Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Messier 49. NASA, ESA, STScI and J. Blakeslee (Dominion Astrophysical Observatory)
+
Messier 49.

Messier-Katalog

Wie Charles Messier vielen Generationen die Augen für das Universum öffnete

  • Arno Widmann
    vonArno Widmann
    schließen

Heute vor 250 Jahren entdeckt Charles Messier die Galaxie M49. Ebenfalls 1771 erscheint sein Messier-Katalog, der Generationen die weite Welt dort draußen eröffnet hat.

  • Der französische Astronom Charles Messier entdeckte 1771 die Galaxie M49 und erstellte den Messier-Katalog.
  • In dem Standardwerk der Astronomie sind heute 110 Himmelsobjekte verzeichnet, die von der Nordhalbkugel aus zu sehen sind.
  • Alles rund um das Weltall und die Weltraumforschung finden Sie auf unseren Themenseiten.

Am 19. Februar 1771 entdeckte Charles Messier eine Galaxie im Sternzeichen Jungfrau. Sie wird auch M49 genannt. Das ist die Nummer, die sie im bis heute berühmten Messier-Katalog erhielt. M49 ist etwa 41 Millionen Lichtjahre entfernt.

Es ist eine gute Gelegenheit, an Charles Messier und eine Epoche der Astronomie zu erinnern, in der nur Beobachtungen gesammelt werden konnten. Mathematisch gestützte Beobachtungen. So half zum Beispiel eine von Carl Friedrich Gauß entwickelte Methode zur Bahnberechnung der Himmelskörper dem Priester und Astronomen Giuseppe Piazzi den Asteroiden (heute wird er zu den Kleinplaneten gezählt) Ceres, den er entdeckt und aus den Augen verloren hatte, wiederzuentdecken. Entdeckt hatte er ihn zunächst etwa dort, wo schon Johannes Kepler einen solchen Himmelskörper vermutet hatte.

Astronomie: 1771 veröffentlicht Charles Messier den Messier-Katalog

Aber zurück zu Charles Messier. Geboren wurde er 1730 in Badenweiler, aber nicht im Schwarzwald, sondern im später lothringischen Badonviller. Damals war der Ort die Hauptstadt des zum Heiligen römischen Reich deutscher Nation gehörenden selbstständigen Fürstentums Salm-Salm. Mit 21 ging Charles Messier, Sohne eines hohen Verwaltungsbeamten des Fürsten, nach Paris. 1817 starb er dort. Dazwischen wurde er zu einem der bedeutendsten Astronomen seiner Zeit.

Wer bei Google „Messier“ eingibt, dem wird als erstes erklärt: „Der Messier-Katalog ist eine Auflistung 110 ortsfester astronomischer Objekte (hauptsächlich Galaxien, Sternhaufen und Nebel), die neblig erscheinen und keine Kometen sind. Er ist der erste einer langen Reihe von Nebelkatalogen. Messier veröffentlichte diesen Katalog erstmals 1771.“ Vor 250 Jahren also.

Der Messier-Katalog wird in der Astronomie immer noch genutzt

Die erste Auflage verzeichnete nur 45 Objekte. M49 kam erst in späteren Auflagen hinzu. Der Messier-Katalog wird heute noch genutzt. Immer noch beginnen die meisten Jugendlichen, die sich ein erstes Teleskop schenken lassen, so heißt es, mit der Suche nach den 110 Messier-Objekten. Natürlich führt der Katalog nur Objekte auf, die von der Nordhalbkugel aus zu sehen sind.

Unter dem Stichwort „Messier-Katalog“ bietet Wikipedia eine Aufstellung aller 110 Objekte. Jedes auch mit einem modernen Foto versehen. Die wenigen Irrtümer und Zweifelsfälle sind genauestens vermerkt. Eine kritische Ausgabe nach fast 250 Jahren! Von welchem wissenschaftlichen Werk lässt sich das sagen?

Messier rückte nicht nur den „Nebeln“ teleskopisch auf den Leib. Er entdeckte auch zwanzig Kometen. Er benutzte für diese Arbeit sehr unterschiedliche Geräte. Aber als den Geschwistern Wilhelm und Caroline Herschel in den 1780er Jahren der Bau von Teleskopen mit wesentlich größeren Spiegeln gelang und sie sie verkauften, wurden bald von immer mehr Astronomen immer mehr Himmelskörper identifiziert. Die Sache wurde unübersichtlich.

Astronomie: Nach Charles Messier wurde es unübersichtlich

Das war die Stunde von Franz Xaver von Zach (1754-1832). Er gründete 1800 auf dem zweiten internationalen Astronomenkongress – den ersten hatte er 1798 organisiert – die „Himmelspolizey“. Europäische Astronomen – natürlich gehörte Messier dazu – teilten sich den Himmel auf. Jede Sternwarte bekam einen Abschnitt und erforschte ihn systematisch. Zach war Offizier und nannte diese Arbeit „Durchmusterung“. Es war eine so bisher völlig unbekannte Form der Zusammenarbeit.

Sie wurde von Zach von Gotha aus generalstabsmäßig geleitet. In seiner „Monatlichen Correspondenz zur Beförderung der Erd- und Himmelskunde“ wurden die Forschungen veröffentlicht. Während Napoleon Europa eroberte, stürmte die kleine Residenzstadt des winzigen Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg den Himmel. Wie Zach das gelang, weiß ich nicht. Die Einrichtung seiner Himmelspolizey war jedenfalls – mindestens wissenschaftsgeschichtlich – eine der bedeutendsten zivilisatorischen Taten jener Jahre.

Messer-Katalog: Aber wie weit waren die galaktischen Objekte entfernt?

Über die Entfernungen zu den registrierten Objekten konnte man nichts sagen. Der griechische Philosoph Demokrit (zwischen 460 und 370 v.u.Z.), berühmt und weit über tausend Jahre lang berüchtigt für seine Atomtheorie, hatte schon den Verdacht, bei der Milchstraße handele es sich um eine Reihe von Sternen, die so weit entfernt waren, dass man die sie umkreisenden Planeten nicht mehr sehen konnte.

Thomas Wright griff diese Idee 1750 auf und äußerte die Vermutung, dass es sich bei den uns nur als Nebel sichtbaren Himmelserscheinungen auch um noch weiter entfernte Galaxien handeln werde. Kant sprach 1775 von „Welteninseln“, die aus unzähligen Sternen bestünden in riesigen Entfernungen. Dennoch war in der Astronomie noch bis 1920 heftig umstritten, ob nicht diese „Nebel“ – schon die Herschels hatten 2500 gefunden – nicht doch alle noch zur Milchstraße gehörten. Auch Einsteins umstürzende Arbeiten „spielten“ alle noch in unserer Galaxie.

Astronomie: Charles Messier und der Andromedanebel

Aufklärung kam von M31. Der Andromedanebel ist das entferntesten Objekt, das man mit bloßem Auge am Himmel sehen kann. Messier hatte ihn allerdings in seinen Katalog aufgenommen aufgrund der Beschreibung, die Simon Marius 1612 von ihm gegeben hatte, als er ihn – wohl als erster – durch ein Teleskop beobachtete und feststellen musste, dass auch durch dieses Instrument betrachtet, der Nebel Nebel blieb.

Inzwischen weiß man alles besser. Es gibt keinen Nebel, sondern eine Spiralgalaxie und ihre erste Beschreibung stammt nicht von Marius, sondern vom in Isfahan des 10 Jahrhundert lebenden und forschenden Astronomen Abd al-Rahman al-Sufi.

Der US-amerikanischen Astronomin Henrietta Swan Leavitt (1868-1921) gelang es 1912, ein Verfahren zu entwickeln, mit dem sich auch der Abstand zu sehr weit entfernten Himmelskörpern berechnen ließ. Nun wurde der Weltraum nicht mehr nur beobachtet, sondern bemessen. Im Jahr 1923 bewies Edwin Hubble, dass M31 eine eigene Galaxie ist.

Im Juni 1927 setzte der belgische Astrophysiker, Theologe und Priester Georges Lemaitre noch einen drauf: Das Weltall, hatte er berechnet, dehnt sich aus. Die Urknalltheorie war geboren. Edwin Hubble war noch etwas aufgefallen. Je weiter etwas von uns entfernt ist, desto schneller bewegt es sich weg von uns.

M31 von 1771 ist uns näher, als wir dachten: Wir sind mit ihr und einigen anderen Galaxien in einer Lokalen Gruppe gravitativ verbunden. Forschungen an der Andromedagalaxie hatten seit den 40er Jahren den Verdacht aufgebracht, dass es so etwas wie dunkle Materie geben könnte. Nichts davon ahnte Charles Messier, als er vor 250 Jahren seinen bis heute benutzten Katalog erstellte und damit vielen Generationen die Augen öffnete für die weite Welt da draußen. (Arno Widmann)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare