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Der Hammer der Suffragetten

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Von: Bascha Mika

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Die wohl bekannteste Suffragette: Emmeline Pankhurst die sich in einer Rede auf dem Londoner Trafalgar Square für das Frauenwahlrecht einsetzt.
Die wohl bekannteste Suffragette: Emmeline Pankhurst die sich in einer Rede auf dem Londoner Trafalgar Square für das Frauenwahlrecht einsetzt. © dpa/(Archivbild)

Was man für den Protest gebrauchen kann: einen Hammer. Jahrzehntelang demonstrierten britische Frauen friedlich für das Frauenwahlrecht, bis sie sich anderen Protestformen zuwandten.

Mit einem Hammer lassen sich nicht nur Nägel einschlagen – auch bei Schaufensterscheiben funktioniert das ganz prima. Selbst zarten Gliedmaßen liegt so ein Hammer gut in der Hand und lässt sich zudem problemlos in der Tasche verstauen. Beste Voraussetzungen also, um als Werkzeug des Widerstands zu taugen. Das hatten die britischen Suffragetten schnell erkannt und machten von diesem Instrument ausgiebig und erfolgreich Gebrauch.

Jahrzehntelang hatte die britische Frauenbewegung friedlich für das Wahlrecht der Frau gestritten. Erfolglos. 1903 gründete Emmeline Pankhurst dann die Women’s Social and Political Union (WSPU). „Taten, nicht Worte!“ war nun das Motto. Mit Lust schredderten Aktivistinnen die viktorianischen Weiblichkeitsnormen: Störten Versammlungen, besetzten öffentliche Plätze, ketteten sich vor Gebäuden an, brachten Frauen zu Tausenden auf die Straße und begleiteten ihre Aktionen mit hervorragendem Marketing.

Fünfzehn Jahre, bis zum Ersten Weltkrieg, kämpften die Stimmrechtsaktivistinnen mal mehr, mal weniger radikal gegen die „ignorant old boys“. Von Politik und Medien geschmäht, von Polizisten verprügelt, von Richtern verurteilt, vom Patriarchat hinter Gitter gesperrt.

Im März 1912 spazierten 150 Ladies durch die Londoner Innenstadt. Jede für sich, alle ausgerüstet mit einem Hammer und unbändiger Wut. Der Hammer gehört – in seiner stiellosen Variante, sprich Faustkeil – zu den ältesten Werkzeugen der Menschheit; da dieses Ding also eine steinzeitliche Erfindung ist, scheint es nur folgerichtig, dass Frauen es als Waffe gegen steinzeitliche Verhältnisse einsetzten. Durch Hämmer in weiblicher Hand gingen damals die Schaufenster zahlloser Geschäfte zu Bruch. Die WSPU hatte zur „window smashing campaign“ aufgerufen, ganze Straßenzüge wurden zum Glassplittermeer.

Ist Gewalt gegen Sachen ein legitimes Mittel im politischen Kampf? Die Suffragetten waren weder die erste und noch die letzte soziale Bewegung, die der Gesellschaft diese Frage aufzwang. Dabei würde ein Quentchen des radikalen Anspruchs der frühen Frauenrechtlerinnen auch dem heutigen Feminismus ganz gut tun. Und noch eine weitere Botschaft hat die Geschichte parat. Die Suffragetten haben keine Gewalt gegen Menschen angewandt, aber – nachdem der Männerbeton über Jahre so gar keine Risse zeigte – rückten sie ihm irgendwann mit Bomben und Feuer zu Leibe. Militanz ist nicht weit, wenn berechtigte Forderungen dauerhaft frustriert werden.

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