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Gideon Greif soll von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für seine Holocaust-Forschung geehrt werden. (Archivbild)
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Gideon Greif soll von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für seine Holocaust-Forschung geehrt werden. (Archivbild)

Gideon Greif

Ehrung von Holocaust-Forscher sorgt für Empörung

  • VonAdelheid Wölfl
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Bundespräsident Steinmeier ehrt den israelischen Historiker Gideon Greif für seine Auschwitz-Forschung. Das sorgt an anderer Stelle jedoch für starke Kritik.

Frankfurt – Der israelische Historiker Gideon Greif, der die sogenannte Unabhängige Internationale Kommission zur Erforschung des Leidens der Völker in der Region Srebrenica leitete, wird in Kürze vom deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Greif wird von Steinmeier wegen seiner Verdienste um die Holocaustforschung geehrt. In Bosnien-Herzegowina sind Angehörige der Opfer des Genozids von Srebrenica über die Würdigung Greifs empört.

Denn die Greif-Kommission, die von der autokratisch geführten Republik Srpska, einem der beiden Landesteile von Bosnien-Herzegowina, eingesetzt wurde, behauptete fälschlicherweise, dass in Srebrenica während des Bosnienkriegs 3500 Bosniaken und 2000 Serben getötet worden seien.

Bundespräsident Steinmeier ehrt Gideon Greif für Holocaust-Forschung: Kritik aus Bosnien-Herzegowina

Tatsächlich wurden allein im Juli 1995 im Raum rund um Srebrenica mehr als 8000 Menschen mit muslimischen Namen (Bosniaken) – vorwiegend, aber nicht nur, Männer und Jungen – von bosnisch-serbischen Milizen unter dem Kommando des damaligen Generals Ratko Mladic ermordet. Ziel dieser ethnischen Säuberungen, die bereits im Jahr 1992 begannen, war, dass im Drina-Tal nurmehr Menschen mit serbisch-orthodoxen Namen leben sollten, um das Gebiet später an ein Großserbien anzugliedern.

Das Internationale Jugoslawien-Tribunal hat in zahlreichen Urteilen die Verbrechen im Juli 1995 gegen Menschen mit muslimischen Namen als Völkermord gewertet. Nationalisten, die noch immer die alten Kriegsziele verfolgen, versuchen seit vielen Jahren, das Ausmaß der Verbrechen zu verharmlosen und die Kriegsverbrecher zu glorifizieren.

Angehörige gedenken der Opfer des Völkermords von Srebrenica in der Stadt Potocari in Bosnien-Herzegowina.

Bosnien-Herzegowina: Gesetz stellt Leugnung und Verharmlosung von Kriegsverbrechen unter Strafe

Aus diesem Grund hat der frühere Hohe Repräsentant der Internationalen Gemeinschaft, Valentin Inzko, in diesem Jahr ein Gesetz erlassen, das die Leugnung und Verharmlosung von Kriegsverbrechen unter Strafe stellt. Dabei geht es um alle Kriegsverbrechen – egal, von wem sie begangen wurden.

Seit der Einführung des Gesetzes ist das Ausmaß der Leugnung von Kriegsverbrechen und die Verherrlichung von Kriegsverbrechen in Bosnien-Herzegowina zurückgegangen.

Kritik an Greif-Kommission – „entsetzt über die schamlose Manipulation der Wahrheit“

Der stellvertretende Geschäftsführer des Jüdischen Weltkongresses, Menachem Z. Rosensaft, kritisierte die Greif-Kommission im vergangenen Sommer scharf und nannte deren Bericht „peinlich“. Rosensaft wies darauf hin, dass die „selbst ernannte“ Untersuchungskommission auf Initiative eines „separatistischen, den Völkermord leugnenden Führers der bosnischen Serben“ eingesetzt worden sei und bezog sich dabei auf das serbische Mitglied des bosnischen Staatspräsidiums, Milorad Dodik.

„Als Sohn zweier Überlebender von Auschwitz und Bergen-Belsen, die sich zutiefst dafür eingesetzt haben, Beweise für die Verbrechen, die während des Holocaust gegen das europäische Judentum verübt wurden, an zukünftige Generationen weiterzugeben, bin ich besonders entsetzt über die schamlose Manipulation der Wahrheit durch den Bericht.

Gideon GreifHistoriker, Holocaust-Forscher
Geboren:16. März 1951 (Alter 70 Jahre), Tel Aviv, Israel
Ausbildung: Universität Tel Aviv und Universität Wien

Kritik aus Bosnien-Herzegowina an Gideon Greifs Holocaust-Forschung

Es ist ein Dokument, das es verdient, auf den Mülleimer der Geschichte geworfen zu werden, das nur verwendet wird, um das moralische Versagen von Individuen zu demonstrieren – den sprichwörtlichen ,nützlichen Idioten‘ –, die Völkermord leugnen und verzerren“, schrieb Rosensaft.

Dodik, der in den vergangenen Wochen so extrem wie noch nie damit drohte, die Republika Srpska abzuspalten und damit das alte Kriegsziel eines Großserbiens zu erreichen, versucht, die Verbrechen gegen Menschen mit muslimischen oder katholischen Namen in Bosnien-Herzegowina seit Jahren zu verharmlosen, um für die Republika Srpska mehr Legitimität zu schaffen.

Nobelpreis für Peter Handke sorgte für große Empörung in Bosnien-Herzegowina

So wurde von diesen Revisionisten wie Dodik immer wieder behauptet, dass der Völkermord in Srebrenica eine Folge von Angriffen seitens der Armee von Bosnien-Herzegowina gewesen sei. Dieser kruden These folgte auch der österreichische Schriftsteller Peter Handke, der von einem „Rachemassaker“ sprach.

Der Nobelpreis für Peter Handke im Jahr 2019, einem Autor, der sich bis zuletzt auf die Seite der extremen Nationalisten in Serbien und in Bosnien-Herzegowina stellte, der die Opfer der Verbrechen in seinen Texten verhöhnte und sich von radikalen rassistischen Nationalisten belobigen ließ, hat die Angehörigen der Opfer in Bosnien-Herzegowina zutiefst verletzt.

Angesichts des Versuchs von Dodik, den bosnischen Staat zu zerstören und der mangelnden Hilfe der internationalen Gemeinschaft in dieser Frage fühlen sich viele Bosnier in diesen Tagen wieder einmal von Europa verlassen. (Adelheid Wölfl)

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