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Frankfurter Architekturmuseum: Keine Hütte aus Lützerath

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Die „Rotkoehlchen“-Hütte in Lützerath kurz vor ihrem Abriss. Bild: Anna-Maria Mayerhofer/DAM
Die „Rotkoehlchen“-Hütte in Lützerath kurz vor ihrem Abriss. Bild: Anna-Maria Mayerhofer/DAM © Anna-Maria Mayerhofer / DAM

Das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt wollte Protestarchitektur aus Lützerath ausstellen – doch die „Rotkoehlchen“-Hütte wurde abgerissen.

Frankfurt – Es sollte das wohl ungewöhnlichste Exponat für eine Ausstellung über gebaute Protestkultur im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt (DAM) im kommenden Herbst werden, an deren Konzept DAM-Kurator Oliver Elser bereits seit zwei Jahren arbeitet – doch seit Sonntag, 15 Uhr, ist die Hütte aus Lützerath, hinter der der Kurator lange her war, abgerissen, so wie alle anderen Bauten des Protestcamps an dem umkämpften Braunkohletagebau in Nordrhein-Westfalen.

Elser hatte, ganz sorgfältiger Museumsmann, einen Leihvertrag mit den Besetzer:innen als mutmaßlichen Eigentümer:innen geschlossen, die Polizei und den Konzern RWE, der hier abbaggern will, informiert und war noch am Samstag voller Hoffnung, die geräumte sogenannte „Rotkoehlchen“-Hütte abbauen und nach Frankfurt transportieren zu können. Man habe sogar in der vergangenen Woche noch ein Amtshilfegesuch an das Polizeipräsidium Aachen gerichtet, berichtet der Kurator. Auch eine zweite, größere Hütte, der „Tower“, sei dem Museum als Leihgabe angeboten worden. Der Tower ist mittlerweile ebenfalls abgerissen.

Frankfurter Architekturmuseum: Keine Hütte aus Lützerath: Suche nach der Geschichte der Exponate

„Dieses Hüttendorf war ungewöhnlich“, sagt Elser. „Es waren Baumhäuser ohne Bäume. Das klingt erst mal paradox, aber in Lützerath gab es nur wenige Bäume, und die waren schon alle besetzt.“ Hohe Gebäude seien schwieriger zu räumen, deshalb seien die Hütten auf Stelzen gebaut worden. „Verzögerungsarchitektur“ nennt es Elser, der mehrmals in Lützerath war.

Könnte man eine aus billigen Materialien gezimmerte Hütte nicht ganz einfach rekonstruieren? „Ich hätte da viele Fragezeichen“, sagt Elser. Da könne man genauso gut Fotos aufhängen. „Die Geschichte eines Exponats ist uns genauso wichtig wie das Exponat selbst“, sagt er. „Mit einem Baumhaus allein hat man noch nicht viel erzählt.“

Protestarchitektur in Frankfurter Museum - von der Startbahn West bis zum Sturm aufs Capitol

In der Ausstellung „Protest/Architektur“ im DAM will Elser Pläne des Hüttendorfs an der Startbahn West in Frankfurt, Exponate aus Wackersdorf und auch vom Sturm auf das Capitol in Washington zeigen. „Das ist zwar keine Protestarchitektur, aber ein symbolisch höchst aufgeladenes Bauwerk.“ Dessen Bedeutung hätten sich die Protestierenden angeeignet.

Ganz aktuell ist in Frankfurt im Fechenheimer Wald ein Gelände besetzt, auf dem eine Autobahn gebaut werden soll. „Wir waren schon dort, haben aber bisher nicht wegen der möglichen Ausleihe einer Hütte gefragt. Die Aktivist:innen brauchen diese Strukturen ja auch noch.“

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