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Zigarette als Accessoire: Audrey Hepburn als Holly Golightly, 1961.
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Zigarette als Accessoire: Audrey Hepburn als Holly Golightly, 1961.

Rauchen

Marlboro Man tritt ab

  • Arno Widmann
    vonArno Widmann
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Vor 50 Jahren wird Zigarettenwerbung im US-Fernsehen verboten.

Seit dem 1. Januar 1971 gibt es im US-amerikanischen Fernsehen keine Zigarettenreklame mehr. Der Marlboro-Mann hatte sich aus den Privathaushalten verabschiedet. Desto gewaltiger wurde der Werbeaufwand jetzt mit Plakat-Werbung und mit Kinospots. Wer bei Wikipedia unter Marlboro Man nachschlägt, der erfährt, dass Marlboro einst als mehr weibliche Marke wahrgenommen worden war. Mit einem Male begreift man, wie sehr die Manipulationsthese des Neuen Marxismus der sechziger Jahre begründet war in der Erfahrung, dass weniger das Sein das Bewusstsein bestimmt als vielmehr das Design. Der Zigaretten-Industrie war es gelungen, ihr Produkt zu einem Symbol von Attraktivität, Schönheit und Macht zu machen. Das war alles zunächst – man denke an den Camel-Man – deutlich männlich konnotiert. Und gerade darum galt spätestens seit George Sand – mehr als ein Jahrhundert lang – die rauchende Frau als Symbol weiblicher Emanzipation. Natürlich nicht die paffenden Bäuerinnen und Arbeiterinnen. Aber Louise Aston wurde 1846 in Berlin verhaftet, weil sie in Männerkleidung und rauchend über die Straßen ging.

Das Ende der Fernsehwerbung war nicht das Ende der Zigarette. Aber es war ein Einschnitt in dem, was der Historiker Allan M. Brandt „The Cigarette Century“ nannte. Es war neben dem Alkohol die prägende Droge nicht nur der westlichen Gesellschaft. Zur Droge gehören die Toten und dass sie nur wenig den Abhängigen schrecken. Die Marlboro-Männer starben einer nach dem anderen an Lungenkrebs. Das ist wörtlich zu nehmen. Kaum einer der Darsteller entging ihm.

Vor zwanzig Jahren war die deutsche Zigarettenindustrie bereit, erkleckliche Summen dafür zu zahlen, dass bei Modeaufnahmen die Damen Zigaretten in den Händen hielten. Man wird davon ausgehen können, dass nicht jedes dieser Angebote abgelehnt wurde und sicher war nicht jede Zigarette in Film, Fernsehen und eigentlich anderen Industrien gewidmeten Anzeigen dramaturgisch motiviert. Die Weltgesundheitsorganisation bezifferte die Tabaktoten des Jahres 2019 auf acht Millionen.

Die abschreckende Werbung auf jeder Zigarettenpackung mag den einen oder anderen abhalten. Weltweit aber ist ein Ende des „Jahrhunderts der Zigarette“ nicht abzusehen. China führte 2018 mit 300 Millionen Rauchern und Raucherinnen mit riesigem Abstand vor Indien mit 115 Millionen, Indonesien (60) und den USA (50). Setzt man dies in Relation zur Bevölkerungszahl, kommt man fast überall auf der Welt zum Ergebnis: Ein Drittel der Menschen raucht. No risk, no fun.

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