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Interview

John Bolton: „Donald Trump hat eine Bombe gezündet, die ihn nun selbst zerstören wird“

  • vonMichael Hesse
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John Bolton, einst Sicherheitsberater Donald Trumps, spricht über einen gescheiterten Präsidenten, der keine Grenzen kennt.

  • John Bolton hält im FR-Interview mit seiner Meinung über Donald Trump nicht hinterm Berg.
  • Warum Trumps früherer Sicherheitsberater kein Freund eines zweiten Impeachment-Verfahrens ist.
  • Trump-News: Alle Neuigkeiten zum scheidenden US-Präsidenten auf unserer Themenseite.

Mr. Bolton, Sie kennen Donald Trump als Nationaler Sicherheitsberater aus nächster Nähe, hätten Sie es jemals für möglich gehalten, dass er irgendwann einen Mob dazu bringen würde, das Kapitol in Washington zu stürmen?

Niemals. Spätestens jetzt ist klar, dass Donald Trump überhaupt keine Grenzen kennt. Er agiert jenseits der Norm von 44 Präsidenten vor ihm.

John Bolton: Donald Trump hat den Mob beim Sturm aufs Kapitol gesteuert

Trump hat diesen Mob selbst gesteuert?

Ja, absolut. Für jede Minute, die er sich auf diese Weise glaubte, verschaffen zu können, nahm er alles in Kauf. Nicht dass ich ihm irgendeine Strategie oder einen Plan unterstellen würde. Er ist niemand, der in strategischen Begriffen denkt. Eine Strategie hält bei ihm maximal drei Stunden, keine Minute länger.

Wie werden sich die Ereignisse auf seine politische Glaubwürdigkeit auswirken?

Donald Trump verabschiedet sich aus dem Weißen Haus (Symbolbild).

Trump hat damit eine Bombe gezündet, die ihn nun selbst zerstören wird. Die tragischen Ereignisse vom 6. Januar werden den Rückgang der Unterstützung für ihn nun erheblich beschleunigen. Menschen im ganzen Land haben erkannt, wie entsetzlich er ist. Besonders nach dem 20. Januar, wenn er sein Amt an Joe Biden abtreten muss, wird er an Unterstützung schnell verlieren. Bis zu diesem Tag wird er im Oval Office sitzen, dem Büro des mächtigsten Politikers dieser Welt. Dann wird er am Swimmingpool von Mar-a-Lago sitzen müssen. Der Unterschied wird besonders für ihn enorm sein.

Glauben Sie, dass Trump registriert hat, dass er es zuletzt, bei der Aufforderung, ins Kapitol zu marschieren, übertrieben hat?

Möglich, dass er etwas registriert hat. Andererseits: Er hat in diesen Tagen bei seinem Besuch an der mexikanischen Grenze ja nicht einmal den Versuch unternommen, angemessene Worte für die Ereignisse vom 6. Januar zu finden. Das war ja schon nach seinem Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten Selenski so, durch welches das erste Impeachment-Verfahren gegen ihn ausgelöst wurde. Donald Trump hat aus seiner Sicht nie falsch gehandelt. Er ist überzeugt, dass er ein Gewinner und kein Loser ist, egal, wie groß oder klein die Sache ist, um die es geht. Davon weicht er niemals ab.

Bald nur noch ein alter weißer Mann beim Golfen? Donald Trump am Tag seiner Wahlniederlage.

Donald Trump will eine Welt erschaffen, wie sie ihm gefällt

Wie würde man Trump in diesen Tagen im Oval Office erleben?

Ich bin mir sicher, dass er sich alles im Fernsehen angesehen hat. Ich würde gerne mal eine Tabelle über seinen Fernsehkonsum in den vier Jahren im Weißen Haus sehen. Wenn im Weißen Haus Aufzeichnungen gemacht wurden, wovon ich ausgehe, wird man in ein paar Jahren lesen können, wie oft er TV geguckt hat. Donald Trump hat in den vier Jahren seiner Präsidentschaft so viel ferngesehen wie andere das über Jahrzehnte tun. Er wird im Oval Office jetzt gewiss dauernd darüber reden, dass die Wahl gestohlen sei und dass er auf keinen Fall des Amtes enthoben werden darf. Das wird niemals aufhören.

Wer hat noch Einfluss auf ihn?

Das sind nur ganz wenige Leute. Dazu zählt besonders seine Familie. Aber wissen Sie, will eine Welt erschaffen, wie sie ihm gefällt und andere zwingen, genau das zu leben. Ihm geht es ganz allein darum, Einfluss über andere Leute zu haben. Nur das ist ihm wichtig.

Zur Person:

John Bolton, geboren 1948, arbeitete bereits für Ronald Reagan und George Bush senior. 2005 wollte ihn George W. Bush zum UNO-Botschafter machen, scheiterte aber auch an seiner eigenen Partei und ernannte ihn dann per Dekret. Im April 2018 wurde Bolton Sicherheitsberater Trumps, im September 2019 von diesem zum Rücktritt aufgefordert. Über seine Zeit als Trump-Berater veröffentlichte er den Band „Der Raum, in dem alles geschah“.

john Bolton ist kein Freund des Impeachment-Verfahrens gegen Donald Trump

Welche Chancen räumen sie dem neuen, zweiten Amtsenthebungsverfahren ein?

Ich finde nicht, dass das eine kluge Sache ist. Es sollte jetzt nicht darum gehen, Donald Trump den größtmöglichen Schaden zuzufügen, sondern das Beste für das Land zu erreichen. Er hat nur noch Tage. Die enorme institutionelle Kraft Amerikas sollte man besser für andere Dinge nutzen als für rein symbolische Zwecke. Ich befürchte ohnehin, dass das Vorhaben reine Zeitverschwendung sein wird.

Wäre es trotzdem gut für die Regierung Joe Bidens?

Es würde die Biden-Regierung extrem belasten, wenn die Trump-Regierung in einer Verfassungskrise endete. Ein Verfahren gegen Trump im Senat wird die Schlagzeilen der Medien dominieren, statt dass sie berichten über die Politik, die Biden umzusetzen versucht. Der Fokus auf den neuen Präsidenten wäre nicht mehr gegeben. Nochmals: Die Sache, um die es geht, ist viel größer als Donald Trump. Ich will ihn wirklich nicht verteidigen und verstehe gut, dass die Leute wegen ihm wütend und traurig sind. Aber das Beste für Amerika, das ist nicht zwangsläufig eine Amtsenthebung von Donald Trump.

Warum nicht?

In einem Impeachment-Verfahren setzt wieder der alte Reflex ein: Die Medien lieben es, über Donald Trump zu berichten, und er liebt es, in den Schlagzeilen zu stehen. Das Beste wäre doch, dass man ihn von diesem 20. Januar an einfach vergisst. Das wäre für ihn viel schlimmer als irgendein Amtsenthebungsverfahren.

John Bolton: Donald Trump ist in der amerikanischen Politik unten durch

Wird die US-Politik unter Joe Biden wieder berechenbarer werden?

Biden wird die Politik der Obama-Regierung fortsetzen. Er steht für die traditionellen Positionen der Demokratischen Partei, die denen der Republikanischen Partei entgegengesetzt sind. Als Konservativer teile ich sie natürlich nicht. Aber die US-Politik wird wieder in gewissen Grenzen verlaufen, was mit Blick auf die Verbündeten der USA gut für unser Land sein wird.

Wenn Biden mit seiner Politik scheitert, wird Trump dann als noch größeres Monster ins Weiße Haus zurückkehren?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass Donald Trump 2024 nicht wieder als Präsidentschaftskandidat antreten wird. Er spielt mit dem Gedanken, weil dann über ihn geschrieben werden wird. Aber er ist in der amerikanischen Politik unten durch. Viele Politiker der Republikanischen Partei beraten jetzt, wie man einen Fehler wie mit Trump in Zukunft vermeiden kann. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Trump noch einmal Präsident wird. Und es gibt auch niemanden, der mit ihm vergleichbar wäre.

Wird das die Republikanische Partei überstehen oder gibt es bald ein Mehrparteiensystem wie in Europa?

Dieses Parteiensystem ist über 170 Jahre gewachsen. Ich sehe nicht, dass die beiden großen Parteien nun auf einmal verschwinden werden. Dennoch muss es in der Republikanischen Partei Reformen geben und es wird sie auch geben.

Interview: Michael Hesse

Rubriklistenbild: © Joyce Boghosian via www.imago-images.de

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