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Das Erbe von Queen Elizabeth II.: Kolonialismus „mit ihrem Tod nicht zu Ende“

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Von: Karolin Schäfer

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Die Anteilnahme am Tod der Queen ist groß. Doch nicht alle trauern um Elizabeth II. Die Monarchin habe es versäumt, Großbritanniens Kolonialzeit aufzuarbeiten.

London – Queen Elizabeth II. ist tot. Im Alter von 96 Jahren starb die Monarchin von Großbritannien und Nordirland. Elisabeth II. war von 1952 bis zu ihrem Tod 2022 Königin, auch vom sogenannten Commonwealth of Nations, das 14 souveräne Staaten einschließlich deren Territorien umfasst. Die weltweite Anteilnahme um den Verlust der Queen ist groß.

Auch in Deutschland wurden Beileidsbekundungen ausgesprochen. „Wir trauern um Queen Elizabeth II. Sie war Vorbild und Inspiration für Millionen, auch hier in Deutschland“, twitterte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am Donnerstag (08. September). Doch nicht alle trauern um die „Großmutter der Nation“. In den vergangenen Tagen wurden auch kritische Stimmen laut.

Nach dem Tod von Königin Elizabeth II. - Nordirland
Der britische König Charles III. und seine Frau Camilla betrachten die Blumen vor dem Hillsborough Castle. © Niall Carson/PA Pool/dpa

Queen Elizabeth II. ist tot: Das koloniale Erbe der Monarchin weckt Erinnerungen

Aktivist:innen, Wissenschaftler:innen und Betroffene machten ihrem Ärger vor allem in den sozialen Medien Luft. Kritisiert wird die Glorifizierung der Queen in den Medien, die Bilder von trauernden Royals, Stars und Bürger:innen teilen. Weniger Aufmerksamkeit erfährt dagegen das koloniale Erbe der Monarchin, deren Tod Erinnerungen und Traumata wieder aufleben lässt.

Der Hamburger Historiker Jürgen Zimmerer warnte indes vor einer unkritischen Verklärung der verstorbenen Königin. Trotz aller unbestreitbaren Verdienste habe es Elizabeth II. versäumt, sich stärker vom Kolonialismus und den damit verbundenen Menschenrechtsverletzungen zu distanzieren. „Sie ist da unter ihren Möglichkeiten geblieben, und sie steht einfach für ein Großbritannien aus einer anderen Zeit“, sagte Zimmerer am Samstag (10. September) im WDR. Sie habe nie ihre Stimme erhoben, „um diese Kolonialverbrechen als solche zu benennen.“

Queen Elizabeth II.: Kolonialismus „mit ihrem Tod nicht zu Ende“

Elisabeth II. „ist eine Symbolfigur des Kolonialismus, der andauert und mit ihrem Tod nicht zu Ende geht“, erklärte die Kommunikationswissenschaftlerin und Soziologin Natasha A. Kelly gegenüber dem Deutschlandfunk. Die Königsfamilie profitiere noch immer von den „Errungenschaften des Kolonialismus“ – vor allem finanziell. „Da geht es um Werte von Millionen Euro aus Ausbeutung“, so Zimmerer beim Tagesspiegel. Es sei „seit Jahrzehnten bekannt, dass in den Kronjuwelen Edelsteine aus kolonialen Raubzügen verarbeitet sind.“

Auch in Afrika wird zum Ableben der Queen auf das koloniale Vermächtnis aufmerksam gemacht. „Wir trauern nicht um Elizabeth, denn für uns ist ihr Tod eine Erinnerung an eine sehr tragische Zeit in diesem Land und in der Geschichte Afrikas“, schrieb die südafrikanische Oppositionspartei Economic Freedom Fighters (EFF) in einem Statement. „Unsere Interaktion mit Großbritannien unter der Herrschaft der royalen Familie war geprägt von Schmerz, Tod und Enteignung sowie der Entmenschlichung des afrikanischen Volkes.“

Queen Elizabeth II. ist tot: Kritik am Konstrukt der Monarchie

Die Kritik an Großbritanniens Vergangenheit gilt dabei nicht zwangsläufig der Queen an sich, sondern vielmehr der „britischen Monarchie als Institution und dem Verhältnis der Monarchie zu Systemen der Unterdrückung“, informierte Historiker Matthew Smith im Interview mit NBC News.

Zumindest die jüngere Generation scheint zu versuchen, das koloniale Vermächtnis aufzuarbeiten. So reisten Prinz William und Herzogin Kate im Frühjahr in die Karibik, begleitet von Protesten und Forderungen nach Wiedergutmachung. William nannte in Jamaika die Rolle Großbritanniens im Sklavenhandel „abscheulich“ und bezeichnete dies als „Fleck in unserer Geschichte“, berichtete ntv.de.

Das British Empire war vom 17. bis zum 20. Jahrhundert das größte Kolonialreich der Weltgeschichte. Auch wenn während Elizabeths 70-jähriger Regentschaft zahlreiche britische Kolonien unabhängig wurden, fehlt es an Aufarbeitung. Die Queen hat sich während ihrer Amtszeit weiterhin als „Repräsentantin dieses imperialen Großbritanniens auch verstanden“, so Historiker Zimmerer im WDR. Was bleibt ist, dass sich die Monarchin mit der Vielzahl an Menschenrechtsverletzungen nicht auseinandergesetzt hat. „Und das darf man bei einer Bilanzierung ihres Lebens auch benennen“, betonte Zimmerer. (kas)

Noch vor ihrem Tod ernannte die Queen Liz Truss zur neuen Premierministerin von Großbritannien.

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