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Schaurige Pläne

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Von: Michael Hesse

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US-Historiker sammelt Indizien für Genozid

Plant Russland in der Ukraine einen Genozid? Das ist zumindest die Meinung einiger Osteuropa-Historiker, darunter Karl Schlögel und Timothy Snyder. Letzterer hat in dem Beitrag „Russia’s Eugenic War“ auf seiner Homepage nun Argumente zusammengetragen, warum man von einem Völkermord in der Ukraine ausgehen sollte. Hierfür sammelt Snyder nicht nur Indizien, sondern führt die Absichten auch auf eine Desillusionierung der russischen Politik zurück.

Denn anders als von dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und seinem engsten Umfeld erwartet, wurden die russischen Truppen nicht als „Befreier“ bei ihrem rechtswidrigen Einmarsch in die Ukraine gefeiert. Im Gegenteil. Ihnen schlug eine massive Ablehnung entgegen, und ein enormer Widerstandswille der ukrainischen Armee drängte die Invasoren zurück. Putin hatte die Ukrainer und Ukrainerinnen bis dato, so Snyder, als „Proto-Russen“ angesehen. Es fand eine Wahrnehmungsverschiebung in der russischen Führung statt: Die eigentlichen Russen entpuppten sich als etwas anderes.

Laut Snyder definiert sich Russland nun als „Anti-Ukraine“. Das Nachbarland hingegen wird als „Geschwür“ angesehen, von dem man sich mit einem Skalpell befreien müsse. Die Ukraine wird aus Moskauer Sicht zum Sammelsurium aller Negativ-Attribute.

Für Snyder liegen die eugenischen Hintergründe für die Handlungen Russlands offen zutage. Die Russen verstünden sich einerseits als eine vor allen anderen ausgezeichnete Zivilisation, die ihren Ressourcenkampf mit einer „rassischen Reinigung“ beginnen wolle. Das sei der Grundzug des Denkens eines neuen russischen Faschismus, der sich auch in der Vertreibung der eigenen geistigen Elite zeige, die von Putins Leuten öffentlich als „Ungeziefer“ bezeichnet werden.

Deportation von Kindern

Dazu zählt seiner Ansicht nach die Deportation von Kindern – die Zahl soll zwischen 200 000 und 700 000 liegen, die nach Russland verschleppt worden seien –, als auch die von Frauen. Männer zählten zu jenen Ukrainern, die „unverbesserbar“ seien, und daher liquidiert würden.

Snyder weist auf eine Gefahr hin, die wiederholt geäußert wurde. Der ukrainische Präsident Wolodymir Selenskyj hat mehrfach davon gesprochen, dass Moskau in der Ukraine einen Völkermord plane.

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