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Christine Neubauer
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Christine Neubauer

Fernsehen

KDD geht, Christine Neubauer bleibt

KDD, die brillante, innovative, fesselnde Milieustudie einer Berliner Polizeistation, wird eingestellt. Was das Aus der besten Krimi- und die Endlosschleife einer Heimatserie über das Fernsehen sagt. Von Jan Freitag

Von Jan Freitag

Freitags im Fernsehen: Die ARD zeigt ihre abendliche Dosis Degeto, das Zweite sein übliches Quantum Krimi, der Privatfunk sucht Millionäre oder Tänzer und schickt Ulla Kock am Brink zurück auf die Showbühne. Alles wie immer, auch an diesem Freitag. Und doch ist er beispielhaft.

Denn wenn Christine Neubauer am Freitagabend ihrem Verehrer beim tête-à-tête im Mondschein zuhaucht, "so’n Lagerfeuer g’fällt dir schon", endet im ZDF ein Stück Unterhaltung, das unbedingt der Fortsetzung bedürfte: die großartige Krimiserie "KDD".

Während die Trägerin des Bayrischen Verdienstordens also unverdrossen fade Romantik in Dirndl-Diktion mit finalem Liebesglück spielen darf, geht die brillante, innovative, fesselnde Milieustudie einer Berliner Polizeistation nach 24 Folgen vom Sender. Das ist nicht nur destruktiv und dumm, sondern geradezu zynisch. Da hilft auch Klaus Bassiners Leidenschaft wenig.

Mit großem Elan verteidigt der ZDF-Hauptredaktionsleiter seine Programmpolitik. Die Geschichten, beteuert er, seien abgeschlossen, ihre Charaktere, so überraschend wie überragend verkörpert von Saskia Vester bis Barnaby Metschurat, "auserzählt". Etwas "Einmaliges" lasse sich eben nicht beliebig vervielfältigen.

Quote unter Soll

Da stellt sich die Frage, warum man es mit Alltäglichem so beharrlich tut; warum Konventionelles wie "Soko Leipzig" auf die 200. Episode zusteuert, Altbackenes wie "Ein Fall für zwei" seit Jahrzehnten die Anwälte wechselt, warum Quantität die Hauptsendezeit flutet, Qualität dagegen höchstens mal die Nacht.

"Um seine Perlen zu pflegen", wie Bassiner sagt, der fast die Hälfte seiner 55 Lebensjahre den Film beim ZDF verantwortet? Weil Fernsehen nun mal Tagesgeschäft ist? Es ist und bleibt die Quote! Selten miserabel, lag sie bei der ausgezeichneten Krimiserie stets unter Soll.

Schlimmer noch: Selbst "Der Alte" erzielte bessere Werte als "KDD", sogar bei den Jüngeren. Zu radikal scheint der Erzählstil, zu unruhig die Ästhetik, zu hintergründig Sound und Dialoge. Doch eben das ist hausgemacht, funktioniert Fernsehen doch strikt angebotsorientiert: Weil blanke Zahlen zählen, füllt es die Primetime auch öffentlich-rechtlich mit leichten Stoffen und hält so den Bedarf danach künstlich hoch. "Quote ist nicht alles, aber ohne Quote ist alles nichts", behauptet ARD-Chef Volker Herres, und merkt nicht, wie der zweite Satzteil den ersten widerlegt.

Dieser Messwertfixierung sind ganze Programmstrecken zum Opfer gefallen. Im ZDF steht allein der Dienstag für strukturelle Seriosität, die ARD duldet nur montags Sachthemen nach acht, sogar der Mittwochsfilm hält sein Niveau immer seltener. Und dieses Diktat der Harmlosigkeit kulminiert ab Donnerstag zur ultimativen Stromlinie: Degetozeit, Krimizeit, Revuezeit, Neubauerzeit. Ein dreitägiges Jammertal des Sendeauftrags. Und so dräut weiter "Der Alte". Und die Neubauer. Freitag für Freitag für Freitag.

Die Landärztin - Um Leben und Tod, 20.15 Uhr, ARD

KDD - Kriminaldauerdienst, letzte Folge, 22.30 Uhr, ZDF

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