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Freimut Duve, hier 2015.
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Freimut Duve, hier 2015.

Nachruf

Zum Tod von Freimut Duve: Substanzielles anstelle von Reichweiten

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Im Alter von 83 Jahren ist der Publizist Freimut Duve gestorben.

Wir haben“, sagte Freimut Duve einmal über die lange von ihm redaktionell betreute Sachbuchreihe rororo-aktuell, „in 20 Jahren die Auflage erreicht, die die Bild-Zeitung in zwei Tagen hat.“ Das war natürlich als Ausdruck eines koketten Understatements zu verstehen. In dem linken Kulturmilieu, das der Publizist und spätere Politiker Freimut Duve stolz repräsentierte, litt man sehr darunter, stets im Schatten der Reichweitenmillionäre des Springer-Verlags zu agieren. Die publizistische Übermacht der Zeitungen aus der Berliner Kochstraße war eine stets gegenwärtige Antriebsfeder für die politische Ausrichtung der Studentenbewegung, aus der heraus sich der ambitionierte Gedanke einer erst noch zu entwickelnden Gegenöffentlichkeit rasch formierte.

Bereits zu Beginn der sechziger Jahre war der Rowohlt Verlag mit der Reihe rororo-aktuell explizit angetreten, der boulevardesken Meinungsbildung etwas Substanzielles entgegenzusetzen. Erster Herausgeber der Reihe, die, wie der Name schon verriet, ein schnelles politisches Eingreifmedium im preiswerten Buchsegment sein wollte, war der Schriftsteller Martin Walser, auf den bald der Journalist Fritz J. Raddatz folgte.

„Rebellion der Studenten“

Zwei Jahre, bevor Freimut Duve 1970 die Redaktionsleitung übernahm, war 1968 der von Rudi Dutschke, Bernd Rabehl und anderen herausgegebene Titel „Rebellion der Studenten“ erschienen, der immerhin eine Auflage von mehr als 170 000 Exemplaren erzielt hatte. Für den Bereich des politischen Buches war das ein veritabler Bestseller, an den Duve mit vielen Titeln anknüpfte, obwohl es doch fast immer um wenig Unterhaltung versprechende Themen ging. Folter, die Ausbeutung der Dritten Welt, die Machenschaften der Rüstungsindustrie und Umweltzerstörungen standen auf dem Plan, den Duve und seine Kollegen mit immer neuen Bänden bedienten.

Vater des 1936 in Würzburg geborenen Freimut Duve war Bruno Herzl, Großneffe von Theodor Herzl, dem Begründer des politischen Zionismus. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erhielten Hildegard Duve und ihr Sohn Freimut die Nachricht, dass die väterliche Familie in Osijek von der kroatischen Terrororganisation Ustascha getötet worden war.

Duve, der in Hamburg aufwuchs, wollte zunächst Schauspieler werden und arbeitete vorübergehend als Regieassistent am Hamburger Theater im Zimmer, ehe er sich für ein Studium in Geschichte, Anglistik und Soziologie entschied. Sein Wille, publizistisch tätig zu werden, wurde zu Beginn der sechziger Jahre massiv durch einen Aufenthalt in Südafrika und Rhodesien beeinflusst, aus dem er das spätere Profil der Bände von rororo-aktuell wohl auch aus eigener Anschauung gewann.

Linker Kommunikator

In den achtziger Jahren war Freimut Duve ein verlässlicher Kommunikator für linke Kulturprojekte, immer im Einsatz für die Anerkennung der Menschenrechte in den verschiedenen Ländern der Welt. 18 Jahre lang, von 1980 bis 1998 hatte er für die SPD ein Mandat im Deutschen Bundestag inne, anschließend war er in Wien fünf Jahre lang OSZE-Beauftragter für die Freiheit der Medien. Am Dienstag ist Freimut Duve im Alter von 83 Jahren nach langer Krankheit in Hamburg gestorben.

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