Nothilfe für die Kultur

Nothilfe: „Alle müssen zusammenlegen“

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Die Situation der Kultur ist beispiellos. Nothilfe ist zugesagt, aber wie wird man sie verteilen?

Schauen wir uns die Situation ruhig noch einmal an: Wenn Sie nicht ins Theater oder ins Konzert gehen, dann sind für eine Verlustrechnung nicht nur das ausbleibende Eintrittsgeld und die Tatsache relevant, dass die Künstler ihre Gagen trotzdem bekommen müssen. Sondern hinter den sichtbaren Künstlern gibt es eine lange Reihe Mitarbeitender und Zuarbeitender, deren Existenz sehr schnell prekär wird. Die Filmwirtschaft geht allein für die Kinos hierzulande von 17 Millionen Euro aus, die jede Woche fehlen.

Olaf Zimmermann, der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, spricht von einer beispiellosen Situation: „Die notwendige Größenordnung sprengt alles, was wir bisher gehabt haben“, sagt er am Telefon. Noch steht nicht fest, wie viel Geld in die zwischen Bund und Ländern vereinbarten Nothilfefonds fließen wird. Aber es muss und wird sehr viel sein. „Wir sind ein Teil der großen Misere, und klar ist, dass Kulturschaffende andere Maßnahmen brauchen als die gewerbliche Wirtschaft. Mit Krediten ist Freiberuflern in unserem Bereich nicht geholfen.“ Dass es sich jetzt bitter rächt, dass im Kulturbereich in den letzten zwanzig Jahren massives Outsourcing betrieben wurde, steht für ihn außer Frage. „Berufe wie freie Museumskuratoren gab es früher nicht.“

Die Notfonds sollen nach den Vorstellungen des Kulturrates bei der Kulturstiftung des Bundes und der Kulturstiftung der Länder angesiedelt werden. Um annähernd Verteilungsgerechtigkeit herzustellen, müssen Freiberufler damit rechnen, ihre Einkommensverhältnisse in Vergleichszeiträumen und ihre Familien- und Vermögensverhältnisse in ihren Anträgen darzulegen. Konkrete Tipps wie den, sich mündlich getroffene Absprachen schnell und möglichst detailreich zu notieren, findet man beispielsweise auf den Internetseiten von Verdi. „Ganz wichtig ist, dass wir jetzt mehrgleisig denken“, sagt Zimmermann. „Bund, Länder, Kommunen und auch private Stiftungen müssen zusammenlegen.“ Denn es gehe ja nicht nur darum, die Kulturschaffenden durch die Krise zu bringen, sondern sie auch bei der Stange zu halten.

„Wenn wir diese Pandemie überstanden haben, wird nichts mehr so sein wie vorher. Wir werden über vieles neu nachdenken müssen. Darüber, wie viel Daseinsfürsorge wir uns leisten wollen. Und ob wir uns nicht zu sehr darauf verlassen haben, dass die Globalisierung uns trägt. Und für dieses Gespräch über unsere Verletzlichkeit brauchen wir die Kultur nötiger als je zuvor.“

Olaf Zimmermann ist während des Telefonats draußen unterwegs, man hört Vögel zwitschern. Da sein Terminkalender so frei ist wie seit Jahren nicht mehr, erlaubt er sich am Mittag einen Spaziergang. „Das ist schon verrückt“, sagt er zum Abschluss. „Dass zu alldem so wunderbar die Sonne scheint!“

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