwar als Pflicht. Viele aber glauben, dass Wissen über Sex zu frühzeitiger sexueller Aktivität führe, auch wenn Studien der Weltgesundheitsorganisation WHO das widerlegen.

„Wenn Mädchen lernen, über Sexualität zu reden, wird es leichter, Vergewaltigungen nicht mehr stumm hinzunehmen“, sagt Dr. T. Statt Abstinenz zu predigen, müsse man sie über ihre Rechte aufklären. Als sie selbst noch zur Schule ging, herrschte in Südafrika die Apartheid. Sie wuchs in einem Dorf in einer armen Region südlich von Johannesburg auf, als einziges Mädchen unter fünf Brüdern. „Es war ein Glück, dass meine Mutter Agnes ganz offen mit mir über Sexualität gesprochen hat“, erzählt sie. „Damals war sie die Ausnahme.“ Irgendwann suchten auch Dr. T.s Freundinnen bei ihr Rat, weil sie sich mit ihren eigenen Müttern nicht über das Thema austauschen konnten. Dr. T.s Mutter klärte sie über ihre Menstruation auf, was beim ersten Mal passiert, wie sie verhüten können.

„Streichel mich hier, berühr mich nicht da.“
„Streichel mich hier, berühr mich nicht da.“ © Fabian Weiss

„Später, im Medizinstudium, sah ich Fotos von Schwarzen Genitalien immer nur dann, wenn es um Geschlechtskrankheiten ging“, sagt Dr. T. Alle anderen Krankheitsbilder waren an weißen Patienten dargestellt. Die Ungerechtigkeit, die Ungleichheit zwischen Schwarz und Weiß, das habe sie geprägt.

„Meine eigenen Probleme als junge Schwarze Frau, meine Geschichte machten mich zur Aktivistin.“ Als junge Ärztin arbeitete sie in Kliniken am Rand von Johannesburg. Immer wieder warteten junge Menschen draußen auf dem Parkplatz auf sie. Sie trauten sich nicht hinein. Die Zeit war geprägt von Angst. HIV breitete sich aus, Sex galt als gefährlich. Schnell sprach sich herum, dass Dr. T. Auskunft über Tabus gab: Verliere ich meine Lust, wenn ich masturbiere? Was hilft beim Geschlechtsverkehr gegen eine trockene Vagina? „Meine Mutter hat mir vermittelt, dass ich meine Stimme erheben muss, wenn ich etwas ändern möchte“, sagt Dr. T. Auf ihrem Unterarm hat sie eine Mahnung an sich selbst tätowiert, einen Schriftzug und in Blindenschrift: „bold“ („mutig“).

Sie wollte mehr Menschen erreichen als die Wartenden auf dem Parkplatz, begann zu twittern, veröffentlichte Videos auf Youtube und Facebook, schrieb Kolumnen und schließlich ein Buch: einen Leitfaden für sexuelle Gesundheit und Lust. Auf dem Cover blickt sie selbstbewusst in die Augen des Betrachters. Sie schreibt darin über Beschneidung, über Menstruationsbeschwerden, die Wechseljahre, widmet der Klitoris ein Kapitel – und dem „Big O“, dem Orgasmus. Ihr Dreiklang: sexuelle Gesundheit, Rechte und Lust. „All das hängt zusammen“, sagt sie. Mittlerweile gestaltet Dr. T. als Mitglied der südafrikanischen Kommission für Geschlechtergleichstellung die Politik des Landes mit und kämpft für einen Zugang zum Gesundheitssystem für alle. Seit dem Sommer 2020 arbeitet sie zudem als UN-Sonderberichterstatterin „für das Recht auf körperliche und geistige Gesundheit“ – als erste afrikanische Frau auf diesem Posten. Die Nähe zu den Alltagsproblemen der Menschen hat sie dennoch nicht verloren.

„Sex ist politisch. Immer“, sagt Dr. T. (Mitte).
„Sex ist politisch. Immer“, sagt Dr. T. (Mitte). © Fabian Weiss

Vor ihrer Praxis im Norden von Johannesburg kurven klapprige Limousinen über die Straße, vorbei an Schildern, die für Penisvergrößerungen werben. Täglich kommen Paare mit Kinderwunsch und Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch wollen. Dr. T. ist eine der wenigen Ärztinnen, die Abtreibungen anbieten. In Südafrika übernehmen das oft Laien unter miserablen hygienischen Bedingungen. In Kliniken erklären Ärzte missbrauchten und vergewaltigten Frauen nicht selten, dass sie selbst schuld an ihrer Lage seien. „Du hättest deine Beine besser zusammenhalten sollen“, sei so ein Spruch von Männern, von Lehrern, Chefs, Vätern, erzählt Dr. T. Es genüge nicht, die Frauen aufzuklären. Es reiche nicht, wenn immer mehr Frauen für sich und ihre Sexualität einstehen. Worauf es ankommt in Südafrika? „Mütter, erzieht eure Söhne!“, sagt Dr. T.

Mehr als sieben Millionen Südafrikaner leben mit einer HIV-Infektion

Einer ihrer Patienten heute ist Malcolm, 27 Jahre alt, breite Schultern, ein unsicheres Lächeln verrät seine Nervosität. Er arbeitet als Krankenpfleger und hat jede Menge Gesprächsbedarf. Mit seinem Vater kann er nicht reden, in der Schule galt Sex als schmutzig, und selbst seine Freunde reagieren bei dem Thema verschämt. Dr T. kennt er aus Seminaren, irgendwann fasste er Mut und vereinbarte diesen Termin. Malcolm ist homosexuell. Er ist in die Sprechstunde gekommen mit einer Reihe von Fragen – und um sich über „PrEp“ zu informieren, ein Medikament, das vorbeugend gegen HIV schützt. Mehr als sieben Millionen Südafrikaner leben mit einer HIV-Infektion, die zur Immunschwächekrankheit Aids führen kann. Es ist eine der höchsten Raten weltweit. Da das Thema Aids öffentlich tabuisiert wurde, fehlte es jahrelang an Aufklärungsarbeit. „Geschlechtskrankheiten resultieren aus mangelndem Wissen“, sagt Dr. T.

„Es ist toll, dass du Verantwortung für dich und deine Partner übernehmen möchtest“, ermutigt sie Malcolm. „Verwendest du jedes Mal beim Sex ein Kondom?“, fragt Dr. T. „Nein ...“ –

„Schützt du dich beim Oralsex per Kondom?“ – „Nie.“ – „Ich weiß, viele sind sich dessen nicht bewusst: Doch einige sexuell übertragbare Krankheiten greifen auch die Kehle an ...“ Es gehe nicht darum, sagt sie, mit wie vielen Menschen er Sex haben wolle, ob er seine Partner wechsle. „Das allein ist deine Sache, niemand hat dich dafür zu verurteilen. Wichtig ist nur, dass du auf dich achtest.“

„Mütter, erzieht eure Söhne!“
„Mütter, erzieht eure Söhne!“ © Fabian Weiss

Wenige Monate später: Tiffany Mugo und Dr. T. treffen sich, sitzen Seite an Seite, zumindest virtuell. Über Youtube stellen sie zusammen das neue Buch von Mugo vor. Der Titel: „Skurrile Kurzanleitung für großartigen Sex.“ Oft werde sie gefragt, erzählt Mugo, wie sich kurz zusammenfassen lasse, was zu gutem Sex gehöre, ob sie da den einen Ratschlag habe. Ihre Antwort: „Es geht immer um Konsens – und Konversation: Streichel mich hier, berühr mich nicht da.“ Dr. T. nickt zustimmend und lächelt. „Ich habe heute den besten Sex meines Lebens“, sagt sie. „Die eigene Sexualität zu entdecken, ist kein Sprint, es ist ein Marathon.“ Einer, der verdammt viel Spaß macht. (Isabell Stettin)

Transparenzhinweis: Die Recherche wurde ermöglicht durch ein Stipendium des European Journalism Centre und dem „Global Health Journalism Grant Programme for Germany“ der Bill und Melinda Gates Stiftung.

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