USA

Das Regime der Dummheit

  • Arno Widmann
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Susan Jacoby über die Politik der Unvernunft in den Vereinigten Staaten

Das Buch heißt „The Age of American Unreason“. Es schildert, mit welcher Selbstverständlichkeit die Bürger der USA sich in den letzten Jahren dafür entschieden, lieber einen zum Präsidenten zu wählen, mit dem man sich einbildete, gerne ein Bier zu trinken, als jemanden, dem man zutraute, die Weltlage zu analysieren und darauf gestützt vernünftige Entscheidungen zu treffen.

Als Präsident Roosevelt (1933-1945) in einer seiner berühmten Kaminreden versuchte, der Bevölkerung deutlich zu machen, wohin amerikanische Soldaten in den Krieg ziehen müssten, da riet er ihnen, einen Atlas zur Hand zu nehmen und auf ihm zu verfolgen, was er ihnen erklärte. Die Bürger taten das. Hunderttausende Atlanten wurden verkauft. Es war ihnen klar, dass man sich kundig machen musste, dass lernen und arbeiten gefragt waren.

Heute, so heißt es in dem Buch sei so etwas undenkbar. Politiker würden nicht im Traum daran denken, sich selbst schlau zu machen, um die Bevölkerung aufklären zu können. Der Anti-Intellektualismus habe in den USA längst so weit um sich gegriffen, dass Politiker der Auffassung anhingen, sie hätten nur eine Chance, wenn sie sich dümmer stellten, als sie wären. Bill Clinton habe nur so Präsident werden können. Für dessen Nachfolger George W. Bush sei das freilich kein Problem gewesen. Er sei wirklich ahnungslos und völlig desinteressiert am Weltgeschehen.

Das Buch erschien 2008. Die Autorin ist Susan Jacoby. Man liest es heute und denkt: Nichts hat sich geändert. Nein, nein, es ist alles noch schlimmer geworden. Donald Trump hat den völligen Mangel an allem, was nicht das eigene Interesse ist, zur Staatsdoktrin erklärt. Schon Präsident Bush, der Sohn eines Präsidenten, der sein halbes Kabinett mit Leuten füllte, die schon seinem Vater zur Hand gegangen waren, hatte sich für einen entschiedenen Gegner des Establishments ausgegeben, der denen da oben mal zeigen werde, was eine Harke ist.

Der mehrfache Milliardär – mal Guthaben, mal Schulden – Trump, der seine Bauprojekte niemals ohne die jeweiligen städtischen und staatlichen Stellen und die Abstimmungen mit der Mafia hätte realisieren können, gibt sich als Vertreter der Interessen des kleinen, weißen Mannes. Zu denen Rassismus und Frauenverachtung gehören.

Jetzt, in diesen Tagen vor der Wahl gelesen, macht einem Susan Jacobys Buch freilich Mut. Nachfolger des Republikaners George W. Bush wurde nicht der Republikaner John McCain, sondern der Demokrat Barack Obama. Der erste schwarze Präsident der USA. Die Götter mögen gegen Dummheit vergebens kämpfen.

Wählern hat sie selten zwar, aber doch immer mal wieder sich gebeugt.

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