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Oscar Niemeyer: Schöpfer einer Idealstadt

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Amtssitz des Präsidenten.
Amtssitz des Präsidenten. © imago

Der Star-Architekt Oscar Niemeyer prägte die brasilianische Hauptstadt.

Hier werde eine Demokratie attackiert, schreibt die Historikern Hedwig Richter auf Twitter, „und nebenbei ein architektonisches Meisterwerk, der Palácio do Planalto von Oscar Niemeyer“, fügt sie hinzu. Vor rund zehn Jahren ist der Schöpfer der brasilianischen Hauptstadt Brasília gestorben. Er war da schon 104 Jahre alt. Seine Vorfahren waren im 18. Jahrhundert aus Deutschland zunächst nach Portugal ausgereist. Er hatte hohe idealistische Ziele. „Wir müssen die Welt verändern“, sagte er einmal. Kein Wunder, finden viele, war er doch Kommunist, und sprach nur das aus, was Karl Marx ja immer schon gewollt hatte. Dem brasilianischen Star-Architekten ging es aber um mehr als die bloße Veränderung. Sein Credo war vielmehr: „Das alltägliche Glück in das flüchtige Leben bringen.“

Er hatte sich Zeit seines Lebnens für die Landlosen eingesetzt. Wäre er noch am Leben, hätte er den Ansturm der Desillusionierten auf die von ihm geschaffenen Gebäude erleben müssen. Mit Brutalität und Ideenlosigkeit drang eine Anhängerschaft des abgewählten brasilianischen Präsidenten Bolsonaro in die Gebäude ein, die einst als Teile einer Idealstadt errichtet worden waren.

Kritiker bewundern immer noch die Eleganz der geländerlosen Treppe im Foyer des Außenministeriums. Ansonsten sei die zwischen 1957 und 1964 errichtete Planhauptstadt mit viel Beton errichtet worden, heißt es spöttisch. Zum Weltkulturerbe wurde sie dennoch erklärt, das war im Jahr 1987. Niemeyer hätte den Gebäuden eine besondere Leichtigkeit durch die gewählten Formen geschenkt. Das Unerbittliche der Politik wurde in eine ästhetische Dimension überführt. Nicht umsonst galt er als „Kurvenstar“ der Architektur.

Zu den auf ihn zurückgehenden Gebäuden zählt der Nationalkongress, die Präsidentenresidenz, die Kathedrale. Niemeyer musste ausgerechnet nach der Machtergreifung der Militärs ins Exil. Bolsonaro gilt als einer derjenigen, die genau davon träumen: von der Rückkehr der Militärs an die Macht.

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