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Precht räumt „Fehlannahme“ im Ukraine-Krieg ein - will er „satisfaktionsfähig“ bleiben?

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Von: Michael Hesse

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Umstritten: Richard David Precht.
Richard David Precht. © dpa

Der Fernseh-Philosoph Richard David Precht ist immer wieder mit Aussagen zum Ukraine-Krieg angeeckt. Jetzt rudert er zurück – teilweise.

Frankfurt – Es ist viel über den Nutzen und Nachteil von Intellektuellen für das Leben gestritten worden. Deutschland gilt dabei gemeinhin als ein Land, in dem es reflektierte Menschen nicht immer leicht haben. Ihre Fähigkeit, thesenhaft Dinge zuzuspitzen, die wegen ihrer Komplexität meist nur in Seminarräumen der Universitäten diskutiert werden, verleiht ihnen eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit.

Auch der Publizist Richard David Precht wird hierzulande zu den Intellektuellen gezählt, sein eigentliches Markenzeichen, ein Philosoph zu sein, wurde ihm hingegen kürzlich mehrfach abgesprochen. Anlass hierfür waren unter anderem seine Einlassungen zum Ukraine-Krieg.

Immerhin zeigte sich Precht nun in Bezug auf seine frühere Positionierung gegenüber der Ukraine-Politik der westlichen Staaten einsichtig. „Die Ukraine in eine Position der Stärke zu bringen, ist viel besser geglückt, als nahezu alle Beobachter, auch ich, zu hoffen gewagt haben“, sagte Precht beim Ständehaustreff der Rheinischen Post in Düsseldorf. Damals hätten die Militärexperten, „von wenigen Ausnahmen abgesehen“, alle die gleiche Prognose gestellt und gesagt, dass die Ukraine diesen Krieg binnen Tagen, Wochen oder vielleicht ein, zwei Monaten verlieren würde, betonte Precht.

Precht räumt „Fehlannahme“ im Ukraine-Krieg ein

Da er diese Annahme zu Beginn des Krieges geteilt hatte, war er in der Öffentlichkeit massiv in die Kritik geraten. „Wir wissen jetzt erst, wie unglaublich stark die ukrainische Armee von Anfang an gewesen ist, bevor die Waffenlieferungen kamen“, sagte er aber jetzt. Daher sei er „natürlich von einer Fehlannahme ausgegangen, dass es sich nicht lohnt, sich zu verteidigen, wenn der Krieg in ein, zwei Wochen verloren ist. Man kann sehen, wie man sich täuschen kann“.

Precht hatte sich zuvor überzeugt gezeigt, dass die Ukraine bereits nach kurzer Zeit die Segel streichen werde und es daher moralisch nicht vertretbar von dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj erscheine, sein Land in einen aussichtslosen Krieg zu schicken, „den es verlieren muss“. Diese auch von weiteren Intellektuellen geteilte Ansicht fand Eingang in einen offenen Brief an Kanzler Scholz: „Waffenstillstand jetzt!“, lautete die Forderung. Andere wie der Soziologe Armin Nassehi oder der Historiker Karl Schlögel forderten hingegen gleich zu Beginn eine starke Unterstützung für die Ukraine (und behielten recht).

Ukraine-Krieg: Precht „rudert nur halbherzig zurück“

Was Precht auf der einen Seite an Souveränität durch sein Eingeständnis gezeigt hat, verlor er auf der anderen durch seine Bemerkung, er habe sich quasi zwangsläufig irren müssen. Der „Neuen Zürcher Zeitung“ war dies einen Beitrag auf ihrer Meinungsseite wert: „Der Fernseh-Philosoph rudert nur halbherzig zurück.“

Precht, der in Talkshows allzu gerne mit erhobenem Zeigefinger dasitze, habe sich mit seinen rechthaberischen Jetzt-erst-recht-Einlassungen zur Ukraine bislang lächerlich gemacht. Seine jetzige Aussage zeuge von Arroganz. Er hoffe wohl, „satisfaktionsfähig zu bleiben, zumindest für Talkshow-Redaktionen“. (Michael Hesse)

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