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In Los Angeles können sich Fans von „Game of Thrones“ adäquat niederlassen. 

Merchandising-Wahn

„Game of Thrones“-Fans leben teuer

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„Game of Thrones“ lässt Marketing-Strategen zu Höchstform auflaufen - sie versuchen Fans jeden Tand zu verkaufen. Unsere Kolumne.

„Game of Thrones“, die erfolgreichste Serie der letzten Jahre, befindet sich in der finalen Staffel – und Marketingstrategen quer über den Globus laufen zu Höchstform auf. In der Serie verbinden sich die Lebenden gegen die Toten, der Zuschauer ohne Sky-Account muss sich in Internet-Abstinenz üben, um nicht gespoilert zu werden. Währenddessen fragt sich der glühende Fan: Wie viel Geld muss ich investieren, um meine Helden in Westeros, dem fiktiven Kontinent, auf dem die Kult-Serie zum Abschluss kommen wird, gebührend zu unterstützen?

Wer für Daenerys Targaryen, Mutter der Drachen, brennt, kann sich ein Drachenei (54,90 Euro) ins Wohnzimmer stellen (bitte nicht in Feuer ausbrüten), mit Haus-Whiskey (54,90 Euro) aus einem von Drachenklauen gehaltenen Pokal (39,99 Euro) auf den greifbaren Sieg anstoßen und sich an der 30 Zentimeter-Hartplastik-Variante des eisernen Throns, Symbol der Herrschaft über Westeros, ergötzen (29,99 Euro, bloß nicht betrunken darauf setzen, Verletzungsgefahr!).

„Game of Thrones“-Merchandising: Einschlafhilfe, Whiskey und jede Menge Tand

Wer an der Seite des doch-nicht-Bastards Jon Snow kämpft, hängt sich am besten sein Schwert Longclaw (369,99 Euro) über den Fernseher (gibt es für kleinere Kassen auch als Brieföffner, 34,90 Euro), bettet seinen Kopf auf ein Stark-Couch-Kissen (24,99 Euro) und genießt seinen Haus-Whiskey natürlich auf Eis – frisch aus dem Stark-Wappen-Eiswürfelbereiter (12,99 Euro). Dazu gibt es Kuchen aus der Silikon-Hauswappen-Backform (17,99 Euro). Damit sich nicht nur der Norden, sondern auch der Fan an alles erinnert, werden Notizen im passenden Buch (9,99 Euro) festgehalten.

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Natürlich kommen auch Freunde der Lannisters auf ihre Kosten, wenn auch im etwas reduzierteren Angebots-Umfang. Zwergen-Weisheiten auf Bierkrügen (12,99 Euro), Socken (17,99 Euro) und Geldbörsen mit Wappen (29,99 Euro) stehen bereit – schließlich begleichen echte Fans, wie die Vorbilder in der Serie, stets ihre Schulden. Zwar ist allseits bekannt, dass Löwen keine Angst haben – doch wenn es dunkel wird in King’s Landing hilft das Nachtlicht des Hauses beim Einschlafen (23,02 Euro).

Game of Thrones: „All Merch musst die“

Wem ohnehin egal ist, wer am Ende der sechs Folgen der letzten Staffel über Westeros herrscht, ist mit der Münze des gesichtslosen Mannes (10 Euro) bedient – oder der Miniatur des Nachtkönigs, wahlweise mit Thron (36,99 Euro) oder untotem Drachen (39,99 Euro). Wer lieber selbst um den eisernen Thron kämpfen will, kocht ein Rezept aus dem offiziellen „Game of Thrones“- Kochbuch (24,90 Euro) nach und lädt ein paar Freunde mit Hilfe der dreiäugigen Krähe (9,20 Euro) zu einer Partie der Westeros-Varianten von Monopoly (49,99 Euro), Risiko (49,99 Euro) oder Cluedo (44,99 Euro) ein. Für die nötige Provokation steckt sich die Gastgeberin die Hand des Königs (14,99 Euro) an und krönt mit Joffrey Baratheons Plastik-Krone (79,99 Euro) den Staatsfeind Nummer eins.

„Game of Thrones“ lädt mit der hohen Sterblichkeitsrate seiner Charaktere die Merchandising-Strategen zu einer Ausschlachtung der Serie ein, die allenfalls noch mit der Monetarisierung einzelner Disney-Produktionen vergleichbar ist. Denn was bleibt dem treuen Fan anderes übrig, als den persönlichen Schrein der Anbetung von Grund auf neu auszustatten, wenn er – intrigenhaft wie es die Serie vorlebt – plötzlich die eigene Hauszugehörigkeit überdenken muss. Spätestens, wenn er sich auf alle Eventualitäten des Finales von „Game of Thrones“ vorbereitet, spricht der eigene Kontostand ein letztes Machtwort: „Valar Morghulis – All Merch Must Die“. Plötzlich wirdder schlichte Genuss der Serie wieder attraktiv – ganz ohne dass man sich in der aberwitzigen Tiefe des Merchandising verliert.

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