1. Startseite
  2. Kultur
  3. Gesellschaft

Vor 25 Jahren: Als Madeleine Albright Außenministerin der USA wurde

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Arno Widmann

Kommentare

Madeleine Albright auf Besuch in Südafrika, 1997.
Madeleine Albright auf Besuch in Südafrika, 1997. © Odd Andersen/AFP

Vor 25 Jahren übernahm Madeleine Albright als erste Frau die Führung im Außenministerium der USA. Eine Erinnerung.

Washington D.C. - Am 23. Januar 1997 wurde Madeleine Albright als Außenministerin der USA vereidigt. Sie hatte 63 Vorgänger und war die erste Frau in diesem Amt. Die Unabhängigkeitserklärung der USA vom 4. Juli 1776 beginnt mit den Worten: „We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal ...“. Für die zahlreichen Deutschsprachigen in der einstigen britischen Kolonie übersetzte das damals der „Pennsylvanische Staatsbote“ in Philadelphia so: „Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht, daß alle Menschen gleich erschaffen worden ...“.

Unterzeichnet hatten diese Erklärung ausschließlich Männer, ausschließlich weiße Männer. Keinem von ihnen fiel ein, ernst zu nehmen, was sie unterschrieben hatten. Frauen hatten sich aus der Politik herauszuhalten, die Indigenen wurden bekriegt und ausgerottet, die aus Afrika importierten Schwarzen wurden versklavt. Die Menschen mochten gleich erschaffen worden sein. Die Kulturleistung bestand in der gewalttätigen Durchsetzung der Ungleichheit.

Wurzeln in Prag: Madeleine Albrights Vater schwieg über die Herkunft

Der erste Außenminister der USA, Robert Livingstone (1746 bis 1813) war Großgrundbesitzer, und er erwarb das Monopol für die Dampfschifffahrt im Staate New York. Madeleine Albright war 1937 als Marie Jana Körbel in Prag geboren worden. Ihr Vater Josef Körbel war Diplomat. Vor den Nazis war die Familie nach London geflohen.

Nach dem Krieg kehrte die Familie nach Prag zurück. Als 1948 die Kommunisten sich an die Macht putschten, floh die Familie in die USA. 1957 bekamen sie die amerikanische Staatsbürgerschaft. Josef Körbel wurde ein einflussreicher Professor für Politikwissenschaften. Seine Tochter sowie Condoleezza Rice, die erste schwarze Außenministerin der USA, studierten bei ihm.

Erste Außenministerin der USA: Madeleine Albright war auf das Amt bestens vorbereitet

So genau er seine Schülerinnen über die Weltlage informierte, so sehr verschwieg er ihnen seine Herkunft. Er und seine Frau waren säkulare Juden. Viele ihrer Verwandten, darunter drei Großeltern von Madeleine Albright, waren von Nazis umgebracht worden. Das erfuhr Madeleine Albright erst 1996, als ihr Vater schon fast 20 Jahre lang tot war.

Madeleine Albright war auf ihr Amt bestens vorbereitet durchs Studium – ihren Abschluss machte sie an der Columbia – und dank ihrer Erfahrungen als UN-Botschafterin der USA. Ihre Lebensgeschichte aber unterscheidet sie von sehr vielen Vorgängern, rückt sie freilich auch in die Nähe von Henry Kissinger, der am anderen Ende des politischen Spektrums von 1973 bis 1977 unter Richard Nixon Außenminister der USA war.

Madeleine Albright: Die erste Frau im Amt nach 63 Außenministern der USA

Man wird allerdings davon ausgehen dürfen, dass er außenpolitisch den Kurs seines Präsidenten bestimmte. Was sich so über das Verhältnis Albright-Clinton sicher nicht sagen lässt. Ihr Wissen und ihre familiäre Erfahrung prägten auch ihre harte Haltung gegen die Hegemonialbestrebungen Serbiens im Jugoslawienkrieg.

2020 erschien bei DuMont ihr Buch „Die Hölle und andere Reiseziele: Eine Autobiographie im 21. Jahrhundert“. Schon 2018 war im selben Verlag „Faschismus: Eine Warnung“ erschienen. Ein beeindruckendes Buch, das uns davor warnt, den Faschismus als etwas Einmaliges, etwas Vergangenes zu sehen und kleinzureden, wenn wir in der Gegenwart auf ihn treffen.

Madeleine Albright, die erste Außenministerin der USA, ist auch ein trauriger Beleg dafür, wie weit der Weg vom Text – alle Menschen wurden gleich geschaffen – zur Tat sein kann. Die 64. Person auf dem Posten war endlich eine Frau. Eine Präsidentin hatten die USA bis heute nicht. Sie wollten lieber Donald Trump. (Arno Widmann)

Auch interessant

Kommentare