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Das „Z“ hat bessere Zeiten gesehen

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Von: Harry Nutt

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Das Z am Pranger bei einer Protestaktion mit Präsidenten-Puppe: Menschen in Georgien sagen Nein zu Putins Krieg.
Das Z am Pranger bei einer Protestaktion mit Präsidenten-Puppe: Menschen in Georgien sagen Nein zu Putins Krieg. © dpa

Für den letzten Buchstaben im Alphabet wird es juristisch eng – dabei stand es einst für Widerstand und Gegenwehr.

In der Familie der Buchstaben war das „Z“ schon immer ein wenig benachteiligt. Es musste sich weit hinten anstellen, und der Einfachheit halber sprach man vom Alphabet als „ABC“ und nicht etwa vom „A-Z“. Jetzt aber kommt es ganz dicke. Je nach Kontext soll die Verwendung des Buchstabens Z in der Öffentlichkeit bestraft werden können. Dabei geht es nicht um ein generelles Verbot, jedoch: Seine Verwendung kann im Einzelfall eine Billigung des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine darstellen und damit nach Paragraf 140 StGB verboten sein.

Der Paragraf im Strafgesetzbuch besagt, dass mit Geldstrafe oder bis zu drei Jahren Haft bestraft werden kann, wer bestimmte Straftaten in einer Weise gutheißt, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören. Das Land Berlin, Bayern, Brandenburg und Niedersachsen haben die Verwendung des Z als Billigung des Krieges gegen die Ukraine bereits unter Strafe gestellt.

Die ewig spaßbereiten Nutzer und Nutzerinnen der sozialen Medien sind schon einmal aktiv geworden und prophezeien schwere Zeiten für den Lieferservice Zalando, die Wochenzeitung „Die Zeit“ und insbesondere auch für das ZDF. Sieht man mit dem Zweiten nicht mehr besser?

Tatsächlich hat das Z schon bessere Zeiten gesehen. In der europäischen Filmgeschichte sind damit jedenfalls ganz andere Geschichten verbunden, die nicht allein vom anarchischen Westerner Zorro handeln. Ende der 60er Jahre stand das Z für eine demokratische Freiheitsbewegung. Costa Gavras’ gleichnamiger Film aus dem Jahr 1969 handelt von der Ermordung des Intellektuellen Gregoris Lambrakis während der griechischen Militärdiktatur und gilt als genrebildender Klassiker des politischen Films.

Einst ein Stück Widerstand

„Z“ heißt in diesem Zusammenhang „Er lebt“, es wurde zugleich zum emotionalen Widerstandssymbol gegen jegliche Form von Totalitarismus. Das Z prangte an griechischen Hauswänden und wurde in weißer Farbe auf die Straßen gemalt. Die Filmmusik stammt vom kürzlich verstorbenen Komponisten Mikis Theodorakis, seine aufpeitschenden Rhythmen erschienen seinerzeit ganz unmittelbar für die gerechte Sache zu mobilisieren.

So gesehen ist das nun auf schwerem russischen Kriegsgerät aufgetragene „Z“ ein klarer Fall von Zeichendiebstahl, den man Putin nicht durchgehen lassen sollte. Auch in diesem Fall gilt: Ein Verbot spielt Putin in die Hände.

Das Z als erster Buchstabe der Wendung „Za pobedu“, „Für den Sieg“: Ein Moskauer Hochhaus sagt Ja zu Putins Krieg.
Das Z als erster Buchstabe der Wendung „Za pobedu“, „Für den Sieg“: Ein Moskauer Hochhaus sagt Ja zu Putins Krieg. © dpa

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