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„Driving Home For Christmas“ – Mann im Stau

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Von: Thomas Stillbauer

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Chris Rea, damals.
Chris Rea, damals. © imago images/United Archives

Chris Rea fährt nach Hause, 1978.

Ein Mann, ein Auto, ein Stau und eine Mischung aus Stress und wohlig-guter Laune. Das sind die Umstände, unter denen der noch nicht sonderlich erfolgreiche Musiker Chris Rea 1978 nach Hause fährt. Nein, das sind nicht genau die Umstände, aber dazu später.

Der Mann fährt heim und singt. Es ist bald Weihnachten. Er weiß, die Fahrt wird noch dauern, er steckt „von Kopf bis Fuß“ im Verkehrschaos, weil alle zu Weihnachten nach Hause wollen. Erfahrene Zu-Weihnachten-nach-Hause-Fahrerinnen-und-Fahrer empfehlen dafür den Nachmittag des Heiligabends, dann sind die Autobahnen vergleichsweise leer.

Chris Rea jedoch befindet sich kurz vor Weihnachten in einer Februarsituation. Der Februar ist für die Fans der Vorfreude der schönste Monat, noch ist es eklig, aber sehr bald schön. Genau wie auf der Heimfahrt Richtung Weihnachten, wenn Stau ist, was offenbar auf die Strecke zwischen London und Middlesbrough zutrifft.

Dort fährt Chris Rea 1978, wie er der Popwissenschaft verriet. Neben ihm in den anderen Autos: viele weitere Menschen, die zu Weihnachten nach Hause wollen. Noch näher neben ihm: Chris Reas Frau Joan. Also nichts von wegen „So I sing for you/Though you can’t hear me“ – sehr wohl kann sie ihn hören, während er einen Weihnachtssong ersinnt. Joan hat ihn vom Flughafen abgeholt. Das macht die Szene eigentlich noch schöner. Chris und seine Liebste und die Vorfreude, alle zusammen im Auto. Noch ist niemand ein Star. Nicht nur das Fest liegt vor ihnen, auch die Zukunft mit all den Menschen, die die rauchige Stimme mögen.

Veröffentlicht wird das Lied erst acht Jahre später, ein Hit wird es noch viel später. Auf Spotify ist es inzwischen mehr als 400 Millionen Mal gelaufen. Auf Youtube gibt es zum Heimfahrhit ein Video mit einer einsamen Schneefahrt. Auch geschwindelt. Aber auch schön.

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