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Das Spinnrad von Ghandi

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Von: Arno Widmann

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Mohandas Karamchand Gandhi mit seinem Spinnrad.
Mohandas Karamchand Gandhi mit seinem Spinnrad. © imago/(Archivbild)

Gandhis Spinnrad hieß Charkha, der darauf gesponnene Stoff Khadi. So hieß dann auch die aus ihm hergestellte Kleidung. Seit den 20er Jahren propagierte Gandhi die Khadi-Mentalität. Mit Wort und Tat. Gandhi wusste, was eine Marke ist. Er scheute sich nicht, sich selbst zu einer zu machen.

„Stellen Sie sich die einigende und erzieherische Wirkung vor, wenn die ganze Nation gleichzeitig mit spinnen beschäftigt ist… Ich kann mir nichts Edleres und keine nationalere Tat vorstellen, als wenn jeder von uns eine Stunde am Tag das tut, was die Ärmsten tun müssen: den Stoff für ihre Kleidung selbst spinnen. Wir identifizieren uns dadurch mit ihnen und durch sie mit der Menschheit… Das Spinnrad ist das Symbol der nationalen Prosperität und darum auch der Freiheit. Es ist ein Symbol nicht des Handelskriegs, sondern des Handelsfriedens. Wenn die Menschen durchs Spinnen selbstständig geworden sind, dann sind sie auch in der Lage, dass wir mit ihnen über Freiheit und Unabhängigkeit reden können. Die, die ihnen Arbeit bringen und die Möglichkeit, ein Stück Brot zu verdienen, werden auch die sein, die sie den Hunger nach Freiheit verspüren lassen werden. Das ist der politische Wert des Spinnrads… Wenn diese Arbeit erfolgreich sein wird, wird das dazu führen, dass es keine importierte Kleidung mehr gibt und dass so der vergiftende Einfluß des Fremdkapitals auf Indien zurückgedrängt, wenn nicht gar gänzlich eliminiert wird. Das Khadi-Ideal haben wir immer als ein Mittel betrachtet, unsere Dörfer wieder auf eigene Beine zu stellen und so die Massen zu stärken – das wird Indien wirklich unabhängig machen.“

Das war Gandhi: Die nationale Befreiung Indiens von Großbritannien darf nicht als ein Kampf zwischen indischen und britischen Eliten geführt werden. Sie muss Teil einer sozialen Revolution sein, die auch die Ärmsten der Armen – inklusive der „Unberührbaren“ – in den Stand wenigstens einer elementaren Selbstständigkeit setzt und sie so zu Teilnehmern der Gesellschaft statt zu ihren Opfern macht. Nicht als Zukunftsversprechen, sondern als Möglichkeit, die jeder jeden Tag ergreifen kann.

Gandhi floh nicht vor der Auseinandersetzung in den Pazifismus. Er suchte die Auseinandersetzung, aber er suchte auch die Felder, auf denen nicht nur er, sondern jeder sie führen konnte. Nicht weil sie leicht, sondern weil sie richtig waren. „Satyagraha“ nannte er seinen Kampf mit einem von ihm selbst geprägten Begriff. Das wird gerne mit „Ergreifen der Wahrheit“, „Festhalten an der Wahrheit“ übersetzt.

Wenn wir den Begriff etwas herunterdimmen – was ihn schwächt und ihm seine so wesentliche religiöse Dimension nimmt -, könnten wir Kinder einer säkularen Welt sagen: „das Richtige tun“.

In loser Folge stellen wir Gegenstände vor, die für zivilen Ungehorsam stehen.

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