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Nachruf

Unermüdliche Vernunft

  • vonMicha Brumlik
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Zum Tod des leidenschaftlichen Zeitgenossen Reiner Bernstein.

Zikhrono le Brakha – so lautet der jüdische, der hebräische Spruch, wenn eine wichtige Persönlichkeit dahingegangen ist. „Möge“ so die deutsche Übersetzung“ sein Andenken zum Segen werden: Am vergangenen Donnerstag ist nach langer Krankheit im Alter von zweiundachtzig Jahren Reiner Bernstein gestorben – ein Zeitgenosse, der sich wie kein anderer stets und vor allem für eine vernünftige, friedliche Lösung des Israel/Palästinakonflikts eingesetzt hat.

Jüdisches Leben und jüdische Themen waren schon seit jeher seine Leidenschaft: angefangen von seiner Promotion über den „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“, sein langjähriges Wirken für den „Deutsch-israelischen Arbeitskreis im Nahen Osten“ über die von ihm unterstützte „Genfer Initiative“, die sich stets für eine Zwei-Staaten-Lösung einsetzte - die er aber schließlich nicht mehr für machbar hielt -, bis hin zu seinem Einsatz für Stolpersteine in München.

Bis in seine letzten Veröffentlichungen hinein – noch vor drei Jahren erschien die erste Auflage seines Buches „Wie alle Völker. Israel und Palästina als Problem der internationalen Diplomatie“ – kämpfte Reiner gemeinsam mit seiner Frau Judith Bernstein für nichts anders denn für: Vernunft, für eine vernünftige Lösung dieses säkularen Konflikts.

Den Anfeindungen trotzen

Freilich scheint gegenwärtig Vernunft – mindestens was den Staat Israel betrifft – in Deutschland nicht gefragt zu sein. Was das bedeutet, musste Reiner wieder und wieder am eigenen Leibe, an der der eigenen Existenz erfahren. Widerfuhr ihm doch, dass er in den vergangenen Jahren von Personen, die der israelischen Regierung nahestanden, nur deshalb als Antisemit bezeichnet wurde, weil er die Politik der israelischen Regierung mit guten Gründen kritisierte – eine Schmähung, die er vor Gericht nicht in allen Fällen widerrufen lassen konnte.

Gleichwohl ließen sich Judith und Reiner nicht verbittern: ihre gemeinsame Website zeugt von ihren unermüdlichen Anstrengungen. Noch vor Kurzem, sein Ende bereits vor Augen, veröffentliche Reiner im Berliner AphorismA Verlag seinen Lebensbericht unter dem Titel „Allen Anfeindungen zum Trotz“ – ein Buch, das alle, die sich überhaupt in Deutschland mit dem „Nahostkonflikt“ befassen, lesen müssen. Ja, auch wenn es vielleicht pathetisch klingt: ein Großer ist von uns gegangen – der Autor dieser Zeilen ist davon überzeugt, dass Reiner endlich Recht bekommen wird.

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