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Dani Dayan, 65, ist der neue Direktor der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem.
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Dani Dayan, 65, ist der neue Direktor der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem.

Israel

Dani Dayan leitet die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem: „Mit Ehrfurcht und Mitgefühl“

  • Inge Günther
    VonInge Günther
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Eine Lösung nach langem Gezerre um die Besetzung: Dani Dayan, ehemaliger Konsul in den USA, wird Yad Vashem leiten.

Das monatelange Debakel um die Besetzung des Chefpostens in Yad Vashem ist beendet. Israels Regierung unter Premier Naftali Bennett hat jetzt Dani Dayan, ehemals Generalkonsul in New York, zum Vorsitzenden der nationalen Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem ernannt. Der 65-jährige Dayan kommt zwar aus dem stramm rechten Lager und stand von 2007 bis 2013 gar dem Yesha-Rat vor, der Siedlerorganisation im besetzten Westjordanland. Aber vor seinem Wechsel nach New York, wo er bis 2020 vier Jahre lang das israelische Konsulat leitete, gehörte er dem Beirat von Yad Vashem an.

Die neue Aufgabe sei für ihn mehr als ein Job, so Dayan. „Sie ist eine Mission, die ich mit Ehrfurcht und Mitgefühl übernehme.“ Yad Vashem diene ja nicht nur der Erinnerung an die Shoah, sondern verpflichte ebenso zur Erforschung und Erziehung, um Fakten zu dokumentieren und Zerrbildern entgegenzuwirken, auf dass das Menschheitsverbrechen im Bewusstsein bleibe.

Avner Shalev, langjähriger und international geschätzter Direktor von Yad Vashem, war bereits Ende Dezember aus Altersgründen ausgeschieden. Seitdem blieb der Posten vakant, da es massive Proteste gegen den seinerzeit von Regierungschef Benjamin Netanjahu favorisierten Nachfolgekandidaten gab. Dass mit dem Rechtsaußenpolitiker Effi Eitam ausgerechnet ein bekennender Araberhasser eine moralische Instanz wie Yad Vashem führen sollte, stieß in Israel wie auch weltweit auf Entsetzen.

Der von Holocaust-Überlebenden unterstützten Kampagne gegen die kontroverse Wahl schlossen sich neben der Anti-Defamation League 750 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus jüdischen Museen und Bildungsinstituten an. Ein Rassist wie Eitam, hieß es unisono, diskreditiere die renommierte Gedenkstätte. Nicht zuletzt hatte Benny Gantz, damals wie heute Verteidigungsminister, dessen Mutter im KZ Bergen-Belsen inhaftiert war, Einspruch gegen die Nominierung von Effi Eitam eingelegt.

Kritische Stimmen gegen Dani Dayan gibt es hingegen kaum. Bereits im Vorfeld hatte sich Colette Avital, Vorsitzende des Dachverbandes von Holocaust-Überlebenden in Israel, für Dayan ausgesprochen.

Überraschend pluralistisch

Zumindest fiel er in seiner Zeit in New York mit für einen Rechten überraschend pluralistischen Ansichten auf. So soll er enge Beziehungen auch zu liberalen und linken Gruppen aus dem amerikanisch-jüdischen Spektrum geknüpft haben, ganz entgegen Netanjahus Linie. Mit dessen Likud brach er dann im vergangenen Winter, als Dayan mit anderen Abtrünnigen in den Parteiableger „Neue Hoffnung“ eintrat. Sein Listenplatz reichte allerdings nicht für den Einzug in die Knesset, was sich für ihn nun nicht als Schaden erweist.

In Yad Vashem warten auf ihn andere Herausforderungen. Die Finanzen der Holocaust-Gedenkstätte, die pandemiebedingt über ein Jahr lang kein Publikum empfangen konnte, liegen im Argen. Hinzu kommt der diplomatische Eklat zwischen Israel und Polen, das jüdische Restitutionsansprüche gesetzlich zurückgewiesen hat. Ein Konflikt, der nach Stellungnahmen von Yad Vashem geradezu verlangt.

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