Antisemitismus-Vorwurf

Mbembe und Klein: Von Fall zu Fall

  • Harry Nutt
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Raus aus den intellektuellen Schützengräben: Es ist wenig sinnvoll, den Kasus Mbembe durch einen Kasus Klein zu ersetzen.

Man hat sich daran gewöhnt, den Diplomaten Felix Klein als Antisemitismusbeauftragten zu bezeichnen. Das ist missverständlich. Tatsächlich ist er „Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus“. In den Streit über die Einladung des kamerunischen Philosophen Achille Mbembe zum Kulturfestival Ruhrtriennale hatte Klein sich tatsächlich kämpferisch eingemischt. Er wirft Mbembe, das Existenzrecht Israels infrage gestellt und mit einer Gleichsetzung Israels mit dem südafrikanischen Apartheidregime „ein bekanntes antisemitisches Muster“ bedient zu haben.

Mutwillig hineingezerrt?

In seinen Texten hat sich Mbembe jedoch nur am Rande mit Israel befasst. Er gilt als wichtiger Protagonist eines postkolonialen Denkens, die kritisierten Gleichsetzungen stehen bei ihm in erweiterten Kontext einer noch immer wirksamen Politik der Trennung. Zuletzt war heftig beklagt worden, dass Mbembe eher mutwillig in eine Antisemitismus-Debatte hineingezerrt worden sei. (So auch Aleida Assmann in der Frankfurter Rundschau vom 5. Mai.) In einen an Innenminister Horst Seehofer gerichteten Brief haben 37 jüdische und israelkritische Wissenschaftler und Künstler nun die Abberufung Kleins gefordert. „Wir halten Herrn Kleins Versuch, Professor Mbembe als Antisemiten hinzustellen, für unbegründet und unangemessen, anstößig und schädlich“, heißt es in dem unter anderem von Dani Karavan, David Harel, Micha Brumlik, Moshe Zimmermann und Aleida Assmann unterschriebenen Brief.

Zu den Unterzeichnerinnen gehört auch die israelische Soziologin Eva Illouz, die Klein in der Wochenzeitung Die Zeit vorwirft, mit einem schwammigen Antisemitismusbegriff zu hantieren und legitime Kritik an der israelischen Besatzungspolitik mundtot zu machen. Andererseits macht Illouz deutlich, dass sie Mbembes Position für einseitig und gleichgültig „gegenüber der komplexen, tragischen Geschichte der Juden“ halte. Sorgen bereite ihr jedoch eine Doppelmoral, mit der man auch jüdische Kritiker der israelischen Politik zum Schweigen bringe.

Wäre es an dieser Stelle der verfahrenen Diskussion nicht angebracht, aus den intellektuellen Schützengräben herauszukommen? Es scheint wenig sinnvoll, dem Fall Mbembe durch einen Fall Klein zu ersetzen. Die Verknüpfung verschiedener Perspektiven historischer Opfererfahrungen und deren Überwindung ist viel zu wichtig, als dass sie in kleinmütigen Kämpfen um politische Deutungshoheit preisgegeben werden sollte.

Es geht vielmehr um die Erweiterung eines Diskurses, der in der Lage ist, eine vergiftete Hermeneutik des Verdachts zu überwinden.

Die Antisemitismus-Debatte um Achille Mbembe wird beherrscht von Lagerdenken und Fraktionszwang. Eine Einordnung von Claus Leggewie.

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