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Halbfinale Sevilla 1982: Ein bretthartes Spiel

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Von: Michael Hesse

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Sevilla 1982: Klaus Fischer erzielt gegen Frankreich per Fallrückzieher das Tor zum 3:3
Sevilla 1982: Klaus Fischer erzielt gegen Frankreich per Fallrückzieher das Tor zum 3:3 © imago/Ferdi Hartung

Eine Dokumentation arbeitet das WM-Halbfinalspiel Deutschland gegen Frankreich von 1982 meisterhaft auf

Es war das Jahr der geistig-moralischen Wende - so hatte es die CDU unter Helmut Kohl angekündigt. 1982 wurde er Regierungschef. Einige Jahre später sollte er mit dem französischen Präsidenten François Mitterrand Hand in Hand an die Millionen toten Franzosen und Deutschen gedenken. Eine historische Versöhnungsgeste. 1982 war das deutsch-französische Verhältnis ohnedies entspannt, wäre da nicht dieses eine Spiel in Sevilla gewesen.

Es war Juli, es herrschten hohe Temperaturen, auch in Andalusien. Dort trafen die Fußball-Nationalteams von Deutschland und Frankreich im Halbfinale der Weltmeisterschaft aufeinander.

Nun hat ein für das ZDF produzierter Film dieses „Duell“ aufbereitet, er stützt sich auf das Buch „Die Nacht von Sevilla 82“ des Journalisten Stephan Klemm. Der Film von ihm, Mirko Schernickau und Tim Gorbauch trägt den Titel „Sevilla 1982 – Ein Jahrhundertspiel“. Wem die Spiele der deutschen Mannschaft bei der WM in Katar zu langweilig sind, sollte sich diese aufschlussreiche und sehenwwerte Dokumentation anschauen. Er wird eine deutsche Weltklasse-Mannschaft sehen, die auf einen Gegner mit ebenso vielen Top-Spielern trifft. Toni Schumacher, Karlheinz Förster, Manfred Kaltz, Paul Breitner oder Karl-Heinz Rummenigge waren die deutschen Aushängeschilder, bei den Franzosen Michel Platini, Alain Giresse, Marius Tresor. Das Spiel gewannen die Deutschen nach dramatischem Elfmeterschießen. Dafür musste das Team des Trainers Jupp Derwall in der Verlängerung einen 1:3-Rückstand aufholen. Durch Rummenigge und Fischer glückte es.

In dem Film erzählen Paul Breitner, Pierre Littbarski, Uli Stielicke und Toni Schumacher rückblickend von dem Spiel. Auf französischer Seite wurden Giresse und Tresor befragt. Besonders eine Szene bleibt in Erinnerung. Patrick Battiston lief zentral auf das Tor der Deutschen zu. Torwart Schumacher stürmte ihm entgegen, Battiston konnte den Ball an dem Keeper vorbeilegen, die Kollision mit ihm jedoch nicht verhindern. Es folgten schlimme Minuten. Battiston lag ohnmächtig auf dem Feld, sein Körper zuckte. Ein Halswirbel war angebrochen, er hatte einige Zähne verloren und eine Gehirnerschütterung. Schumacher spielte derweil mit dem Ball wie ein kleiner Junge, als wäre nichts gewesen.

Von den Interview-Partner wird die Szene mit geschlossenen Augen rekonstruiert. Für Tresor war die Handlung Schumachers ein „Attentat“. Auch Giresse rügt den brutalen Akt. Schumacher erzählt erstmals von Depressionen, die er danach gehabt habe. Er wurde massiv angegriffen, als „Nazi-Schwein“ und „Verbrecher“ tituliert. Battiston konnte seine Karriere fortsetzen. Im Film ist zu sehen, wie sich Schumacher und Battiston die Hand geben, so wie später Helmut Kohl und Francois Mitterand. Eine versöhnliche Geste eines unvergessenen Spiels.

„Sevilla 1982 – Ein Jahrhundertspiel“ , Samstag, 14. Dezember um 3 Uhr , ZDF. Bis 31. Dezember in der ZDF-Mediathek.

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