1. Startseite
  2. Kultur
  3. Gesellschaft

„Kulturelle Aneignung“: Weiße Band trägt Rastalocken und spielt Reggae - Veranstalter bricht Konzert ab

Erstellt:

Von: Moritz Serif

Kommentare

Im März sagten Fridays for Future den Auftritt der Sängerin Ronja Maltzahn ab
Im März sagten Fridays for Future den Auftritt der Sängerin Ronja Maltzahn ab (Archivbild). © Ole Spata/dpa

Eine weiße Band spielt bei einem Konzert Reggae. Zwei Mitglieder tragen Rastalocken. Die Brasserie Lorraine bricht es ab. Nun äußert sich die Band.

Bern - „Während dem Konzert kamen mehrere Menschen unabhängig voneinander auf uns zu und äußerten Unwohlsein mit der Situation. Es ging dabei um die Thematik ‚Kulturelle Aneignung‘. Nach einem Gespräch mit der Band haben wir uns zusammen dafür entschieden, das Konzert abzubrechen“, schreibt die Brasserie Lorraine auf Facebook. Was ist an diesem Abend in Bern geschehen?

„Kulturelle Aneignung“ ist laut Definition die unbewusste oder auch beabsichtigte, unangemessene Übernahme eines Elements einer Kultur durch Angehörige anderer Kulturen. Umstritten ist sie vor allem, wenn sich Menschen dominanter Kulturen Elemente von Minderheitskulturen aneignen.

Band „Lauwarm“ trug afrikanische Kleidung und Rastalocken

Lokale Medien berichten, dass zwei weiße Mitglieder der Band „Lauwarm“, die kurzfristig eingesprungen war, afrikanische Kleidung und Rastalocken trugen - außerdem hätte die Band Reggae gespielt. „Nach einem Gespräch mit der Band haben wir uns zusammen dafür entschieden, das Konzert abzubrechen“, erklärt die Brasserie.

Kulturelle Aneignung: Brasserie entschuldigt sich

Den Betreiber:innen sei bewusst, dass der Kulturort die Verantwortung trage - man habe die Band schließlich eingeladen. „Daher möchten wir uns bei allen Menschen entschuldigen bei denen das Konzert schlechte Gefühle ausgelöst hat. Wir haben es verpasst, uns im vorne herein genug damit auseinanderzusetzen und euch zu schützen.“

„Lauwarm“ kritisierte hingegen den Konzert-Abbruch. „Wir fühlten uns vor den Kopf gestoßen, da niemand aus dem Publikum auf uns zugekommen ist, als wir gespielt haben“, sagt Band-Chef Dominik Plumettaz. Es habe eine Super-Stimmung geherrscht, sagte er gegenüber 20min.ch.

„Lauwarm“ distanziert sich von Provokation und Kultureller Aneignung

„Wir inspirieren uns von anderen Kulturen und anderen Musikrichtungen, entwickeln diese weiter und machen so unsere Musik.“ Der Band gehe es weder um Provokation noch um Kulturelle Aneignung.

Auch die Betreiber:innen der Brasserie Lorraine haben sich nochmals zu Wort gemeldet: „Wir behaupten nicht, dass wir mit dem Abbruch des Konzertes das Richtige getan haben. Es jedoch einfach weiterlaufen zu lassen, hat sich auch falsch angefühlt. Wir könnten es auch Überforderung nennen.“ Es soll in drei Wochen einen Diskussionsabend zum Thema geben.

Fridays for Future sagte Auftritt ab - wegen „Kultureller Aneignung“

Im März gab es in Deutschland einen ähnlichen Vorfall. Damals sagte Fridays for Future den Auftritt der Sängerin Ronja Maltzahn ab - wegen „Kultureller Aneignung“, da sie als weiße Frau Rastalocken trug. Maimouna Jah vom Magazin RosaMag sagte Buzzfeed, dass es dabei nicht darum ginge, dass sich weiße Menschen keine verfilzten Haare machen lassen dürften.

„Verfilztes Haar finden wir in allen Kulturen wieder, es gibt keine Kultur, die das für sich beanspruchen kann.“ Allerdings dürften weiße Menschen diese nicht als „Dreadlocks“ bezeichnen. „Die Sprache ist hier das große Problem“, sagt Jah. (mse)

Auch interessant

Kommentare