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Die Dichterin Amanda Gorman.
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Die Dichterin Amanda Gorman.

Sprache

„Frankfurter Debatte über die Sprache“: Antworten auf eine Machtfrage

  • VonAndrea Pollmeier
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Offene Türen und vermiedene Diskussionen: Eine hochaktuelle „Frankfurter Debatte“ über das Verstehen, Übersetzen, Aneignen.

Noch immer nagt die Diskussion um die Übersetzung der Lyrikerin Amanda Gorman am Selbstbewusstsein derer, die sich auf dem Höhepunkt der Debatte in ihrer Würde angegriffen fühlten. Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung hat nun, etwa ein Jahr danach, die Diskussion zum Anlass genommen, um erneut über dadurch wachgerufene Fragen zu sprechen.

Im ersten Podium der „Frankfurter Debatte über die Sprache“ in der Evangelischen Akademie am Römerberg ging es um Wege, wie inmitten von maximaler Diversität noch ein gemeinsamer Austausch möglich ist. Gibt es einen Kipppunkt, an dem Gemeinschaft zerfällt?

Diversität und Gemeinschaft seien vereinbar, meint Soziologe Heinz Bude. Möglich sei dies vor allem durch Begegnungen, die im Alltäglichen entstehen. Beispielhaft erinnert er sich an eine Begegnung mit der in Iowa (USA) geborenen Schriftstellerin Ann Cotten. Erst, als man über „das Gemeinsame, das uns alltäglich berührt“, gesprochen habe, sei ein Austausch möglich geworden.

Wie aber wird Gemeinsames spürbar, wenn schon der erste Blick Trennendes markiert? Thomas Thiel, in der FAZ verantwortlich für den Bereich Wissenschaft und Forschung, kann zunächst nicht nachvollziehen, warum es zwischen Hautfarbe und Verstehen einen Zusammenhang geben soll. Eine Person sei dadurch doch nicht ausreichend charakterisiert, da ganz unterschiedliche Charakteristika eines Menschen in unterschiedlichen sozialen Kontexten relevant seien.

„Sie rennen offene Türen ein“, entgegnet Esther Kinsky, Schriftstellerin und Übersetzerin. Natürlich gehöre man zu vielen Gruppen, dürfe nicht ausschließlich als Schwarz oder Weiß gesehen werden. Das Problem sei jedoch, das „schwarz gelesene“ Personen permanent in diese reduzierte Kategorie gedrängt würden. Daraus sei eine sie einende Leidensgeschichte entstanden.

Thiel hakt nach, fragt, ob dies die Konsequenz haben dürfe, dass eine Gruppen nur über sich selbst sprechen dürfe. Diese Forderung nach ausschließlicher Selbstrepräsentierbarkeit führe zu Unsicherheit darüber, was von Außenstehenden noch gesagt werden dürfe, was verletzend wirke und was nicht.

Fragen der Hermeneutik, die einst altmodisch wirkten, rücken heute, so die Literaturwissenschaftlerin Nikola Roßbach, wieder in den Vordergrund. Denn es gehe nicht mehr nur um Inhalte, sondern auch um die Frage „Wer spricht?“. Diese Frage sei eng mit der Frage verbunden: Wer besitzt die Macht, zu sprechen und Inhalte zu verbreiten?

Der Sprachwissenschaftler Andreas Gardt, Moderator dieses Gesprächs, führt nun das Beispiel der Künstlerin Dana Schutz an, die wegen ihres Gemäldes „Open Casket“ von einer Schwarzen Aktivistin kritisiert worden ist – sie habe sich das ikonische Foto eines gelynchten Schwarzen Jungen in ihrem Gemälde unangemessen angeeignet. „Kann das Interpretieren eines Fotos Ausbeutung sein?“, fragt Gardt?

Roßbach lenkt als Antwort den Blick erneut auf die Frage, wer über die Macht der Deutungshoheit verfügt. Zwar sei die Kunstfreiheit festgeschrieben, doch müsse man bereit sein, die Debatte, die von einem Werk ausgelöst werde, ebenfalls zu hören. Diese sei als Teil des Kunstwerks zu betrachten, was sich in künftigen Präsentationen auch niederschlagen werde.

Der Satz „Ich darf alles sagen“ sei dennoch nicht angemessen. „Man muss wissen, dass die Aufklärung auf hegemonialen Strukturen beruht“, erklärt die Wissenschaftlerin. „Ich habe gelernt, dass ich die Forderung, als Weiße alles sagen zu dürfen, für mich nicht so beanspruche.“

Das Hinhören und Verstehen waren auch die zentralen Themen des zweiten Podiums, in dem es um Vermittlung und Aneignung fremder Identität beim Übersetzen ging. Leider spiegelte dieses von der Übersetzerin Elisabeth Edl moderierte Podium nicht den Diskussionsstand über postkoloniale Herausforderungen wider, der sich inzwischen unter Übersetzerinnen und Übersetzern entwickelt hat. So lehnt beispielsweise Daniel Göske – Übersetzer von Joseph Conrads Roman „Herz der Finsternis“, einem der Schlüsselwerke der Kolonialzeit – es unwidersprochen ab, als Übersetzer für die verwendete Sprache Verantwortung zu tragen und mit nach kreativen Lösungen für eine zeitgemäße sprachliche Übertragung zu suchen.

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