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Till Lindemann in der Kritik wegen eines Vergewaltigungsgedichts.
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Till Lindemann in der Kritik wegen eines Vergewaltigungsgedichts.

Till Lindemann

Lyrik darf Tabus brechen

  • Thomas Kaspar
    VonThomas Kaspar
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Till Lindemanns Gedicht über eine Vergewaltigung ist unerträglich, aber es gehört nicht verboten.

Das Gedicht von Rammstein-Sänger Till Lindemann ist sexistisch, frauenfeindlich, unerträglich, auch sprachlich an vielen Stellen einfach nur schlecht. Wer aber ein Verbot von „Wenn du schläfst“ fordert, schießt weit über das Ziel hinaus.

Diskurs zwischen Freiheit und Empörung

Gedichte sind Grenzgänge. Sie verdichten Gefühle wie keine andere Kunstform. Lyrik darf Vergewaltigung thematisieren und die falsche Position einnehmen. Die Grenzüberschreitung ergibt sich aus der Kultur, die interpretiert. Wenn es also einen Aufschrei gibt, zeigt es, dass unsere Gesellschaft intakt ist in ihren Normen. Diese zu brechen als Angebot zur fiktiven Verhandlung, ist die Freiheit der Poesie. 

Solange der Diskurs zwischen Freiheit und Empörung stattfinden kann, funktioniert Kultur. Wer aber nur auf der Kulturebene agiert, ohne sonst Lyrik zu lesen, ist mir suspekt. Weil sie oder er eigentlich nicht weiß, wie und was sonst in Gedichten verhandelt wird. Es befriedigt nur den Kulturbetrieb, sich über einen Tabubruch zu empören, ohne sich mit Lyrik außerhalb kapitalistischer Interessen oder Boulevard-Erregungsbedürfnisse zu beschäftigen.

Till Lindemann die Aufmerksamkeit abgraben

Es gibt so viele unendlich klügere, geschicktere, gelungenere literarische Auseinandersetzungen und darunter auch unzählige bessere Tabubrüche. Und es gibt so viele Stimmen, die vermutlich deutlich lesenswerter sind und keine solche Plattform bekommen. Der beste Rat, um Till Lindemann die Aufmerksamkeit abzugraben ist: „Lest andere Lyrik! So viel wie möglich!“

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