Europa, vage Heimat.
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Europa, vage Heimat.

Heimatbegriff

Für ein Europa der Bürger!

  • vonOtfried Höffe
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Um diese Vision zu verwirklichen, bedarf es auch eines aufgeklärten Heimatbegriffs.

Von ihrer Abwesenheit, der Heimatlosigkeit, zu sprechen, fällt leichter als von ihr selbst. Denn nach Ansicht von Kritikern hat der Ausdruck „Heimat“ einen Hautgout der verlorenen Idylle und lässt ein „geistiges Wurzelgefühl“ anklingen, das als ethnisches Denken, oft zur Ideologie von Blut und Boden verkehrt, genug Unheil in die Welt gebracht hat. Kaum jemand bestreitet jedoch, dass, wer aus der Heimat vertrieben wird, einen hohen Verlust empfindet. Indirekt räumt man damit ein, dass es, wenn auch nur vage, das Vermisste, eben eine Heimat, gibt: Vorher war sie selbstverständlich, erst beim Verlust wird der überragende Wert bewusst.

Heimat: Der Mensch ein Nesthocker

Das Heimatgefühl hat sogar eine anthropologische Dimension, allerdings in Ambivalenz. Seiner Natur nach ist der Mensch ein Nesthocker, der ziemlich lange braucht, bis er eine selbstverantwortliche Person geworden ist. Dieser Prozess zieht sich in wirtschaftlich und kulturell entwickelteren Gesellschaften, nimmt man zum Kriterium die wirtschaftliche Eigenständigkeit, also die Fähigkeit, seinen Lebensunterhalt selber zu verdienen, noch länger hin. Nestflüchter ist der Mensch aber auch, denn schon während der Kindheit und Jugend ist er auf Abenteuer aus, und später suchen viele ihr Glück in der Ferne.

Für den, der die angedeuteten Bedenken teilt, ist eine neuere Umfrage irritierend. Nach den im April 2018 veröffentlichten Ergebnissen des Instituts für Demoskopie Allensbach ist „Heimat“ keineswegs ein Begriff des rechten politischen Randes. Im Gegenteil ist, die Grünen ausgenommen, Heimatverbundenheit bei Anhängern aller politischen Parteien annähernd gleich stark vertreten. Bei „Heimat“ denken nun die Befragten vor allem an Kindheit (87 %), Familie (87 %) und Freunde (84 %), des weiteren an alte Zeiten (75 %) und Geborgenheit (72 %). Mit den verbreiteten Vorwürfen von Spießigkeit, Zwang und Enge verbinden den Heimatbegriff nur ein recht kleiner Teil, 20 % der Befragten.

Obwohl andere Faktoren einen weit größeren Einfluss haben, sowohl das Phänomen der Gastarbeiter als auch das der politisch oder wirtschaftlich motivierten Flüchtlinge, nicht zuletzt die von der globalisierten Arbeitswelt erforderliche Mobilität – die von der Europäischen Union eingeführte berufliche Freizügigkeit wird diese Tendenz, den Lebensraum der Kindheit und Jugend entweder verlassen zu dürfen oder aber aufgeben zu müssen, in beiden Fällen jedenfalls sein bisheriges Zuhause, eine Heimat, zu verlieren, noch verstärken. Umso wichtiger ist zumindest für die Personen, die aus ihrer Heimat ungern oder sogar nur aus Not oder Zwang fortgehen, ein Gegensteuern, das sich weder einerseits mit der Pflege von Folklore noch andererseits mit der Kritik an einem Rechtspopulismus zufrieden gibt.

Zuwanderer verdienen mit ihrer Andersartigkeit ein Willkommen

Eine neuere sozialtheoretische Bewegung, der Kommunitarismus, betont das Gewicht kleinerer Gemeinschaften (englisch: communities), weil sie sich durch kulturelle Besonderheiten auszeichnen, die ihrerseits die Integrität einer Person, die Bildung der Moral und ein Wir-Gefühl erleichtern. Der Anspruch, eine umfassende Alternative zu Liberalismus und Globalisierung zu bieten, ist zweifellos verfehlt. Denn als Konsument, Tourist und als Teilnehmer im Internet, als Student oder Dozent, nicht zuletzt als Mitglied der längst multinationalen Betriebe und Forschungseinrichtungen sind auch diejenigen, die die Globalisierung attackieren, längst konstruktive Teilnehmer dieses Phänomens. Als ein Kontrapunkt gegen ein Vernachlässigen, nicht selten sogar Verächtlichmachen von gewachsenen kommunalen, regionalen und nationalen Eigenheiten dürfte der Kommunitarismus jedoch berechtigt sein. Denn die vielerorts stattfindende Rückbesinnung auf Besonderheiten weist auf ein Interesse, das nicht ausschließlich, aber doch zu einem Teil so lange in nationalistische, sogar fremdenfeindliche Bewegungen zu pervertieren droht, wie berechtigte Anteile dieses „kommunitaristischen Bedürfnisses“ von gewissen politisch und intellektuell herrschenden Kreisen vernachlässigt werden. Auch wenn Zuwanderer mit ihrer Andersartigkeit ein Willkommen verdienen, sollte niemand befürchten müssen, im eigenen Land sich fremd zu fühlen.

Otfried Höffe: Für ein Europa der Bürger! Verlag Klöpfer, Narr. Tübingen 2020. 285 Seiten, 28 Euro.

Wo die Sorge unberechtigt ist, sollte man es den Bürgern glaubhaft machen, wo aber einschlägige Gefahren sich abzeichnen, ihnen wirksam entgegentreten. Nicht zuletzt bedarf es der Differenzierung: Für die Veränderungen der Lebensverhältnisse aufgrund der Globalisierung darf man nicht den Zustrom von Flüchtlingen, für deren (berechtigte oder unberechtigte) Ansprüche aber nicht die weit facettenreichere Globalisierung verantwortlich machen.

Wie steuert man nun dem entgegen: Wie sorgt man um einer lebendigen Demokratie willen dafür, dass die von vielen Bürgern empfundene, oft sogar erlittene Identitätskrise überwunden wird und etwa eine Entfremdung zwischen den etablierten Eliten und einfachen Bürgern schwindet? Wie hilft man, dass die die eigenen Einzelstaaten überschreitende politische und kulturelle Einheit, dass also Europa, zumindest Wahleuropa, die Union, zu einem Lebensraum wird, zu dem die freien und gleichen Bürger (nicht etwa Untertanen!) von innen heraus zustimmen? Wie ist gegen die tatsächlichen Gefahren oder aber unberechtigten Sorgen ein Wir-Gefühl zu entwickeln, ein Gefühl dazuzugehören („sense of belonging“), in dem eine emotionale Verbundenheit mitschwingt? Wie wird die Europäische Union, was für sie als einer Union der Bürger unerlässlich ist, mindestens ansatzweise zu einem Zuhause, vielleicht sogar zu einer Heimat? Wie wird aus der europäischen Idee, einem Gedanken, ein gelebtes Gefühl?

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Wer sich einer unbeschwerten Kindheit und Jugend erfreuen konnte, für den ist die Heimat vor allem dann, wenn er gewaltsam aus ihr vertrieben wird, ein Kosmos, zwar kein System, aber doch ein dichtes Gewebe des Sichwohlfühlens. In ihm spielen Brauchtum und Folklore weniger eine Rolle als Wege und Gebäude, als eine Landschaft und sei es die eines Stadtbezirks. Dieses Gewebe besteht vor allem aus Pflanzen, Farben und Gerüchen, aus Sonne, auch Regen, noch mehr aus einem Beziehungsgeflecht von Freundschaften und Nachbarschaften, weiterhin aus Träumen der Kindheit, aus Erzählungen, an die man sich erinnert, aus Plänen und Hoffnungen der Jugend und vielem mehr.

Heimat beginnt im Elternhaus

Selbst für die Union kann „Heimat“ nicht in dieser emotional hochaufgeladenen Bedeutung gemeint sein. Etwas, das für einen kleinen, sowohl vertrauten als auch überschaubaren, dabei relativ homogenen Lebensraum und vor allem für eine Lebensphase möglich ist, in der es noch keine Berufspflichten gibt, aber intensive Erlebnisse – in gelungenen Fällen die Erfahrung von Geborgenheit, Weltvertrauen und Verhaltenssicherheit – die sich tief in das emotionale Hirn eingraben, eine derartige Heimat ist für einen in vieler Hinsicht heterogenen Teilkontinent und noch heterogeneren Gesamtkontinent und eine Bürgerschaft mit Berufspflichten ohne Frage unmöglich. Und völlig ausgeschlossen ist ein Heimatgefühl, in dem die Sehnsucht nach jenem einfachen Leben mitschwingt, das es in Wirklichkeit nie gab.

Der Autor

Otfried Höffe, Jahrgang 1943, lehrte Politische Philosophie u.a. in Fribourg, Zürich, Sankt Gallen und zuletzt viele Jahre lang in Tübingen, wo er als inzwischen emeritierter Professor auch die entsprechende Forschungsstelle leitet. Über Deutschland hinaus ist er bekannt für seine zahlreichen Veröffentlichungen zur Politischen Philosophie, Moralphilosophie und Angewandten Ethik.
Zuletzt veröffentlichte er „Ist die Demokratie zukunftsfähig?“ (2009), „Kritik der Freiheit. Das Grundproblem der Moderne“ (2015) sowie „Die hohe Kunst des Alterns. Kleine Philosophie des guten Lebens“ (2018).
Bei dem hier abgedruckten Text handelt es sich um einen Vorabdruck aus dem Ende der Woche erscheinenden Buch „Für ein Europa der Bürger!“ Wir veröffentlichen den Auszug mit freundlicher Genehmigung des Verlages.

Europa zu einer verklärten Heimat machen zu wollen, wäre also nicht etwa visionär, sondern im wörtlichen Sinne u-topisch, ortlos, denn so gut wie alle Menschen müssten sich als heimatlos betrachten. Anders verhält es sich mit einem nüchternen, zugleich reflektierten, sogar aufgeklärten Begriff: „Heimat“ nenne man den Lebensraum, der mit dem Elternhaus beginnt, der sich bald auf die Nachbarschaft und nähere Umgebung ausdehnt, der mit wachsendem Alter mitwächst, häufig den Berufs- und Freundeskreis, vielfach auch den eigenen Sprach- und Kulturraum, spätestens bei geographischer Ferne sogar das Vaterland einschließt.

In diesem Sinn ist der aufgeklärte Heimatbegriff in seiner Ausdehnung offen: Sowohl der geographische und soziale als auch der politische und kulturelle, jedenfalls multidimensionale Raum, den man als Heimat erlebt, pflegt zu wachsen. Dies geschieht allerdings nicht von allein, bedarf vielmehr der eigenen Auseinandersetzung mit seiner Umwelt und mit sich selbst.

Im Zuge dieser Entwicklung muss der kleinere Teil dieses komplexen Raumes durch den größeren nicht annulliert werden. Wenn die Zustimmung zur Union, jetzt von unten vorgenommen, nicht von oben diktiert, sich aus freien Stücken sowohl erweitert als auch vertieft, dann löst die geographisch größere Heimat, Europa, die geographisch kleineren Heimaten nicht ab. Weder kommunale noch regionale oder nationale, weder betriebliche noch berufliche, sprachliche oder religiöse Verbundenheiten müssen verschwinden. Die Gesamtheimat nimmt vielmehr die Gestalt von teils konzentrisch aufeinander aufbauenden, teils sich überlappenden Kreisen von Teilheimaten an.

Die Gesamtheimat wird dabei zu einem komplexen und dynamischen, zugleich offenen Phänomen, bei dem es bald durch glückliche neue Lebenssituationen wie Partnerschaft und Familie, bald durch unglückliche Umstände wie längere Arbeitslosigkeit oder den Verlust nahestehender Personen zu Verschiebungen, sogar Brüchen kommen kann. Die Heimat ist nämlich weder ein einmal für immer gleiches noch ein gesichertes Phänomen. Schließlich ist auch dieses zu beachten: Die emotionale Intensität pflegt von oben nach unten zu-, von unten nach oben abzunehmen. In einer Nachbarschaft oder im Kiez gibt es in der Regel eine engere Verbundenheit als in und mit der Großstadt; im Staat, zumal einem Kleinstaat, gibt es engere als in einem Staatenverbund.

Heimat lässt sich nicht politisch erzwingen

Klugerweise erwarte man daher für Europa weder persönlich, als Bürger, noch von den für Europa verantwortlichen Akteuren eine alternative Heimat. Allein sinnvoll ist nur eine ergänzende, komplementäre Heimat, die verständlicherweise die emotionale Intensität der „kleineren Heimat“ nie auch nur annähernd erreicht. Die Gesamtheimat darf jedenfalls die angedeuteten Teilheimaten nicht aufheben.

Grundlegende Schwierigkeiten kommen hinzu. Nehmen wir als Beispiel die in der Union eingeführten vier Freiheiten, die des Personen-, des Waren-, des Dienstleistungs- und des Kapitalverkehrs. Der dadurch geschaffene gemeinsame Lebensraum mag als ein Element von Heimat wahrgenommen werden: Bürger aus Ländern hoher Arbeitslosigkeit können im staatlichen Ausland, aber europäischen Inland Arbeit suchen; Geschäftsleute, Krankenhäuser, auch Privatpersonen finden dringend gesuchtes Personal aus Ländern mit Arbeitskräftemangel.

Diese fraglos begrüßenswerte Entwicklung hat freilich eine Kehrseite: Geschäftsleute, Krankenhausleiter und Kommunen klagen über hohe bürokratische Erfordernisse, andere über unliebsame Konkurrenten und viele über zu geringe Sprachkenntnisse mit vorhersehbaren Verständigungsschwierigkeiten. Nun nimmt man erfahrungsgemäß die Nachteile häufig stärker als die Vorteile wahr, weshalb die genannten vier Freiheiten, die objektiv gesehen dem Zusammenwachsen Europas dienen, im subjektiven Erleben auf das Zugehörigkeitsgefühl zu Europa nicht hinreichend durchschlagen.

Auch dieses liegt auf der Hand: Heimat lässt sich weder politisch erzwingen noch künstlich herstellen. Weil sie in tätiger Auseinandersetzung mit sich und der Umwelt, weil sie lebensweltlich entsteht, kann Heimat nie ein direktes Ziel der Politik sein. Daraus folgt aber keine völlige Unzuständigkeit. Die Politik kann nämlich indirekt, unterstützend oder behindernd, zu jenen Rahmenbedingungen und Voraussetzungen beitragen, unter denen die Bürger sich Heimat und als deren Minimum und Kern sich eine Zusammengehörigkeit und einen Zusammenhalt schaffen. Dazu gehören Plätze und Orte der formellen und informellen Kommunikation und Interaktion: sowohl für Bürgerbeteiligung als auch für Feste und Feiern. Vor allem ist die Politik dafür mitverantwortlich, dass die Alltagswelt nicht in einem unwirtlichen sozialen und kulturellen Umfeld stattfindet.

In diesem Sinn könnte ein europäisches Heimatgefühl beinahe von selbst zustande kommen. Es begänne dann mit eigenem Erleben: in der Nachbarschaft, in der Schule und Hochschule, am Arbeitsplatz und bei Reisen. Es setzt sich in der Lektüre und in den Medien, nicht zuletzt in der Wahrnehmung durch andere – im Ausland wird man als „Europäer“ eingeschätzt – fort. Jedenfalls bildete es sich, nicht von oben vorgeschrieben, sondern von unten gewachsen, also „bottom up“ statt „top down“, heraus. Auf diese und nur diese Weise würde die Union zu einer Einheit, die nicht bloß wirtschaftliche und politische Vorteile bietet, sondern eine gewisse emotionale Zustimmung verdient und auch findet.

Man kann eine zweite Heimat finden

Die zahllosen Heimatvertriebenen zeigen, dass beides geschieht: einer verlorenen Heimat nachzutrauern und auf die Heimat, in der man geboren wird, nicht ewig fixiert zu sein. Der Oxforder Professor für Europäische Politik, Jan Zielonka, nennt sich einen „Schlesier, der in Polen aufgewachsen ist, einen niederländischen Pass besitzt, in Italien seine Steuern zahlt und in Britannien arbeitet“. Wie die nach dem Zweiten Weltkrieg nach Norddeutschland vertriebenen Ostpreußen, wie damals Schlesier in Hessen oder Nordrhein-Westfalen, wie Sudetendeutsche in Bayern und Baden-Württemberg oder wie die wegen der Nazi-Verfolgungen aus Deutschland und den Nachbarländern Geflohenen etwa in Skandinavien, Nord- und Südamerika beweisen, kann man eine zweite Heimat finden.

Die entsprechende Offenheit, die schon im Buchtitel des Sudetendeutschen SPD-Politikers Peter Glotz „Von Heimat zu Heimat“ anklingt, ist der großen Literatur längst vertraut: Theodor Fontane, der brandenburgisch-preußische Schriftsteller, hat hugenottische, also französische Vorfahren. Einer der wichtigsten englischsprachigen Schriftsteller, Vladimir Vladimirovic Nabokov, stammt aus St. Petersburg, lebt einige Zeit in Berlin, lehrt etliche Jahre an der US Cornell-Universität russische Literatur und lebt später in der Schweiz. Der Franzose Jean-Claude Izzo ist „Marseiller“ durch und durch, nämlich, wie er erläutert, „halb Italiener halb Spanier mit arabischem Blut und Oliven von beiden Seiten“. Der englische Schriftsteller Josef Conrad stammt aus Polen. Der gebürtige Düsseldorfer Dieter Forte beschreibt in seinem Roman „Das Muster“, wie eine italienische Seidenweberfamilie von Lucca über Florenz und Lyon ins Rheinland gelangt und sich dort mit einer ins Ruhrgebiet eingewanderten polnischen Bergarbeiterfamilie verheiratet, woraus eine für das Rhein-Ruhrgebiet typische Verflechtung unterschiedlicher Mentalitäten entsteht.

Europa als die „elementare Heimat“

Der sich hier abzeichnende nüchterne, zugleich aufgeklärte Begriff der Heimat erinnert daran, dass der Ausdruck sich von „Heim“ ableitet, das wie das englische „home“ und das schwedische „hem“ mit dem griechischen Ausdruck kome: Dorf, Sippe, verwandt ist. Es geht auf eine indogermanische Wurzel „kei“, „liegen“, zurück, erinnert also im Vorübergehen an die kulturelle, hier sprachliche Verwandtschaft in Europa. Ursprünglich bedeutet „Heimat“ den Ort, an dem man sich niederlässt, das Lager, oder das Haus, in das man gehört, das Domizil. In diesem Sinne taucht der Ausdruck in Ortsnamen wie Mannheim oder Rosenheim auf, wie im englischen Birmingham, Nottingham oder dem schwedischen Varnhem und Gudhem.

An diese bescheidene Bedeutung, an die Heimat als das Land oder den Landstrich, in dem man entweder geboren wurde oder, gemäß einer zweiten oder dritten Heimat, seinen bleibenden Aufenthalt findet, kann Europa leicht anknüpfen. Begriffsgeschichtlich reichert sich der Ausdruck später um ein wirtschaftliches und ein rechtliches Moment an oder erhöht deren Gewicht, woran man ebenfalls einfach anknüpfen kann: Europa als die „elementare Heimat“, nämlich als der Aufenthaltsort, an dem man sein wirtschaftliches Auskommen und seinen Rechtsschutz findet. Selbst für einige „Reduktionseuropäer“ ist Europa eine Wirtschaftsgemeinschaft; und wer eine Menschenrechtsklage einreicht, weiß die Europäische Menschenrechtskommission als Appellationsinstanz zu schätzen. „Ubi bene, ibi patria“, sagt Cicero in den Tuskulanischen Gesprächen: „Wo es einem gut geht, dort ist sein Vaterland“.

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