Das Gemeinsame suchen

Die ehemalige "Liebe Sünde"-Moderatorin Mo Asumang engagiert sich nun gegen Rechts

Von THOMAS KLATT

Bis Ende 2000 moderierte sie das ProSieben-Erotikmagazin "Liebe Sünde". Dann kam Stefan Raab und verdrängte sie von ihrem Sendeplatz. Danach habe sie erst mal eine Auszeit benötigt, sagt sie. Obwohl ihre Sendung gute Einschaltquoten hatte, bekam sie keine weiteren Angebote mehr im Fernsehen. Der Sex-Makel hing ihr lange nach. "Vielleicht war Deutschland noch nicht so weit für ein solches Sendeformat, zumal mit einer dunkelhäutigen Ansagerin", meint Mo Asumang heute.

Sie wechselte zum hessischen FFH, hatte dort fast zwei Jahre lang ihre eigene Radiosendung. Und dann schrie 2002 die Neonaziband White Aryan Rebels einen Hetzsong mit der Liedzeile "Die Kugel ist für dich, Mo Asumang!" in die Welt hinaus. Das schlug damals einige Wellen, die Medien berichteten, und sie bekam Angst. "Das hat mich wirklich aus der Bahn geworfen. Warum wollen mich Leute umbringen nur wegen meiner Hautfarbe", fragt sich die Moderatorin.

Sie ging zu den Wurzeln

Mo(nika) Asumang wurde 1963 als Kind einer Deutschen und eines Ghanaers in Kassel geboren. Sie studierte dort Visuelle Kommunikation und später in Berlin Klassischen Gesang. Mo Asumang ist Deutsche, Deutschland ist ihre Heimat. Statt sich zu verstecken, suchte sie die Nähe zu den Menschen, die Hass und Gewalt gegen Ausländer als Lösung ihrer Probleme ansehen. Sie engagierte sich in einem Theaterprojekt mit Rechtsradikalen in der brandenburgischen JVA Wriezen. Dort entwickelte sie die Idee zu ihrem Film, ein Experiment und Therapie zugleich, bekam Unterstützung vom Kleinen Fernsehspiel des ZDF. Herausgekommen ist "roots germania", ein intelligenter, lehrreicher und stellenweise auch witziger Film, immerhin für den Grimme-Preis nominiert.

Mo Asumang konfrontiert rechtsradikale Mitläufer und Funktionäre mit ihren naiven Fragen, wo denn jetzt ihre Wurzel, ihre Heimat seien, wo sie denn nun hin solle, und entlarvt damit dumpfe und krude Denkweisen. Der Neonazi-Anwalt Jürgen Rieger hätte als Germane "so was Schwarzes wie Asumang früher im Moor versenkt", lässt sich aber bereitwillig (weil er eitel ist) im eigenen Garten bei laufender Kamera von der Moderatorin vorführen, obwohl er ihre Fragen für "pompolistisch" hält. Ein anderer NPD-Funktionär hat "persönlich" gar nichts gegen Frau Asumang, meint aber mit einem verlegenen Augenzwinkern, dass man sich doch zumindest rassisch nicht mit Asiaten vermischen sollte. Der Film lässt die Neonazis dumm aussehen.

Aber Mo Asumang fährt auch nach Ghana und trifft dort ihren Vater. Auf dem schwarzen Kontinent gilt sie als Weiße, wird aber herzlich aufgenommen. Sie entdeckt gemeinsame germanisch-afrikanische Wurzeln, heilige Haine, Runen-Orakel, naturverbundene Riten, die in Deutschland erst durch die Nazis in Misskredit gebracht worden sind - so die Botschaft ihres Films. Auch wenn Mo Asumang sich auf ethnologisches Glatteis begibt, so hat sie zumindest für sich eine Formel für den Umgang mit Neonazis gefunden: das Positive und Gemeinsame suchen und miteinander reden.

Das tut sie seitdem vor allem an Schulen, zeigt im gesamten Bundesgebiet ihren Film und diskutiert anschließend mit den jungen Menschen. "Die sind in der Regel ganz fasziniert und wollen gar nicht mehr aufhören über sich, ihre und meine Heimat zu reden. Ich spüre immer die persönliche Betroffenheit, wenn sie mir gegenüberstehen", erzählt Mo Asumang.

Aber bitte rechtzeitig

Ihre Botschaft: Die Mitschüler sollen aufmerksam werden, wenn jemand auf die schiefe rechte Bahn zu geraten droht. Sie sollen ihn rechtzeitig ansprechen und warnen, bevor das faschistische Weltbild manifest wird und zur Gesprächsunfähigkeit führt. Für ein Gymnasium in Hennigsdorf nördlich von Berlin hat Mo Asumang jüngst sogar die Patenschaft übernommen, um dort das antirassistische Profil zu schärfen. Über 400 Schulen in Deutschland tragen bereits den Titel "mit Courage - ohne Rassismus". Vielleicht nimmt die Bundeszentrale für politische Bildung den Film ins Programm auf.

Mo Asumang wird sowohl von Antifa-Gruppen als auch von Parlamentariern eingeladen. Ohne Frage, die ehemalige Sex-Moderatorin ist durch diesen Film politisch geworden, engagiert sich unter anderem auch in der Initiative Schwarze Deutsche (ISD). Sie nimmt den Deutschen ihr Engagement gegen Rechts ab.

Dass Politiker sich mit ihr nur schmücken wollen, glaubt sie nicht. "Allerdings ist es schon so, dass man als Migrant in der Öffentlichkeit und besonders im Mediengeschäft nur akzeptiert wird, wenn man sich im engen Bereich der allgemeinen Vorstellungen bewegt. Als Schwarze muss man sportlich und erotisch sein, tanzen, singen und womöglich auch noch trommeln können", sagt Mo Asumang - Klischees, die sie zumindest auf ihrer persönlichen Homepage durchaus auch bedient.

Dass Deutschland längst ein Einwanderungsland ist, müsse allerdings auch auf dem Bildschirm zu sehen sein. Es gebe immer noch viel zu wenige farbige Moderatoren im deutschen Fernsehen. Ob und wann sie selbst wieder regelmäßig in einer Sendung zu sehen sein wird, lässt Mo Asumang offen. Vielleicht dreht sie auch erst einen Nachfolgefilm "roots germania II".

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