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Peter Dinklage im Interview: „Game of Thrones“-Star spielt Liebeshelden

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„Ich selbst bin mein schlimmster Kritiker“: Peter Dinklage als Cyrano de Bergerac.
„Ich selbst bin mein schlimmster Kritiker“: Peter Dinklage als Cyrano de Bergerac. © imago images/ZUMA Press

Hollywood-Star Peter Dinklage spielt jetzt den poetischen Helden „Cyrano“, den stets eine riesige Nase quälte. Diesmal steht seinem Liebesglück etwas anderes im Weg: seine kleine Statur. Ein Interview.

Bald 20 Jahre ist es her, dass Peter Dinklage, geboren 1969 in New Jersey, nach mühsamen ersten Jahren in der Schauspielerei mit dem Kinodrama „The Station Agent“ einem größeren Publikum bekannt wurde. Es folgten Rollen in „Buddy – Der Weihnachtself“ oder „Die Chroniken von Narnia“ und schließlich der ganz große Durchbruch mit der Fantasyserie „Game of Thrones“.

Für die Rolle des Tyrion Lannister wurde Dinklage viermal mit dem Emmy sowie mit dem Golden Globe ausgezeichnet. Nun ist der 1,35 Meter große Schauspieler in der Titelrolle des oscarnominierten Musicals „Cyrano“ zu sehen, Regie führt Joe Wright.

Mr. Dinklage, was macht die Geschichte von „Cyrano“ in Ihren Augen zu einer Geschichte, die es sich immer wieder zu verfilmen zu lohnen scheint?

Ich glaube, es gibt wenige Geschichten, die so deutlich machen, was es bedeutet, jemanden wirklich aus tiefstem Herzen zu lieben. Cyrano verwehrt sich selbst seine Gefühle, um seine Angebetete glücklich zu machen. Er verzichtet selbst auf die Liebe, damit die Frau, die er liebt, ihrer nachgehen kann. Ein besseres Bild für wahre Liebe und Hingabe gibt es doch kaum. Höchstens noch in der Beziehung zwischen Eltern und ihrem Kind, wo man ja auch das eigene Wohlergehen dem eines anderen Wesens unterordnet. Dazu kommen dann aber natürlich in der Geschichte von Cyrano noch andere Elemente, die heutzutage vielleicht so relevant sind wie nie. Dieses Bedürfnis, nach außen nicht sein wahres Ich, sondern eine geschönte Version seiner selbst zu zeigen, hat ja mittlerweile online fast jeder.

Waren Sie auf Anhieb von der Idee überzeugt, dass Cyrano dieses Mal nicht unter einer zu großen Nase, sondern seiner kleinen Statur leidet?

Das fand ich natürlich großartig. Und zwar nicht nur, weil ich dadurch mich selbst in dieser Geschichte wiedergefunden habe. Ich fand ganz unabhängig davon immer schon das Problem, dass ich in den meisten „Cyrano“-Inszenierungen einfach stets einen attraktiven Schauspieler mit offensichtlich künstlicher Nase gesehen habe. Da fehlte immer das letzte bisschen Authentizität, weil nie zu übersehen war, dass da etwas Fake ist. In unserem Fall gewinnt die Geschichte vielleicht ein wenig mehr Tiefe – und obendrein befreite es mich als Schauspieler, weil wir etwas Neues machten.

Diese Geschichte ist auch eine über die Macht der Worte. Wann wurde die Ihnen zum ersten Mal bewusst?

Spontan würde ich sagen: als ich das erste Mal in Gegenwart meiner Eltern geflucht habe. Und vermutlich gibt es kaum einen eindrücklicheren Moment als den, in dem zum ersten Mal ein anderer Mensch zu einem sagt: Ich liebe dich. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich fand Sprache schon in jungen Jahren faszinierend und habe immer wieder Gedichte geschrieben. Mache ich auch heute noch hin und wieder. Insgesamt habe ich allerdings das Gefühl, dass wir zu oft die Wirkungsmacht von Worten unterschätzen. Gerade in politischen und gesellschaftlichen Debatten sollten wir sorgsamer mit ihnen umgehen und immer bedenken, dass alles, was wir aussprechen, eine Konsequenz hat.

Auch Tyrion Lannister in „Game of Thrones“ war ein Sprachkünstler ...

Oh ja, die beiden haben einen famosen Witz gemein und formulieren besser als irgendwer sonst. Und beide dürften das Gefühl kennen, die schlaueste Person im Raum zu sein. Aber Tyrion ist dann doch deutlich besser darin, ehrlich seine Gefühle auszudrücken. Schließlich ist er im Laufe der Serie ziemlich oft in Schwierigkeiten geraten angesichts seine Ehrlichkeit. Vor allem natürlich, wenn es um die Frauen ging. Dafür ist Cyrano deutlich talentierter mit Schwert und Degen. Aber fragen Sie mich bitte nicht, welche der beiden Figuren mir näher ist oder ich lieber mag. Zwischen meinen Kindern will ich mich ja auch nicht entscheiden müssen.

Haben Sie also keine Rolle in Ihrer Filmografie, die Ihnen mehr bedeutet als andere?

Zur Person

Peter Dinklage , geboren am 11. Juni 1969 in Morristown im US-Bundesstaat New Jersey, hat mit der Rolle des Tyrion Lannister in der Serie „Game of Thrones“ den bislang größten Erfolg seiner Schauspielkarriere erzielt, davon zeugen vier „Emmy“ und ein „Golden Globe“. Seine Körpergröße von 1,35 Meter rührt von einer Achondroplasie her, die zu verkürzten Arm- und Beinknochen führt. Angebote, Zwerge oder Elfen in Filmen darzustellen, lehnt er stets ab; jüngst kritisiert er den US-Medienkonzern Disney scharf für dessen Neuauflage von „Schneewittchen“, die „rückständig“ sei und „alte Stereotype“ bediene.

1991 schließt er das Bennington College in Vermont in Schauspielkunst ab und zieht nach London, wo er die Royal Academy of Dramatic Arts absolviert und an der Welsh School of Music and Drama in Cardiff studiert. Zurück in den USA ist er in zahlreichen Off-Broadway-Produktionen zu sehen, bis ihn auch große Filmproduktionen engagieren. Er spielt etwa in „Die Chroniken von Narnia“, „X-Men“ und „Avengers“.

Er ist verheiratet mit der Theaterregisseurin Erica Schmidt, mit der er zwei Kinder hat. Seit 2012 tritt Peter Dinklage als Sprecher für die Tierschutzorganisation Farm Sanctuary auf. Er selbst lebt vegan.

Das Musicaldrama „Cyrano“ , in dem Dinklage an der Seite von Haley Bennett spielt, kommt am Donnerstag, 3. März, in die deutschen Kinos. osk

Sagen wir es mal so: Tyrion in „Game of Thrones“ ist einfach nicht vergleichbar mit den anderen Rollen, einfach weil ich ihn so lange gespielt habe. Er hat einen großen Raum eingenommen in meinem Leben, zehn Jahre, in denen viel passiert ist, was für immer mit ihm verbunden sein wird. Es hat mir viel bedeutet, Teil dieser Serie zu sein und in Irland zu leben.

Haben Sie die Serie selbst geguckt?

„Game of Thrones“ war eine tolle Serie. Aber zumindest die Szenen, in denen ich vorkam, konnte ich nicht mit Freude gucken. Das geht mir mit meiner Arbeit immer so, ich selbst bin mein schlimmster Kritiker. In der Regel gucke ich meine Filme nur, um zu sehen, was der Regisseur oder die Regisseurin daraus gemacht hat, und um die Sache für mich abzuschließen. Aber auch das eigentlich nur mit häufigem Hände-vor-die-Augen-halten und Nägelkauen vor Nervosität. Das ist definitiv ein Vorteil beim Theater, da komme ich gar nicht erst in die Verlegenheit, mich selbst sehen zu müssen.

Apropos Theater: Sie haben ja schon in der Bühnenfassung des „Cyrano“-Musicals die Titelrolle gespielt. Wie leicht fiel Ihnen – damals wie auch jetzt beim Film – eigentlich der Gesang?

In meiner Komfortzone liegt das Singen definitiv nicht, so viel ist klar. Aber genau deswegen reizte mich natürlich damals die Hauptrolle im Bühnenmusical schon so sehr, woran ich nun bei der Verfilmung anknüpfen konnte. Dass unsere Komponisten Aaron und Bryce Dessner von der Band The National die Songs mehr oder weniger für mich und meine Stimme schrieben, erleichterte mir die Sache natürlich sehr. Zumal der Sänger von The National, Matt Berninger, der nun auch die Texte schrieb, einer meiner absoluten Lieblingssänger ist und ich mich mehrfach dabei ertappte, wie ich ihn stimmlich imitierte. Davon musste ich mich fast wieder ein bisschen freimachen.

Das Drehbuch zum Film stammt, genau wie das Bühnenstück, von Ihrer Ehefrau Erica Schmidt. Halten Sie nichts von der Devise, Berufliches und Privates zu trennen?

Offensichtlich nicht, denn nach diversen Theaterstücken ist das hier schon mindestens unsere fünfte Zusammenarbeit. Für mich macht unsere Vertrautheit und Nähe die Kollaboration nicht kompliziert, sondern wundervoll leicht. Wir verstehen uns blind, Missverständnisse können da kaum aufkommen. Und dass man abends nach Hause geht und noch weiter über das Projekt sprechen kann, empfinde ich als Luxus. In künstlerischen Berufen gibt es doch ohnehin keine echte Trennung zum Privaten, da vermischt sich alles. Ich verstehe, dass man das als anstrengend empfinden kann. Aber für mich hat es etwas Bereicherndes.

Und wo wir gerade beim Privaten sind: Stimmt es, dass Sie und Ihre Frau sich von den „Cyrano“-Dreharbeiten auf Sizilien einen kleinen Hund mit nach Hause gebracht haben?

Oh ja, wir haben einen Welpen adoptiert. Sie heißt Roxanne, ist inzwischen über ein Jahr alt und gesund und munter. Aktuell ist sie unsere größte Freude. Und ein noch besseres Mitbringsel als die tollen Risottorezepte, die in Sizilien auch zu uns gefunden haben.

(Interview: Patrick Heidmann)

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