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Pussy Riot: Riot Day in Lich

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Von: Claus Leggewie

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Maria Aljochina in diesen Tagen in Kassel.
Maria Aljochina in diesen Tagen in Kassel. © Imago

Maria Aljochina kämpft auch in der hessischen Provinz.

Dieses Konzert war eine Tortur. Nicht weil es laut war, nicht weil man nass wurde. Sondern weil Maria Aljochina, Riot Grrl der ersten Stunde, und Olga Borissowa, eine übergelaufene Polizistin, auch dem letzten Winkel der Republik eingehämmert haben, was die Stunde geschlagen hat.

Das großartige Kino Traumstern in Lich, das der Corona-Pause tapfer widerstanden hat, und eine dortige Kulturinitiative lockten die aktuelle Formation von Pussy Riot mit der Schlagzeugerin Diana Burkot und dem Saxophonisten Anton Ponomarew nach Elbphilharmonie und Tagesthemen in die oberhessische Provinz. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt für eine erstklassig gemachte, eindringliche, an Adam Curtis erinnernde Lecture-Performance, die Aljochinas Gefängnis-Buch „Riot Days“ (von 2017) bis zu ihrer kürzlich gelungenen Flucht aus dem Hausarrest in Russland erzählt.

Nein, nicht Flucht, beteuert die mutige Frau, die ihre Überwacher als Essenslieferantin verkleidet düpiert hatte: Sie will zurück und Putin weiter bekämpfen. Doch zunächst uns klar machen, dass wir den Terror-Krieger in friedliebender Zögerlichkeit finanzieren und seine Blutspur verlängern. Die bei der gut einstündigen Show projizierten Videos beweisen, dass man seit Langem wissen musste, worauf Putin immer schon hinauswollte. Eines der letzten Bilder zeigt, von einem langen Aufschrei begleitet, nur das Wort Butcha.

Dies war kein Punk-Rock-Konzert, Kapitulation ausgeschlossen.

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