1. Startseite
  2. Kultur
  3. Gesellschaft

Studie zum Ukraine-Krieg: Viele Medien waren für Waffenlieferungen

Erstellt:

Von: Pitt v. Bebenburg

Kommentare

Olaf Scholz vor dem Panzer Gepard.
Olaf Scholz vor dem Panzer Gepard. © afp

Eine Otto-Brenner-Studie untersucht die Berichterstattung der Medien über den Ukraine-Krieg.

Diplomatische Bemühungen zur Lösung des Ukraine-Konflikts stehen bei zahlreichen deutschen Medien nicht hoch im Kurs, deutsche Waffenlieferungen an die Ukraine dagegen schon. So war es zumindest in den ersten drei Monaten des Kriegs. Das hat eine Auswertung unter Leitung des Mainzer Publizistik-Professors Marcus Maurer ergeben, die jetzt von der gewerkschaftsnahen Otto-Brenner-Stiftung veröffentlicht wurde.

Es überrasche, wie klar „militärische Unterstützung der Ukraine im Allgemeinen und die Lieferung schwerer Waffen im Besonderen in den meisten der untersuchten Medien als deutlich überwiegend sinnvoll und auch als sinnvoller als diplomatische Maßnahmen dargestellt“ worden seien, heißt es in der 15 Seiten kurzen Studie. Diese Haltung sei allerdings „angesichts der schrecklichen Bilder aus der Ukraine verständlich“, räumt das Forschungsteam ein, dem neben Maurer auch Jörg Haßler und Pablo Jost angehörten.

Sie hatten in den Monaten zwischen Ende Februar und Ende Mai 2022 die einschlägigen Artikel und Beiträge aus acht deutschen Medien gesichtet, nämlich von „Bild“, FAZ, „Süddeutscher Zeitung“, „Spiegel“, „Zeit“ sowie den Hauptnachrichtensendungen von ARD, ZDF und RTL. Dabei untersuchten sie, wie positiv oder negativ bestimmte politische Schritte bewertet wurden.

Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ war demnach das einzige Medium, das diplomatische Schritte positiver beurteilte als die Lieferung schwerer Waffen und sie sogar als „mit Abstand als am sinnvollsten“ einschätzte. In den Beiträgen der anderen sieben Medien klang das genau anders herum.

Allerdings belegt die Studie, dass die untersuchten Medien sehr wohl auf Deutschlands höchste Diplomatin, Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne), vertrauten. Sie konnte den höchsten Anteil an positiver Berichterstattung verbuchen und lag dabei sogar noch vor der geschundenen Ukraine und ihrem Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, über die ganz überwiegend positiv berichtet wurde.

„Auch wenn die Berichterstattung nicht vollkommen einseitig war, überrascht die insgesamt starke Zustimmung zu Waffenlieferungen doch – vor allem vor dem Hintergrund vergleichbarer früherer Kriege, in denen deutsche Waffenlieferungen gar nicht zur Debatte standen“, kommentierte der Studienleiter Marcus Maurer.

Auch der Blick der Medien auf die Bundesregierung passt in dieses Raster. Ende Februar, kurz nach seiner „Zeitenwende“-Rede, wurde Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) in den untersuchten Medien noch überwiegend positiv bewertet. Das drehte sich im Verlauf des März zunehmend ins Negative. „Vor allem Bild und Spiegel kritisierten die Bundesregierung und den Bundeskanzler stark“, stellt die Studie fest.

Negativ bewertet wurde Scholz auch, als er im April von mehreren Mitgliedern der Regierungsparteien zur Lieferung schwerer Waffen und zu einem Besuch der Ukraine gedrängt wurde, beides aber zunächst ablehnte. Als die Bundesregierung dann die Lieferung schwerer Waffen beschloss, besserte sich das Bild des Kanzlers in den untersuchten Medien wieder.

Meinungsvielfalt gewährt

Die Studie mit dem Titel „Die Qualität der Medienberichterstattung über den Ukraine-Krieg“ widerlegt nach Einschätzung der drei beteiligten Forscher Vorwürfe, wonach die Medien in Deutschland einseitig die Position der Bundesregierung unterstützten und ohnehin Meinungsvielfalt vermissen ließen. Zwar herrsche in der Tat weitgehende Einigkeit darüber, Russland für den Krieg verantwortlich zu machen. Dafür zeigen die Studien-Autoren aber Verständnis: Russland habe „bei allem möglichen Verständnis für eine dort vielleicht als bedrohlich wahrgenommene Ost-Erweiterung der Nato – einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine geführt, der wenig Spielraum für andere Bewertungen“ lasse, hieß es zur Begründung.

Auch interessant

Kommentare