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„Playboy“

Sexualisierte Prüderie – Abschied vom alten „Playboy“

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Der „Playboy“ stellt mit Ende 60 seine gedruckte Ausgabe ein.

Für eine feministische Abrechnung ist es wohl um Jahrzehnte zu spät. Stattdessen bin ich geneigt, der Ankündigung, dass die Zeitschrift „Playboy“ künftig nicht mehr als gedruckte Ausgabe erscheinen wird, ein wenig Wehmut hinterherzuwerfen. Auch wenn die Idee, mit der der Verleger Hugh Hefner das Blatt 1953 auf den US-Markt und zunächst wohl ausschließlich unter die Ladentheken brachte, kaum pädagogisch ambitioniert gewesen sein dürfte, diente sein publizistischer Coup doch der Aufklärung von Generationen.

Auch für gebildete Männer

Der „Playboy“ bekämpfte die Prüderie aus einem prüden Weltbild heraus, in dem man sich Sexualität nur in aseptischer Form vorzustellen wagte. In der Fantasie aber ging es stets auch ums Anfassen, gleich zu Beginn gab es die junge Marilyn Monroe zum Ausklappen, und die gebildeten männlichen Leser konnten sich lange damit herausreden, dass es hier literarisch überaus anspruchsvoll zugehe. Im Erscheinungsjahr veröffentlichte Ray Bradbury drei Kapitel aus seinem später von Francois Truffaut verfilmten Roman „Fahrenheit 451“, und Autoren wie Norman Mailer, Philip Roth und John Updike erschwerten mit ihren regelmäßigen Texten die pauschale Ablehnung des Blattes, das die schnell zu Ikonen sexualisierter Niedlichkeit werdenden Bunnys erfunden hatte.

Im Gewand kichernder Harmlosigkeit hat Hefners Bilderzirkus zweifellos dazu beigetragen, dass sich ein Frauenbild verfestigen konnte, auf das machtbesessene Egomanen wie Harvey Weinstein im buchstäblichen Sinn zugriffen.

Dass der gedruckte Playboy nun ein Opfer der Coronakrise sei, weil das Anzeigengeschäft eingebrochen ist, ist eine böse Pointe für ein Magazin, das immer körperliche Nähe suggerierte und Sexualität doch als etwas Distanziertes und Fremdes verkaufte. Jetzt also der Homeoffice-Playboy? Vergiss es.

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