Jörg Huffschmid

Jörg Huffschmid: Für eine gerechte Alternative

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Genial-universaler Ökonom: Erinnerung an Jörg Huffschmid, der am 19. Februar 80 geworden wäre.

Im letzten Jahr der „Großen Koalition“ mit Karl Schiller als Wirtschaftsminister und Franz Josef Strauß als Finanzminister erschien in der Edition Suhrkamp 1969 ein Buch mit dem programmatischen Titel „Politik des Kapitals“. Darin wurde messerscharf nachgewiesen, dass auch mit der neu entdeckten Globalsteuerung das „Allgemeininteresse“ den Gewinninteressen von machtvollen Großunternehmen untergeordnet wird. Dieses Buch wurde schnell zur „Bibel“ weit über die Studentenbewegung hinaus. Es stammt aus der Feder von Jörg Huffschmid, der 2009 nach einer schweren Erkrankung starb.

Aus der riesigen Fülle seiner Publikationen sollte ein zweites Buch epochale Bedeutung erhalten. 2002 legte er seine „Politische Ökonomie der Finanzmärkte“ vor. Damit gehörte Jörg Huffschmid zu den wenigen, die den Absturz des finanzmarktgetriebenen Kapitalismus und damit die heutige Finanzmarktkrise nachlesbar vorhergesehen haben. Wäre dieses geniale Werk von den politischen Verantwortlichen und vor allem von Bankern nicht ignoriert worden, hätte die Krise zumindest in Deutschland eingedämmt werden können.

Jörg Huffschmid steht heute mehr denn je für eine kompromisslose, exzellent fundierte Analyse der ökonomisch, sozial und ökologisch selbstzerstörerischen Kräfte einer entfesselten Profitwirtschaft. Durch seine substanzielle Kritik am Marktfundamentalismus in einem willfährigen, antidemokratischen Staat hat er frühzeitig die gefährliche Ideologie des Neoliberalismus dechiffriert. Dieser Einsatz als Forscher und Publizist hat ihn weit über die Grenzen Deutschlands berühmt gemacht.

Er ist aber auch vielen Studierenden als begnadeter Hochschullehrer in Erinnerung geblieben. 1973 wurde er Professor für Politische Ökonomie und Wirtschaftspolitik. Erinnert sei daran, wie nach seiner Anhörung vor der Berufungskommission Walter Jens, der dem Senat der Universität Bremen angehörte, aus dem Raum stürmte, um seine Begeisterung über diesen Wirtschaftswissenschaftler zu verkünden. Zu jeder Vorlesung, zu jedem Seminar legte er vor Beginn eine Orientierungsskizze vor. Seine so produktive, interdisziplinäre Ausrichtung glich gelegentlich einem „Studium generale“, das heute (leider) ein Fremdwort an deutschen Universitäten ist.

Im Jahr 1975 hatte er maßgeblich die Idee, die „Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik“ zusammen mit Herbert Schui und mir zu gründen. Diese sogenannten „Alternativökonomen“ sind immer wieder ausgegrenzt worden. Dennoch wurden ihre Memoranden zu einem wichtigen Zentrum kritischer Wirtschaftswissenschaft. Von Huffschmid stammte das Credo: Es gibt Alternativen gegen die soziale Spaltung der Gesellschaft und die Umweltvernichtung. Mit Ernst Bloch gesprochen: Wenn die wirtschaftlichen Machtverhältnisse durch demokratische Kräfte gebändigt werden, dann ist die Utopie der Hoffnung auf eine bessere Welt realisierbar.

Er ließ sich nicht entmutigen

Der Ökonom Huffschmid nahm die Erkennungsmarke „Politisch“ sehr ernst. Er ließ sich trotz inhaltlicher Anfeindungen nicht entmutigen, auf der politischen Bühne in Bonn und dann Berlin Einfluss zu nehmen. Seine wohl wichtigste Beratertätigkeit brachte er in die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags zur „Globalisierung der Wirtschaft“ ein. Wenn heute auch von ehemaligen Globalisierungsfanatikern die Gefahren gesehen werden, dann hätten sie das schon viel früher durch Huffschmid begreifen können.

In Erinnerung gehalten wird er mit der Vergabe des Huffschmid-Preises durch Attac. „In Gedenken an das wissenschaftliche Werk und das gesellschaftspolitische Engagement des kritischen Ökonomen Jörg Huffschmid“, wie es in der Begründung heißt, ist „2019 zum fünften Mal der nach ihm benannte Preis für herausragende Arbeiten aus dem Feld der Politischen Ökonomie ausgeschrieben“ worden.

Rudolf Hickelhat mit Jörg Huffschmid und Herbert Schui die „Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik“ gegründet.

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