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Trump vs. Twitter

Donald Trump auf Twitter, Facebook & Co.: Wo sind die Geister, die er rief?

  • Valerie Eiseler
    vonValerie Eiseler
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Twitter hat erstmals ein Staatsoberhaupt blockiert. Ein Überblick über den Boykott der Sozialen Medien, was es mit Parler auf sich hat und wo Trump jetzt seine Lügen teilen kann.

Washington D.C. - „Geht nach Hause. Wir lieben euch. Ihr seid etwas ganz Besonderes.“ Mit diesen Worten wendet sich US-Präsident Trump am 6. Januar in einer Videobotschaft an den Mob im Kapitol. Rund eine Stunde später wird das Video auf Twitter, Facebook und Youtube gelöscht. Es folgt eine Sperrung von Donald Trumps Twitter-Account: zwölf Stunden. Von seinen Facebook- und Instagram Accounts: 24 Stunden.

Ein resolutes Vorgehen der Social-Media-Riesen, die dem US-Präsidenten Donald Trump in den vergangenen Jahren weitgehend freie Hand gelassen haben. Facebook geht noch weiter: Die Sperrung des Präsidenten Trump soll unbegrenzt fortgesetzt werden, da das Risiko während der Machtübergabe zu hoch sei, heißt es in einer Mitteilung von CEO Mark Zuckerberg. Auf Twitter bekommt Donald Trump für kurze Zeit sein Megaphon zurück, hetzt die Meute weiter auf und kündigt an, an der Amtseinführung seines Nachfolgers Joe Biden nicht teilzunehmen. Es ist sein letzter Tweet. Mehr als 56 000 Tweets voller gefährlicher Lügen, rassistischer Hetze, Beleidigungen und Attacken finden vorerst ihr Ende.

Donald Trump und Tech-Firmen: Nach Sperrung auf Facebook und Twitter zogen andere nach

Nach Facebook und Twitter zogen kleinere Plattformen nach: Tiktok, Twitch, Discord, Snapchat, Reddit und viele weitere sperren die Accounts von Donald Trump und seiner Gefolgschaft. Diese kollektive Sperrung einer Person nennt sich Deplatforming – einer Person wörtlich ihre Plattform nehmen – und ist das letzte Mittel, um bei wiederholten Verstößen gegen die Plattformrichtlinien durchzugreifen.

Allgemein bekannt wurde Deplatforming, als der extrem rechte US-Radiomoderator und Verschwörungserzähler Alex Jones mitsamt seinem Kanal „InfoWars“ gleichzeitig von Youtube, Spotify, Apple und Facebook gesperrt wurde. Im Fall Jones wurde die Methode zumindest als Teilerfolg gewertet, da Jones tatsächlich viel Publikum verlor. Während es Sorgen gibt, dass solche Schritte den Einfluss extrem rechter Figuren auf ihre Gefolgsleute nur stärken, deuten erste Recherchen etwa der Organisation „Data & Society“ darauf hin, dass Deplatforming bisher den erwünschten Effekt erzielt: weniger Aufmerksamkeit. Studien zu der langfristigen Wirksamkeit gibt es allerdings nicht, und die Methode bleibt umstritten.

Twitter und Facebook verlieren durch die Sperrung vor allem gewinnbringenden „Traffic“. Denn mit dem Durchgreifen der Konzerne fand binnen weniger Tage ein regelrechter Auszug der extremen Rechten hin zu weniger regulierten Netzwerken statt.

Parler wollte Twitter und Facebook nach Donald Trumps Sperre den Rang ablaufen

Kurz sah es so aus, als würde die App Parler die Gunst der Stunde nutzen und Twitter den Rang ablaufen. Das Netzwerk wurde von Breitbart-Investorin und Trump-Unterstützerin Rebekah Mercer mitfinanziert, von Prominenten wie Trumps Söhnen Donald Trump Jr. und Eric Trump und dem Republikaner Ted Cruz genutzt und war daher die naheliegendste Anlaufstelle für die rechtsextreme Anhängerschaft des US-Präsidenten Donald Trump.

In den Download-Charts war die App, die sich als Twitter ohne Regeln vermarktete, in kürzester Zeit auf Platz eins. Nach Angaben des Parler-CEOs John Matze gab es binnen weniger Stunden einen Zustrom von rund drei Millionen Nutzerinnen und Nutzern, die vorübergehend einen Server lahmlegten. Im Netz zirkulierende Screenshots zeigen, wie Drohungen, Gewaltaufrufe und Hetze binnen kurzer Zeit zahlreicher werden. Parler war demnach Teil der Infrastruktur, auf welcher der Sturm auf das Kapitol schon seit Wochen geplant wurde.

Donald Trump und die sozialen Netzwerke: Parler sei nicht neutral und halte sich nicht an Gesetze

Matze äußerte sich noch am Donnerstag im „New York Times“-Podcast „Sway“ ohne Reue: „Ich fühle mich für nichts davon verantwortlich und das sollte auch die Plattform nicht.“ Parler sei neutral und halte sich an die Gesetze.

Doch die mangelnde Kontrolle, die Parler für Rechtsextreme attraktiv machte, wurde dem Netzwerk nur Stunden später zum Verhängnis. Am vergangenen Freitag forderte der Konzern Apple das Unternehmen auf, die Moderation der Inhalte innerhalb von 24 Stunden zu verstärken – entgegen Parlers Geschäftsmodell. Wenige Stunden nach Apple ging Google einen Schritt weiter und entfernte die App Parler aus dem Play Store. Einen Tag später zog Apple nach und löschte die App aus dem Store. Am Samstag wurde Parler schließlich vollständig außer Gefecht gesetzt, als Amazon dem Konzern die Nutzung der Cloud-Server von Amazon Web Services verweigerte und der Dienst damit offline war.

Meist, so heißt es, twitterte US-Präsident Trump nachts aus seinem Schlafzimmer.

Kritik an Twitter & Co: Zerschlagung von Parler auch bedenklich - Kommunikationswege für Whistleblower

Kurz vorher soll angeblich eine Gruppe von Internetaktivistinnen und -aktivisten die Plattform gehackt und sämtliche Inhalte heruntergeladen haben – darunter Nutzerinformationen und gelöschte Beiträge rund um den 6. Januar. Die geleakten Informationen wurden bislang noch nicht verifiziert. Das Unternehmen hat unterdessen angekündigt, Amazon zu verklagen, doch bis auf Weiteres wird Parler wohl offline bleiben.

Weltweit wird in Kommentaren nun die Marktmacht der Tech-Unternehmen kritisiert. Angesichts der bestehenden Profile von extrem rechten Staatsoberhäuptern wie Narendra Modi oder Rodrigo Duterte sei der Schlag gegen Donald Trump fragwürdig. Auch die Zerschlagung von Parler sei bedenklich, da alternative Netzwerke und verschlüsselte Kommunikationswege für Whistleblower und politisch Verfolgte notwendig seien. „Was das Deplatforming angeht, steht es Demokratien nicht gut zu Gesicht, dass eine kleine Gruppe von Unternehmenschefs Entscheidungen solcher Tragweite trifft. Selbst, wenn das Ergebnis richtig ist für die Demokratie“, kommentierte etwa Markus Reuter von netzpolitik.org.

Nach Trumps Sperrung auf Twitter: Trump-Fans suchen sich andere Plattformen

Ein Gewinner ist hingegen der Anbieter Gab. Mehr als 600 000 neue Accounts soll Gab laut Geschäftsführer Andrew Tobra kurze Zeit nach Trumps Twitter-Exit verzeichnet habe. Während der Ereignisse am 6. Januar soll der Traffic hier um rund 40 Prozent in die Höhe gesprungen sein. Inzwischen finden sich auf der Startseite des Sozialen Netzwerks fast ausschließlich extrem rechte und rechtskonservative Beiträge und Memes. Wie Parler positioniert sich auch Gab gegen „Zensur“ und eine Moderation von Inhalten. Hass, Gewalt und Hetze, aber auch falsche Informationen und illegal erstellte Nacktbilder können dort frei zirkulieren.

Ebenfalls profitieren konnte die Live-Streaming Plattform Dlive. Wie die „New York Times“ berichtete, teilten mindestens neun Menschen Live-Videos vom Sturm auf das Kapitol, die wiederum mehrere tausend Zuschauerinnen und Zuschauer anzogen. Wer streamte, verdiente während der Randale augenscheinlich sogar Geld. Das Publikum soll einem Streamer über Dlive rund 2000 Dollar überwiesen haben. Inzwischen hat das Unternehmen angekündigt, Accounts mit Verbindungen zu den Ausschreitungen zu löschen.

Donald Trump nach Twitter-Sperrung: Welche Plattform wird er nun zu seinem Sprachrohr machen?

Die Frage bleibt, ob Donald Trump seiner Anhängerschaft folgen wird und eine neue Plattform zu seinem Sprachrohr kürt. In einer Mitteilung aus dem Weißen Haus heißt es, er sei in Gesprächen mit diversen Medien. Teammitglieder des US-Präsidenten Donald Trump nutzen inzwischen Gab sowie den spärlich moderierten Dienst MeWe, um Mitteilungen zu verbreiten.

Das Umfeld des Präsidenten Donald Trump ruft indes zur Nutzung des direkten Trump-Newsletters auf. Seit Jahren baut Trumps Kampagnenteam eine eigene Kommunikationsinfrastruktur auf, die nun auch nach dem Ende seiner Amtszeit eine Rolle spielen könnte. Auch ein eigener Fernsehsender wäre nicht ausgeschlossen. Eins ist sicher: Der oberste Schreihals wird sich den Mund nicht verbieten lassen. (Valerie Eiseler) Donald Trump will TV-Rede halten – Fox News schaltet unerwartet zu anderem Interview

Rubriklistenbild: © AFP

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