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Kurt Westergaard, hier auf einem Foto von 2006, ist tot.
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Kurt Westergaard, hier auf einem Foto von 2006, ist tot.

Nachruf

Mohammed-Karikaturist Kurt Westergaard ist tot: Die gezeichnete Lunte

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Zum Tod des dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard, der 86 Jahre alt wurde.

Wenn man den Namen Westergaard in eine Suchmaschine eingibt, erscheint sofort der Vorname Mohammed, als sei dieser untrennbar mit dem dänischen Künstler und Karikaturisten Kurt Westergaard verbunden. Der bekennende Atheist war bereits mehr als 70 Jahre alt, als eine seiner Zeichnungen für die dänische Tageszeitung „Jyllands-Posten“ ihn auf fatale Weise in Gefahr brachte und sein Leben für immer veränderte.

Es war eine gewöhnliche, eher flüchtig hingeworfene Karikatur, die einen Mann mit einem Turban darstellte, der sich bei genauerem Hinsehen als Bombe erwies. Die Zeichnung war als eine von zwölf Karikaturen am 30. September 2005 in „Jyllands-Posten“ unter dem Titel „Das Gesicht Mohammeds“ erschienen und hatte mit einiger Verspätung einen internationalen Skandal sowie zahlreiche Demonstrationen in muslimischen Ländern ausgelöst, bei denen mehr als 100 Menschen ums Leben kamen.

Als Karikaturen-Streit gingen die sich anschließenden Diskussionen nicht allein deshalb in die Zeitgeschichte ein, weil in ihnen deutlich wurde, wie bedroht die Freiheit der Kunst im Kontext eines weltweiten religiösen Fanatismus ist. Wochenlang wurde immer wieder auch die Frage verhandelt, inwieweit die Karikaturen gezielt auf eine Verletzung religiöser Gefühle aus waren und dadurch die Grenze der Kunstfreiheit überschritten sei. In der Folge der kontroversen Debatte kam es in vielen Medien zu erneuten Veröffentlichungen der Karikaturen, die weitere Proteste auslösten.

Kurt Westergaard wurde zum markantesten Gesicht der politischen Karikaturenkunst, wohl auch deshalb, weil er seine Arbeiten vehement verteidigte. 2010 entging er nur knapp einem Anschlag durch einen somalischen Asylbewerber in seinem Haus.

Der „Kulturradikale“

Trotz der permanenten Bedrohung war der 1935 im dänischen Dostrup geborene Westergaard bemüht, seine künstlerische Neugier und Lebensfreude nicht zu verlieren. Gern bezeichnete er sich als kulturradikalen und multikulturellen Provokateur. In diesem Sinne wollte er seine Karikaturen denn auch nicht als anti-muslimische Attacke verstanden wissen. Vielmehr ging es ihm um die Entlarvung radikal-muslimischer Motive unter dem Deckmantel von Glaubensfragen.

Kurt Westergaard, zu dessen künstlerischen Freunden Klaus Staeck gehört, der langjährige Präsident der Akademie der Künste in Berlin, begann erst in den achtziger Jahren, Zeichnungen und Karikaturen zu veröffentlichen, die der frühere Lehrer als Kommentare zur Meinungsfreiheit verstanden wissen wollte. Wie jetzt bekannt wurde, ist er am 14. Juli, einen Tag nach seinem 86. Geburtstag, nach längerer Krankheit in Kopenhagen gestorben. (Harry Nutt)

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