Wendler

Sie reden doch bloß

  • Harry Nutt
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Von Filterblasen und Schlagersängern.

Wie sehr die Theorie von den Filterblasen zutrifft, in denen wir uns mehr oder weniger alle befinden sollen, wurde mir zuletzt am Beispiel des Wendlers bewusst. Lange nämlich war es mir gelungen, ihn und seine mediale Präsenz auszublenden. Dabei bin ich anfällig für Trash-Formate. Ich gestehe, Unterhaltungssendungen im TV bis zur Ohnmacht zu konsumieren, ein Zustand, der vor laufendem Gerät überraschend schnell eintreten kann.

Natürlich habe ich schon vom Wendler gehört, er war ja Stammgast bei „Deutschland sucht den Superstar“, „Ich bin ein Star… holt mich hier raus!“, „Promi-Big-Brother“ oder „Let’s Dance“. Ich muss da gerade mal raus gewesen sein. Dass der Wendler singt, obwohl er es nicht kann, hätte mich nicht abgeschreckt.

Ich hegte seinerzeit Sympathien für Daniel Küblböck, der in seinem kurzen, viel zu schnellen Leben zunächst Schlagerstar und dann Unternehmer war. Die Sache ging nicht gut aus, am Ende ist er von einer Kreuzfahrt nicht zurückgekehrt.

Auf einer Achterbahnfahrt durch das Leben ganz vieler Menschen scheint sich auch der Wendler zu befinden. Hitparaden, Insolvenzen und Gerichtsverfahren – zuletzt dann der mysteriöse Satz, in dem er der Bundesregierung „grobe und schwere Verstöße gegen die Verfassung und das Grundgesetz“ vorwirft. Dem Wendler scheint entgangen zu sein, dass Deutschland lediglich über ein Grundgesetz verfügt. Wenn ihm das jemand richtig erklärt hätte, wäre die Verwechslung mit einer politischen Meinungsäußerung vielleicht zu vermeiden gewesen.

In meiner Filterblase macht man sich keine Vorstellung davon, was für Gedanken sich Leute, die Schlager singen, um den Zustand der Welt machen. Nena lässt schon lange keine Luftballons mehr für den Frieden steigen, und der berühmteste Sohn Mannheims ist dabei, die Grenzen seiner kleinen Welt noch einmal neu zu vermessen. Viele nennen sie und andere Verschwörungstheoretiker. Praktisch aber reden sie bloß.

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