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Das Zwei-Meter-Teleobjektiv wird von einer Berliner Firma auf der Photokina 1958 vorgestellt.
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Das Zwei-Meter-Teleobjektiv wird von einer Berliner Firma auf der Photokina 1958 vorgestellt.

Fotoindustrie

Ausgeknipst: Bildmetropole Köln nach dem Aus der Photokina

  • Daniel Kothenschulte
    vonDaniel Kothenschulte
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Mit dem Ende der Photokina Köln wird es dunkel in der einstigen Bildmetropole Köln.

Der Niedergang der Fotoindustrie schlägt mitunter sonderbare Kapriolen. So konnte man im vergangenen Sommer zum Beispiel mit Kodak-Aktien noch einmal so richtig Geld verdienen. War es etwa so, dass sich die verspätete Spezialisierung des heruntergewirtschafteten Fotofilmpioniers auf Tintenstrahldruck doch noch ausgezahlt hätte? Im Gegenteil: Eine Förderzusage Donald Trumps sorgte für den kurzzeitigen Aufwind – verbunden mit der Umstellung auf die Produktion billiger Medikamente, Generika, wie sie sonst aus Asien importiert werden.

Gegen den Untergang der Fotometropole Köln helfen dagegen keine Pillen. Nach der Insolvenz der AgfaPhoto GmbH, die bereits Ende 2005 abgewickelt wurde, verliert die Lichtbildbranche nun auch ihren strahlenden Marktplatz: Als „bis auf weiteres ausgesetzt“ verabschiedet sich die weltgrößte Fotomesse „Photokina“ mit einem leisen Klick. Nach allem Dafürhalten ist es ein Ende für immer.

„Die Rahmenbedingungen der Branche bieten leider aktuell keine tragfähige Basis der internationalen Leitmesse für Foto, Video und Imaging“, sagte Gerald Böse, Vorsitzender der Geschäftsführung der Koelnmesse in einer knappen Pressemitteilung, nicht ohne ein Fünkchen Eigenlob: „Aber wir stellen uns der Sachlage mit einer klaren, ehrlichen Entscheidung gegen die Fortsetzung der Veranstaltung, die leider für uns ohne Alternative ist.“

Heute wird mehr denn je fotografiert

Nach 70 Jahren endet damit nicht nur eine Ära in der Wirtschaftsgeschichte. Für die Kulturgeschichte des Mediums, seine Emanzipation vom Handwerk zur musealen Kunst, waren die Photokina-Bilderschauen kaum weniger wichtig als die industrielle Leistungsschau. Als „Fotoszene Köln“ führen sie seit langem ein spannendes Nachleben, das wohl auch die Messe überdauern wird. Zwar werde heute mehr denn je fotografiert, so Geschäftsführer Oliver Frese, „doch auch die Integration der Smartphone-Foto- und -Videografie sowie der Bildkommunikation z. B. via Social Media konnten den Ausfall großer Teile des klassischen Markts nicht kompensieren.“

Erst im vergangenen Jahr war „Sander Media“, das legendäre, von den Nachfahren des Jahrhundertfotografen August Sander betriebene High-End-Labor, an den Düsseldorfer Konkurrenten Grieger verkauft worden. Grieger, wo unter anderem Andreas Gursky, Gerhard Richter oder Wim Wenders ihre Prints fertigen, war indes schon 2017 insolvent gegangen und gehört jetzt der britischen Heni-Gruppe.

Im Allgemeinen redet man im Kunstbetrieb nicht viel über die wirtschaftlichen Infrastrukturen der Produktion. Doch sind sie einmal weg, dann verliert ein gesamter Kunststandort mitunter seinen Boden. Tatsächlich erinnert in Köln nur noch wenig an den Status in den 80er und 90er Jahren als führende deutsche „Kunststadt“. Gentrifizierung, exorbitante Ateliermieten, ein kleingesparter Kulturetat und der Abzug beziehungsweise die Aufgabe vieler Galerien haben das Biotop von innen ausgetrocknet. Der Wegfall großer Messen und Ausstellungen streicht Köln wiederum für viele Besucher von der Landkarte.

180.000 Besucher im September 2018

Meine erste Erinnerung an die Photokina waren verschlossene Türen. Wenigstens für den siebenjährigen Super-8-Filmer: Die Photokina war 1974 zur Fachmesse geworden, was sich erst 1988 wieder ändern sollte. Zum Trost brachte mich meine Mutter zu den von L. Fritz Gruber organisierten „Photokina Bilderschauen“, die Mitte der Siebziger in Kunsthalle und Haubrich-Forum ein riesiges Kunstfest waren (beide Orte übrigens längst von kulturpolitischen Vandalen, wie es sie wohl nur in Köln gibt, abgerissen). Das Medium der Stunde war damals die Tonbildschau – sogenannte „Multivisionen“ von vielen Dutzend parallel geschalteten Diaprojektoren. Wie in einem Memory-Spiel fügten sich die Dias zu kitschigen Blumenwiesen und Abendlandschaften – ich konnte nicht genug bekommen, auch wenn hier fraglos die Industrie über die Kunst triumphierte. Aber beides gehört nun einmal zusammen, auch jedes Gemälde beginnt bekanntlich dort, wo Farben und Leinwand verkauft werden.

180 000 Besucher brachte die letzte Ausgabe der Photokina im September 2018 in die Messehallen, 812 Unternehmen stellten dort aus. Zuletzt trug sie den Untertitel „Imaging Unlimited“ – was ja eigentlich allgemein genug formuliert war, alles einzuladen, was Bilder macht. Dennoch hat es offensichtlich nicht gereicht. Eine 2018 verkündete Neuausrichtung auf jährliche Frühjahrstermine konnte Branchengrößen wie Nikon, Leica und Olympus nicht mehr von einer Teilnahme überzeugen. Corona sorgte schließlich für die Absage der für vergangenen Mai geplanten ersten Ausgabe in neuer Form.

In Erinnerung bleiben berühmte Debütanten: Erstmals in Köln vorgestellt wurden unter anderem Kodaks erste Kamera mit eingebautem Belichtungsmesser (1954), der Super-8-Film (1964), der Pocketfilm (1974) oder – welch Götterdämmerung – die Digitalfotografie nebst praktischem Speichermedium, der Kodak-Photo-CD (1992). Nun ist die ganze Photokina also schon Erinnerung, schwer zu glauben. Aber warten Sie, ich habe irgendwo noch ein Foto davon.

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