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Großveranstaltungen

Frankfurt: Türkische Hochzeiten wegen Corona abgesagt

  • Helen Schindler
    vonHelen Schindler
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Veranstalter von türkischen Hochzeiten leiden in der Corona-Krise. Unter den aktuell geltenden Auflagen kommt Feiern nicht in Frage, sagt die Interessengemeinschaft Hochzeitssäle im Rhein-Main-Gebiet und fordert Lockerungen.

  • Durch die Corona-Pandemie haben türkische Hochzeitsveranstalter in Frankfurt keine finanziellen Mittel mehr zur Verfügung
  • Die Auflagen machen eine Hochzeit im gewöhnlichen Umfang unmöglich
  • Manche Paare trennen sich sogar wieder, weil die Hochzeit nicht wie geplant stattfinden kann

Die Leute sind verzweifelt“, sagt Celal Akbulut, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Hochzeitssäle im Rhein-Main-Gebiet. In dem nicht eingetragenen Verein haben sich 14 türkische hiesige Hochzeitsveranstalter zusammengetan. Insgesamt gebe es 30 solcher Veranstalter im Rhein-Main-Gebiet. Seit knapp drei Monaten hat in keinem ihrer Säle eine Hochzeit stattgefunden, sagt Akbulut. Und eine Änderung sei nicht in Sicht. Die aktuelle Situation sei für viele existenzbedrohend.

Finanzielle Mittel der Hochzeitsveranstalter aus Frankfurt sind aufgebraucht

Davon kann Aygül Colak ein Lied singen. Sie ist die Inhaberin von Saray Turkuaz, einer 900 Quadratmeter großen Eventlocation in Griesheim, in der hauptsächlich türkische Hochzeiten gefeiert werden. Normalerweise veranstaltet sie im Durchschnitt dreieinhalb Events pro Woche – seit dem 9. März ist aufgrund der Corona-Epidemie geschlossen. „Die Situation ist für mich ganz, ganz schlimm“, sagt sie. Die einmalige Soforthilfe in Höhe von 10 000 Euro sei längst aufgebraucht und weitere Hilfe nicht in Sicht. Jetzt seien ihre finanziellen Mittel, auch die privaten, aufgebraucht.

Wie sie ihre nächste Monatsmiete – immerhin 14 000 Euro – bezahlen soll, weiß Colak nicht. „Ich überlege, ob ich den Saal komplett schließen muss“, sagt sie. „Wenn wir nicht im Juni öffnen können, ist es vorbei, dann können wir nicht mehr überleben.“

Frankfurt: Normalerweise Hochzeiten mit bis zu 500 Gästen

Unter Auflagen dürfen Veranstaltungen mit bis zu 100 Personen zwar wieder stattfinden. Das sei aber für türkische Hochzeiten nicht praktikabel, zumal Servicekräfte, Musiker et cetera bei diesen 100 Personen mitgerechnet werden müssten, sagen Akbulut und Colak übereinstimmend. „Und allein mit Cousins und Cousinen kommen die meisten türkischen Familien schon auf 70 Leute“, sagt Colak.

In ihren Räumlichkeiten finden normalerweise Feiern mit bis zu 500 Gästen statt. Die Beschränkung müsse gelockert werden, finden Akbulut und Colak. Und Akbulut sagt: „Natürlich legen wir großen Wert auf Social distancing, aber Tanzen muss sein. Ohne geht es nicht.“

Lediglich zehn Prozent ihrer Kunden hätten ihre Hochzeit verschoben, erzählt Colak, die allermeisten sagten schlichtweg ab. „Ich habe aktuell keinen einzigen Auftrag, und es gibt auch keine Aussicht auf Neukunden.“ Einige Paare verlegten die Feier in den privaten Garten, einigen wenigen genügte auch die standesamtliche Trauung.

Frankfurter Hochzeitsveranstalterin Colak: manche Paare trennen sich nun sogar wieder

Doch das sei die absolute Ausnahme: Für traditionelle türkische Familien ist die Hochzeitsfeier ein extrem wichtiger Faktor. Erst danach dürfen Braut und Bräutigam zusammenziehen. Aygül Colak berichtet von drei Paaren, die sich nun getrennt hätten, weil die Hochzeitsfeier nicht wie geplant stattfinden konnte.

Insbesondere für die Bräute sei das eine schwierige Situation. „Wenn die Hochzeit nicht stattfinden kann, bedeutet das für manche, dass es einen Fehler bei der Frau geben muss“, berichtet Colak. Es breche ihr das Herz, die weinenden Bräute zu sehen.

Celal Akbulut fordert ein staatliches Konzept, das klarstellt, wie es für seine Branche weitergehen kann. Die Maskenpflicht sei kein Problem, auch würde dafür gesorgt werden, dass es keine Buffets gebe, sondern das Essen am Tisch serviert werde. Desinfektionsmittel könne man bereitstellen, Klimaanlagen ausschalten. Dadurch könne man die Hochzeiten so gestalten, dass es keine Gefahrenpunkte gebe, findet Akbulut. Doch derzeit sei die Planungsunsicherheit eines der größten Probleme. Denn für abgesagte Hochzeiten könne man momentan keine Nachholtermine festlegen. Akbulut sagt: „Wir wollen wissen, wann es wieder weitergehen kann.“

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